«Facebook ist ein Kriterium bei der Einstellung»

Die Betriebe seien bei der Auswahl von Lehrlingen heikler als früher, sagt der Chef der Lehrlingsaufsicht Kanton Schwyz. Dabei können heikle Facebook-Einträge verhängnisvoll sein.

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Eine junge Frau darf ihre Lehrstelle nicht antreten, weil sie auf Facebook über Lehrer lästerte. Was sagt der Kanton dazu? Sie müssen die Auflösung von Lehrverträgen doch bewilligen.
Eigentlich kann eine Partei den Lehrvertrag nur während der Probezeit kündigen. Dann ist eine Kündigung jederzeit ohne Angabe von Gründen mit einer Kündigungsfrist von sieben Tagen möglich. Anderseits bringt es nichts, wenn ein Stift zwar die Lehre antritt, dann aber nach einer Woche auf der Strasse steht. Deshalb müssen wir eine Vertragsauflösung vor Lehrbeginn in der Regel akzeptieren. Im konkreten Fall ist aber noch zu sagen, dass der Vertrag im gegenseitigen Einvernehmen aufgelöst wurde, dagegen können wir nicht einschreiten.

Würde der Kanton einen Facebook-Eintrag als einseitigen Kündigungsgrund akzeptieren?
Das kommt auf den konkreten Fall an. Wenn jemand bei einer Gemeindeverwaltung arbeitet, sind die Massstäbe sicher strenger.

Haben Sie je eine Kündigung wegen Facebook erlebt?
Bisher nicht. Aber wir stellen fest, dass Facebook seit einiger Zeit ein Kriterium bei der Einstellung ist. Personalchefs und Berufsbildner gehen routinemässig auf Facebook. In der Regel schaut man aber nach, bevor man den Vertrag abschliesst.

Sind die Lehrbetriebe heikler geworden?
Ja, auf jeden Fall. Sie wollen keine Problem-Lernenden. Für Jugendliche mit schulischen Defiziten oder Verhaltensproblemen ist es ganz schwierig, eine Stelle zu finden.

Werden viele Lehrverträge vor Beginn aufgelöst?
Pro Jahr vielleicht 7 oder 8 – bei insgesamt über 3000 im Kanton Schwyz. Darunter sind auch einzelne Fälle, in denen dem Betrieb etwas Negatives über den Lehrling zu Ohren gekommen ist.

Wann schreitet der Kanton ein?
Wenn ein Lehrling die Probezeit überstanden hat, darf der Lehrvertrag nur noch im gegenseitigen Einvernehmen oder aus wichtigen Gründen aufgelöst werden. Im zweiten Fall müssen wir die Kündigung zur Kenntnis nehmen und bestätigen.

Was wird als Grund für eine einseitige Kündigung akzeptiert?
Meistens geht es um schlechte schulische Leistungen oder um Konflikte im Betrieb, etwa wenn ein Stift ständig zu spät erscheint. Aber auch Vertrauensbruch kommt vor, zum Beispiel Diebstahl oder Unterschriftenfälschung. Pro Jahr werden zwischen 250 und 300 Lehrverträge aufgelöst, wobei es sich aber etwa bei der Hälfte nicht um einen Lehrabbruch handelt, sondern um eine Umstufung auf ein tieferes Niveau. Und: Etwa die Hälfte der einseitigen Kündigungen wird vom Lehrling beantragt, nicht vom Betrieb.

Erstellt: 09.06.2011, 10:32 Uhr

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37.4%

1848 Stimmen


Benno Kälin: Der 54-Jährige ist Leiter der Abteilung Betriebliche Grundbildung im Kanton Schwyz. Seine Abteilung muss etwa die einseitige Auf-lösung von Lehrverträgen bewilligen.

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