Fett absaugen im Jelmoli

Nach dem Blick in den Spiegel der Umkleidekabine direkt in die Schönheitsklinik? In Zürich wird das jetzt möglich.

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Wenn die Hosen nicht passen, muss die Jelmoli-Kundin nicht mehr frustriert aus dem Warenhaus gehen. Im vierten Stock gibt es Abhilfe. Dort kann sie etwas Fett absaugen lassen. Oder mit einer Botox-Behandlung die Falte aus der Stirn schaffen, die ihr im grellen Licht der Umkleidekabine fürchterlich tief erscheint. Selbstverständlich gilt das auch für Männer. Speziell interessant dürfte für sie die Haarwurzeltransplantation sein, die im neuen Shop-in-Shop des Jelmoli ebenfalls angeboten wird.

Möglich macht es die Privatklinikgruppe Pallas. Das Familienunternehmen mit Hauptsitz in Olten eröffnet Anfang September eine Walk-in-Schönheitsklinik im Zürcher Warenhaus Jelmoli – eine Premiere für die Schweiz, wie es heisst. Vorbilder sind London, Paris oder New York. Jelmoli-CEO Franco Savastano verspricht, mit dem neuen Angebot das Flair der Weltmetropolen nach Zürich zu bringen: «Wir ermöglichen unseren Gästen ein aussergewöhnliches Einkaufserlebnis. Jelmoli wird noch mehr zum Lifestyle-Haus.» Ziel ist, neue Kundschaft ins Warenhaus zu bringen. Den Schweizer Warenhäusern geht es derzeit nicht gut, das Onlineshopping macht ihnen zu schaffen.

Steigende Nachfrage

Die Firma Pallas, die mit Augenoperationen gross geworden ist, will heute vor allem im Bereich der ästhetischen Medizin wachsen. Dort sind die Preise nicht reguliert, weil die Leute selber zahlen müssen, und die Nachfrage nach Schönheitsbehandlungen steigt. CEO Georgos Pallas: «Mit dem Fokus Soft-Ästhetik treffen wir den Nerv der Zeit und richten unser Angebot auf die Bedürfnisse unserer Kunden aus.»

In der Tat lassen immer mehr Menschen ihren Körper korrigieren. So weit wie in Brasilien, wo sich fast 30 Prozent der Frauen einem ästhetischen Eingriff unterziehen, sind wir in der Schweiz zwar nicht. Doch auch im Zürcher Strassenbild fallen Frauen auf, die übergrosse Lippen haben, deren Busen steil aus dem Décolleté ragt und deren Pobacken unnatürlich rund sind. Falten glätten kann man fast an jeder Ecke, im Coiffeursalon ebenso wie in der Hautarztpraxis. «Es entspricht dem Zeitgeist, so etwas in der Mittagspause zu machen», sagt Pietro Giovanoli. Als Direktor der Zürcher Uniklinik für plastische Chirurgie ist er sozusagen der staatlich anerkannte Experte auf dem Gebiet der Schönheitsmedizin.

Das Unispital macht selber auch mit beim Trend, es bietet ebenfalls Botox- und andere ­ästhetische Behandlungen an. Giovanoli gibt aber zu bedenken, dass jeder Eingriff am Körper ­gewisse Risiken birgt: «Bei ­Zungenpiercings sind schon Menschen verblutet.» Wenn bei einer Schönheitsoperation etwas schiefläuft, landen die Betroffenen oft im Unispital.

«Es entspricht dem Zeitgeist, so etwas in der Mittagspause zu machen.»Pietro Giovanoli, Professor für plastische Chirurgie

«Wir haben fast wöchentlich einen Fall mit Komplikationen nach einem Eingriff», sagt Giovanoli. Etwa zur Hälfte sind das Leute, die sich im Ausland operieren liessen, oft in einem osteuropäischen Land, weil es dort günstiger ist. Zur anderen Hälfte sind es Personen aus dem Einzugsgebiet des Unispitals. Sie kommen zum Beispiel, weil eine Brustprothese nicht sauber implantiert wurde. Oder weil das Füllmaterial sich entzündet hat und der Chirurg am Wochenende nicht erreichbar ist, um die Infektion zu behandeln.

Besonders dreist war der einschlägig bekannte, inzwischen verstorbene Schönheitschirurg Peter Meyer-Fürst. Er habe die blutenden Patientinnen jeweils in ein Taxi gesteckt und zum Notfall geschickt, erinnert sich Giovanoli. Früher habe er sich über diese Fälle geärgert und hätte sie am liebsten «zurück zum Absender» geschickt. Heute macht er das Beste aus dem Problem: «Wir definieren unsere Uniklinik als Kompetenzzentrum für Rekonstruktionen.» Oder anders gesagt: Die Ärzte im Unispital bügeln aus, was andere verpfuscht haben. Den Pallas-Kliniken attestiert Giovanoli einen relativ hohen fachlichen Level. So hat die ärztliche Leiterin der Klinik im Jelmoli, Tatjana Siebert, den deutschen Facharzttitel für plastische Chirurgie, und sie hat auch einige Jahre bei Giovanoli im Unispital gearbeitet.

Frau Doktor Siebert in der neuen Klinik: «Ich habe einen sehr hohen Anspruch an mich selber und einen guten Blick fürs Detail.» Foto: Urs Jaudas

Frau Siebert, weshalb haben Sie sich entschieden, nur noch Schönheitsmedizin zu machen?
Es war immer meine Leidenschaft, und die Entscheidung ist bereits im Medizinstudium gefallen. Ich habe einen sehr hohen Anspruch an mich selber und einen guten Blick fürs Detail.

Welche ästhetischen Behandlungen haben Sie persönlich genossen?
Lippenvolumen und Falten glätten – ich spritze mir alles selber.

Was ist bei den Leuten am meisten gefragt?
Botox-Behandlungen und Filler. Bei Personen, deren Gesichtsmuskulatur etwas erschlafft ist, kann man mit Hyaluron Volumen zurückgeben, oder auch Volumen bei den Lippen.

Laut Branchenkennern lassen zunehmend auch ganz junge Menschen etwas an ihrem Körper korrigieren. Wie beurteilen Sie das?
Ich sehe das skeptisch und rate einer 18-Jährigen von einer grösseren Operation ab. Generell muss man bei ästhetischen Eingriffen nach der Beratung eine längere Bedenkzeit geben.

Wo setzen Sie die Altersgrenze?
Für eine Operation bei 21 Jahren. Vollere Lippen würde ich aber auch bei einer 20-Jährigen machen.

Sie bieten unter anderem Brustvergrösserungen und -verkleinerungen an. Diese Operationen finden unter Vollnarkose statt. Ist das im Jelmoli möglich?
Nein, wir führen keine grossen Operationen wie Brustvergrösserungen hier im Haus durch. Man kann eine Patientin nach der Narkose nicht einfach heimschicken. Hier im Jelmoli schliessen wir um 20 Uhr, unsere Öffnungszeiten entsprechen denen des Warenhauses. Wenn eine Kundin mit dem Wunsch nach einer Brust-OP zu uns kommt, berate ich sie hier. Die Operation findet aber an einem anderen Klinikstandort statt. Am Standort Jelmoli führen wir kleinere Eingriffe wie Augenlidchirurgie oder Fettabsaugungen durch.

In Deutschland sind Brustvergrösserungen bereits ab 2400 Euro zu haben. Im Unispital Zürich kosten sie rund 10'000 Franken. Was ist der Preis in der neuen Pallas-Klinik?
Hier liegen wir preislich ähnlich wie etwa das Unispital.

Neben Ihnen arbeiten zwei Hautärztinnen und ein Venenarzt im Jelmoli. Führen die alle Behandlungen selber durch, oder delegieren sie auch an Assistentinnen?
Alle medizinischen Behandlungen werden durch das ärztliche Personal durchgeführt. Etwas anderes ist die medizinische Kosmetik.

Wo liegt der Unterschied?
Die Grenze ist sehr klar: Sobald es invasiv wird und etwas gestochen wird, machen es die Ärzte.

Erstellt: 22.08.2019, 20:49 Uhr

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