FCZ-Fan musste Vertrag unterschreiben, dass so etwas nie mehr passiert

Der Fackelwerfer vom Letzigrund bekommt eine hohe Strafe. Doch nicht nur das Gericht gibt ihm eine letzte Chance.

FCZ-Fans in der Zürcher Südkurve während des Derbys. (2. Oktober 2011)

FCZ-Fans in der Zürcher Südkurve während des Derbys. (2. Oktober 2011) Bild: Keystone

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Besonders gefährlich sah einer der Hauptdarsteller der Schande von Zürich nicht aus, als er heute im Bezirksgericht Zürich sass. Kurze Haare, einen schneeweissen Kapuzenpullover, Jeans und Nike-Air-Max-Schuhe. Der 24-Jährige mit den schmalen Schultern warf im Oktober 2011 eine brennende Fackel in die gegnerische Fankurve von GC – einer der Gründe, warum das Spiel abgebrochen werden musste.

Während der Gerichtsverhandlung bleibt der 24-Jährige ruhig, beantwortet die Fragen anständig und ausführlich. Zuletzt entschuldigt er sich noch einmal für das, was er getan hatte. Zwei Jahre bedingt für Gefährdung des Lebens und versuchte einfache Körperverletzung sowie die mehrfache Widerhandlung gegen das Sprengstoffgesetz bekommt der Fackelwerfer schliesslich. Die Probezeit wird auf drei Jahre angesetzt. Wenn der Briefträger nicht erneut straffällig wird, entkommt er so einer Haftstrafe. Zusätzlich muss der Täter eine Busse über 500 Franken bezahlen, weil er sich auf öffentlichem Grund vermummte.

«Da bekomme ich so einen dicken Hals»

Auch als er das Strafmass erfährt, bleibt er gefasst. Im Gegensatz zu seinen Freunden, die dem Prozess beiwohnen: «Eine Frechheit ist das», sagt einer, «da bekomme ich so einen dicken Hals», raunte ein anderer auf den hinteren Rängen des Gerichtssaals.

«Gut, Herr G. Sie sehen, wir haben Sie schuldig gesprochen», eröffnete die Richterin die Urteilsbegründung. Sie sei davon überzeugt, dass er die Gefährlichkeit des Fackelwurfs in die Menschenmenge richtig einschätzen konnte – und es trotzdem tat: «Es ist besonders verwerflich und rücksichtslos, eine brennende, mehrere Tausend Grad heisse Fackel in eine Menschenmenge zu werfen, nur weil man von den GC-Fans ein bisschen provoziert wurde.» Die Richterin glaubt ihm jedoch, dass er niemanden vorsätzlich verletzen wollte.

Experten diskutierten nach der Verhandlung darüber, ob man tatsächlich von einer Gefährdung des Lebens sprechen könne. Da durch einen Fackelwurf alleine das Leben anderer nicht unmittelbar gefährdet werde, handle es sich vielmehr um versuchte schwere Körperverletzung, so die Meinung von Gerichtsbeobachtern.

«Strafmass als Warnsignal»

Durch die Schwere des Urteils merke er hoffentlich, dass ein Fackelwurf keine Bagatelle sei, sagte die Richterin. Mit der bedingten Strafe habe ihm das Gericht aber noch eine Chance einräumen wollen – schliesslich war der Fackelwerfer nicht vorbestraft und lebt in geordneten Verhältnissen. Seinem Arbeitgeber musste der 24-Jährige in einem schriftlichen Vertrag zusichern, dass «so etwas nie mehr vorkommen wird».

Der Täter hatte im Oktober 2011 eine brennende Fackel in die GC-Fankurve geworfen. Staatsanwalt Edwin Lüscher forderte dafür eine Strafe von zwei Jahren, davon ein Jahr unbedingten Freiheitsentzug. Der Verteidiger des 24-jährigen Schweizers mit serbischen Wurzeln beurteilt den Fall komplett anders. Er verlangte einen Freispruch für den Anklagepunkt der Gefährdung des Lebens und eine Geldstrafe für die übrigen Anklagepunkte.

Beim Wurf der bis zu 2500 Grad heissen Seenotfackel wurde eine Person am Rücken getroffen. Das blieb zwar ohne Folgen. Doch im dichten Gedränge hätte die Situation auch ganz anders ausgehen können, argumentierte der Staatsanwalt. Der FCZ-Anhänger wurde deshalb für die Gefährdung des Lebens angeklagt. Der Strafrahmen dafür beträgt maximal fünf Jahre.

30 Monate für einen Basel-Fan

Auslöser für den Angriff auf die GC-Kurve war ein Fahnenklau. Als GC-Fans ihre Beute präsentierten und die gegnerischen Fans verhöhnten, rannten 50 Hooligans über die Tartanbahn Richtung GC-Fans. Als er genug nahe bei den gegnerischen Anhängern war, warf der Angeklagte die Fackel.

Als der Fackelwerfer zurück in den FCZ-Sektor rannte, prügelte er auf drei Leute ein. Der Vorfall hatte den Spielabbruch des Derbys zur Folge und wurde als Schande vom Letzigrund bezeichnet. Vier Tage nach der Tat stellte sich der 24-Jährige der Polizei und wurde 21 Tage lang in Untersuchungshaft gesetzt.

Vor einem Jahr hatte das Bezirksgericht Zürich in einem ähnlichen Prozess ein wegweisendes Urteil gefällt. Es verurteilte einen Hooligan zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 30 Monaten; davon muss er 10 Monate im Gefängnis absitzen. Der Basler Fan hatte am 17. Mai 2009 im Letzigrundstadion drei Signalkörper in die Zuschauerränge abgefeuert. Eine Frau wurde getroffen und dabei leicht verletzt.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 18.05.2012, 10:08 Uhr

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