Dem Friedensapostel laufen die Angestellten weg

Ausgerechnet die Pfarrei von Friedenslicht-Initiant Walter Stählin ist heillos zerstritten: Es gab über 20 Abgänge in wenigen Jahren.

Walter Stählin und seine Frau Vreni setzen sich seit 18 Jahren für die Friedenslicht-Idee ein. Foto: PD

Walter Stählin und seine Frau Vreni setzen sich seit 18 Jahren für die Friedenslicht-Idee ein. Foto: PD

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Walter Stählin ist eine Art nationaler Lichtbringer. Nicht in erster Linie, weil er als Mitinhaber des Zürcher Elektrogeschäfts Elektro-Stählin AG «mit Power und Megaherz» im Einsatz ist. Nein, vor allem, weil er als Initiant und Präsident des Vereins Friedenslicht Schweiz das ganze Land zum Leuchten bringen will.

Wenn jeweils am 3. Advent das Friedenslicht bei uns eintrifft, wird er selber medial als Licht- und Friedensapostel gewürdigt. Schliesslich stellt er sich seit «18 Jahren zusammen mit seiner Frau Vreni verdienstvoll und uneigennützig in den Dienst der Friedenslicht-Idee», wie auf der Website nachzulesen ist.

Am kommenden Sonntag ist es wieder so weit. Stählin sorgt dafür, dass das Licht aus der Friedensgrotte in Bethlehem nach Basel, Freiburg, Luzern und Zürich gelangt. Hier, am Schweizer Hauptstützpunkt, wird das Friedenslicht dank seiner Verhandlungen mit der Stadt per Schiff zum Bürkliplatz gebracht. Dort wird es von Hand zu Hand weitergegeben. Und soll dann in Schulen, Unternehmen und Kirchgemeinden leuchten.

«Klima der Angst»

Ausgerechnet in Stählins eigener Kirchgemeinde Regensdorf will jedoch weder Licht noch Frieden einkehren. In der heillos zerstrittenen Pfarrei St. Mauritius amtiert er als Kirchenpfleger mit Ressort Personal. Ein arbeitsintensives Amt, ist doch die Personalfluktuation ausserordentlich hoch. Medien berichten von über 20 Abgängen in wenigen Jahren. Stählin zufolge waren einige nur temporär angestellt oder sind aufgrund von Wohnsitzwechsel und Krankheit gegangen.

Medien berichten von über 20 Abgängen in wenigen Jahren.

An der turbulenten Kirchgemeindeversammlung vom 3. Dezember musste Stählin Red und Antwort stehen, warum gerade wieder fünf Katechetinnen gekündigt haben. Doch der Kirchenpfleger mochte das vor den über 200 Gläubigen nicht kommentieren. Das verbiete der Datenschutz. Und in einem freien Land verantworte jeder seine Entscheide selber.

Im Sommer hatte der beliebte Vikar Stefan Loppacher das Handtuch geworfen. Er litt unter dem «Klima der Angst» und dem autoritären Führungsstil des vom damaligen Churer Bischof Huonder berufenen Pfarrers Remo Eggenberger. In einer Stellungnahme schrieb Loppacher, die hinter dem Pfarrer stehende Kirchenpflege habe die Situation noch verschärft.

Kirchenpflege weist Vorwürfe zurück

Schliesslich leitete die Zürcher Kantonalkirche aufgrund zahlreicher Beschwerden eine Administrativuntersuchung gegen die siebenköpfige Kirchenpflege ein – eine äusserst seltene Massnahme. Die Kirchenpflege begrüsst sie, weist zugleich alle Vorwürfe zurück.

Jetzt stellt sich auch die Kirchgemeinde quer: An der letzten Versammlung wies sie das Budget 2020 zurück. Ohne dieses kann die Kirchenpflege die längst aufgegleiste Sanierung des Pfarreizentrums nicht aufnehmen.

Stählin will nun in St. Mauritius einen runden Tisch zwecks «Chropfleerete» beliebt machen. Vielleicht beherzigt er ja auch den Ratschlag auf seiner Friedenslicht-Website: «Zusammen ein Licht anzünden und die Gemeinschaft spüren tut uns gut – gerade in der Advents- und Weihnachtszeit, wo wir uns besonders nach Wärme und Zuwendung sehnen.»

Erstellt: 13.12.2019, 15:18 Uhr

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