Reportage

«Früher fuhren öfters Autos in das Haus»

Weil ein Lastwagen in ein altes Haus in Steinmaur krachte, ist es unbewohnbar. Die Bergung des Fahrzeugs war schwierig, weil das Haus einzustürzen drohte.

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Am Donnerstagmorgen krachte es laut in Steinmaur. Gegen 5 Uhr ist ein Lastwagen in einer Linkskurve auf der Hauptstrasse geradeaus gefahren und direkt in ein altes Bauernhaus geprallt. Das Parterre wurde teilweise zerstört, das Fenster im Schlafzimmer darüber fiel aus dem Rahmen. Das Ehepaar und die beiden kleinen Kinder blieben unverletzt. Sie haben im ersten Stock geschlafen.

Gegen 10 Uhr steht das Ehepaar zusammen mit Feuerwehrleuten, Polizisten, Bauarbeitern und Statikern vor dem Haus und begutachtet den Schaden. Der Lastwagen ist ins Wohnzimmer geprallt, in der Wand klafft ein mannshohes Loch. Der Vater der Frau, ein Architekt, hat das alte Bauernhaus vor rund acht Jahren umgebaut. Nun ist es vorübergehend unbewohnbar.

Ein Meter dicke Wand durchbrochen

Denn der Lastwagen ist mit grosser Wucht in das Haus geprallt. Davon zeugt die stark zerquetschte Fahrerkabine. Der Lenker hat sich leichte bis mittelschwere Verletzungen zugezogen und befindet sich noch im Spital. Der Lastwagen hat eine ein Meter dicke Wand durchbrochen, die aus Bruchstein besteht. Das sind Natursteine, die früher beim Bau von Bauernhäusern wie beim beschädigten Gebäude verwendet worden sind. Durch den Aufprall haben sich die Steine stark verschoben, was zu Problemen mit der Statik führt. Die Bergung des Lastwagens dauert deshalb länger als geplant. Die Hauptstrasse in Obersteinmaur war nach dem Unfall mehrere Stunden gesperrt.

Bauarbeiter haben das Haus in dieser Zeit inwendig abgestützt. Nach mehreren Stunden Vorbereitungszeit können die Einsatzkräfte den Lastwagen abschleppen. Das Haus nimmt dabei keinen weiteren Schaden. Es bleibt aber noch einige Zeit unbewohnbar und muss instand gestellt werden. Über die Fassade ziehen sich mehrere grosse Risse. Einsturzgefährdet ist das Haus aber aufgrund der statischen Massnahmen nicht mehr.

Hausbewohner sind gefasst

Sie seien froh, dass die ganze Familie gesund sei und auch der Fahrer nicht schwer verletzt worden sei, sagt die Bewohnerin des Hauses, die in Steinmaur aufgewachsen ist. Sie und ihr Mann machen einen sehr gefassten Eindruck. Ihm gelingt es sogar, einige Sprüche zu machen, mit denen er die Feuerwehrleute aufzieht. «Jetzt kann ich zuschauen, ob ihr es richtig macht», sagt er zu ihnen. Es sind seine Kollegen; der Mann ist selbst Mitglied der Feuerwehr Banesto (Bachs, Neerach, Steinmaur). Einer von ihnen gibt zurück: «Du warst heute für einmal als Erster am Einsatzort.»

Über die Unfallursache ist noch nichts bekannt. Der Lastwagen, der Obst auslieferte, fuhr auf der Hauptstrasse Richtung Neerach. Der Lenker, ein 45-jähriger Portugiese, war bergaufwärts unterwegs und fuhr in der Linkskurve geradeaus. Bremsspuren sind am Boden praktisch nicht zu sehen. Jemand sagt, zur Unfallzeit habe dichter Nebel geherrscht. Jemand anderer meint, es sei glatt gewesen auf der Strasse. Vielleicht habe das mit dem neuen Belag zu tun, sagt eine Frau. Die Hauptstrasse ist diesen Sommer erneuert worden.

Die Polizei kann noch nichts über die Unfallursache sagen. Der Fahrer wird einvernommen, die Unfallspuren ausgewertet, das Unfallfahrzeug untersucht. Und die Polizei sucht Zeugen (Tel. 044 863 41 30).

Die Familie ist bei jemandem untergekommen

Eine Nachbarin sagt: «Früher ist es öfters vorgekommen, dass an dieser Stelle Autos ins Haus gefahren sind.» Sie seien zu schnell unterwegs gewesen. Seit das Tempolimit im Ortskern von Obersteinmaur vor einigen Jahren von 60 auf 50 gesenkt worden sei, habe es aber keine Unfälle mehr gegeben. Bis heute Morgen.

Mehrere Nachbarn sagen, sie seien vom Krach des Aufpralls geweckt worden. Sie seien froh, dass der Familie nichts passiert sei. Aber sie bedauern auch den Umstand, dass das Haus im Moment nicht mehr bewohnbar ist. «Gerade vor Weihnachten ist das nicht einfach», sagt eine Frau, die bei den Räumungsarbeiten zuschaut.

Die Familie ist bereits bei jemandem untergekommen. «Wir sind gut vernetzt in Steinmaur», sagt die Frau. Ihre beiden Pferde, die hinter dem Haus in einem Stall leben, sind im Moment bei Nachbarn auf der Weide. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 12.12.2013, 15:10 Uhr

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