FDP-Politiker vermittelt makabre Geldanlagen

Der Winterthurer FDP-Gemeinderat Christoph Magnusson hat einer älteren Frau eine risikoreiche Anlage vermittelt – sie hätte ihr Erspartes verlieren können.

Verteidigt seinen Auftritt als Finanzberater: FDP-Gemeinderat Christoph Magnusson.

Verteidigt seinen Auftritt als Finanzberater: FDP-Gemeinderat Christoph Magnusson. Bild: Youtube/Daniel Oswald

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Elisabeth Burkard, Köchin in einem Behindertenheim, mit wenigen finanziellen Mitteln, hätte dringend für ihr Alter sparen müssen. Sie vertraute deshalb auf einen Finanzberater, der seit Jahren Einblick in ihre finanzielle Situation hat. Dieser ist der Winterthurer Christoph Magnusson, ein ambitionierter FDP-Gemeinderat, von Beruf Finanzplaner.

Doch knapp zehn Jahre nach den ersten Finanzanlagen sitzt Elisabeth Burkard am Dienstagabend mit Tränen in den Augen vor der Kamera des «Kassensturz». Sie fühlt sich von ihrem Finanzplaner schlecht beraten. Ein Professor der Universität St. Gallen spricht in der Sendung von «einem skandalösen Fall». Magnusson verweigert ein Interview – und wird vom «Kassensturz» angeprangert.

Rechnung über 4000 Franken

Der Grund für den negativen Bericht: Magnusson hat seiner Kundin eine Anlage mit hohem Risiko vermittelt, die sie ihr Erspartes hätte kosten können. Er investierte ihr Geld in ein sogenanntes Life Settlement. Dieses ist eine Investition in die Lebensversicherung eines Seniors – in der Hoffnung, dass dieser bald stirbt.

Das Modell stammt aus Amerika, wo Senioren so auf ihre Lebensversicherung Geld aufnehmen können. Allerdings zahlt sich das für die Anleger nur aus, wenn der Lebensversicherte bald stirbt. Nur dann nämlich wird sein Geld ausgeschüttet. Falls er länger lebt als erwartet, müssen die Anleger seine Prämien für die Versicherung übernehmen. Weigern sie sich, geht ihr ganzes Geld verloren.

Elisabeth Burkard fühlt sich schlecht beraten und fürchtet um ihr Erspartes. Bild: Screenshot «Kassensturz»

Das geschah in Burkards Fall. Im letzten Jahr flatterte ihr plötzlich eine Rechnung über 4000 Franken ins Haus. Magnusson sagte ihr, sie müsse zahlen, sonst verliere sie ihr Investment. Den ersten Betrag zahlte sie. Als in diesem Jahr eine weitere Rechnung über denselben Betrag kam, weigerte sie sich. «Ich kann nicht ein weiteres Mal so viel Geld investieren», sagte sie gegenüber der Journalistin des «Kassensturz».

«Will nicht darauf wetten, dass jemand stirbt»

Erst aufgrund der Rechnungen will Elisabeth Burkard realisiert haben, auf welche Investments sie ihre Altersvorsorge gestützt hat – und ist schockiert: «Ich will nicht darauf wetten, dass jemand stirbt.»

Magnusson will vor laufender Kamera nicht Stellung nehmen. Er sagt, seine Kundin habe von der Anlage gewusst. Und: «Ich habe keinen einzigen Kunden, der das Produkt nicht verstanden oder eine allfällige Prämienzahlung nicht akzeptiert hat. Also waren meine Beratung und Information offensichtlich durchaus genügend.» Gegenüber dem «Landboten» beklagt sich Magnusson dann über die Berichterstattung: «Es ging darum, mich als schlechten Berater oder schlechten Menschen darzustellen.» Er habe nicht den Eindruck, dass sie fair gewesen sei. Das will der «Kassensturz» nicht gelten lassen. Man habe Magnusson alle Vorwürfe vorgelegt und er habe lange Zeit gehabt, sie zu beantworten.

So ganz sicher scheint sich Magnusson in Burkards Fall aber doch nicht zu sein. Aufgrund der TV-Recherche bietet er Elisabeth Burkard auf einmal ein Geschäft an. Er will ihr die Risiko-Anlage nun für rund 27'000 Franken abkaufen. Er verspricht, das Geld umgehend zu überweisen.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 14.12.2017, 10:36 Uhr

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