Fertig geschwitzt in der Zürcher S-Bahn

Klimaanlage und mehr Stauraum, dafür eine Toilette weniger: Die Zürcher S-Bahn-Züge der ersten Generation werden modernisiert. Der erste Zug hat seinen Betrieb aufgenommen. Tagesanzeiger.ch/Newsnet war dabei.

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Alle Sommer wieder: Der Schweiss läuft herunter, alles klebt am Körper. Der Reisende im unklimatisierten Zug will nur noch aussteigen – oder eine Klimaanlage. Das galt bisher für die erste Generation Doppelstöcker der Zürcher S-Bahn. Doch nun wird alles besser. Seit Dienstag ist das erste modernisierte Modell mit Klimaanlage unterwegs. Und es fühlt sich angenehm an – weder zu kühl noch stickig. Und dies, während draussen die noch starke spätsommerliche Sonne strahlt.

Der Einbau der Klimaanlagen ist Teil einer Modernisierung dieser Züge. Bis 2017 werden sämtliche 115 Kompositionen dieses Typs auf den neusten Stand gebracht. Dazu gehört auch, dass die Innenräume revidiert, die Einstiegszonen vergrössert und Informationsbildschirme eingebaut werden. Ausserdem werden in der 1. Klasse neu Steckdosen zur Verfügung gestellt.

Warum keine Klimaanlagen von Beginn weg?

Allerdings stehen neu 40 Sitzplätze pro Komposition weniger zur Verfügung als vor der Modernisierung. Dies, weil ein Wagen durch einen neu gebauten Niederflurwagen ersetzt wird. Dieser ist behindertengerecht und bietet viel Stauraum für Velos, Kinderwagen und Rollstühle. Andererseits verschwinden einige Sitzplätze, damit die Eingangsbereiche in den aufgefrischten Zügen ebenfalls mehr Stauraum bieten. «Damit sind wir einem Kundenbedürfnis nachgekommen», sagt Franz Kagerbauer, Direktor des Zürcher Verkehrsverbundes ZVV, gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet.

Platz brauchen auch die langersehnten Klimaanlagen, die nun eingebaut wurden. So musste pro Zugskomposition eine der beiden Toiletten weichen. Ein Ärger für die Passagiere? Kagerbauer verneint. Er erwartet, dass sie Verständnis haben werden. Ausserdem sei das WC neu behindertengerecht. «Die Neuerungen werden von den Kunden sicherlich geschätzt», ist der ZVV-Direktor überzeugt. Zusammenfassend meint er: «In den revidierten S-Bahnen wird es kühler, geräumiger und moderner.»

Wieso hat man nicht schon in den späten 80er-Jahren, beim Bau der Züge, Klimaanlagen eingebaut? Laut Kagerbauer waren klimatisierte Fahrzeuge damals nicht selbstverständlich. Erst in den letzten zehn Jahren seien sie hierzulande im öffentlichen Verkehr aufgekommen. Ausserdem habe man den Einbau von Klimaanlagen damals als zu aufwendig und teuer erachtet.

Modernisierung günstiger als Neukauf

Die Investitionen für die Zugsmodernisierung betragen insgesamt über 600 Millionen Franken. Wäre neues Rollmaterial nicht günstiger gewesen als die umfassende Modernisierung? «Dem ist nicht so», sagt Kagerbauer. Die Revision eines S-Bahn-Zugs der ersten Generation koste 2,6 Millionen Franken. Zusammen mit dem neuen Niederflurwagen belaufen sich die Kosten auf 5,4 Millionen Franken pro Komposition. Die Kompositionen der zwei neueren Generationen kosten 14 Millionen (Siemens-Züge) respektive 22 Millionen Franken (Regio-Dosto von Stadler Rail). Allerdings seien letztere Züge länger als die ersten beiden Zugstypen.

Das klingt nach viel Geld. Werden wegen der Flottenmodernisierung nun die Billettpreise im ZVV erhöht? Kagerbauer räumt zwar ein, dass die Preise erneut steigen werden. Allerdings nicht primär wegen der Modernisierung, sondern wegen der Ausbauten von Infrastruktur und Bahnnetz. «Der öffentliche Verkehr kostet künftig zwar mehr, aber er bietet auch mehr», so der ZVV-Direktor.

Auf welchen ZVV-Linien die ersten modernisierten Züge eingesetzt werden, ist laut Kagerbauer nicht festgelegt und hängt von der jeweiligen Verfügbarkeit ab. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 28.08.2012, 15:08 Uhr

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