Fünffacher Looping für ein 100-jähriges Schiff

Eine Flugshow, heulende Schiffshörner und grüssende Feuerwehren an den Landestegen für die Jubilarin: Die Geburtstagsfahrt des 100-jährigen Raddampfers Stadt Rapperswil in die Rosenstadt wurde zur Triumphfahrt.

Viel Ehre: Die Stadt Rapperswil (links von der Mitte) wird von der Super Constellation und neun PC-7 der Armee gegrüsst. Foto: Reto Oeschger

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Rapperswil/Zürich – 100 Jahre alt ist er, 59 Meter lang, und er hat zwei mächtige Schaufelräder. Der Raddampfer Stadt Rapperswil hat gestern nach einer wechselvollen Geschichte und einem zähen Kampf ums Überleben seine wohl schönste Fahrt absolviert: die Geburtstagsfahrt von Zürich ans Hafenfest in Rapperswil und zurück. Unterwegs hatte so ziemlich jedes Zürichseeschiff, das etwas auf sich hält, und jede Seegemeinde der eleganten Jubilarin einen Gruss erwiesen – mit Schiffshörnern, den Fontänen aus den Schläuchen der örtlichen Feuerwehren und den Rettungsbooten auf dem See.

Am grossherzigsten empfing naturgemäss die Stadt Rapperswil ihre Tochter: mit Musik, einer Rose für jeden Passagier und einem Hafenfest in der warmen Abendsonne, das noch bis zum Sonntag dauert. Der Applaus unterwegs allerdings galt nicht nur der Stadt Rapperswil. Sie war bloss der Star im Konvoi. Begleitet wurde die Jubilarin von ihrem fünf Jahre älteren Schwesterschiff Stadt Zürich und dem Flaggschiff der Zürichseeflotte, dem Motorschiff Helvetia, das dieses Jahr seinen 50. Geburtstag feiert.

Super Connie grüsst aus der Luft

Mitten auf dem See – zwischen der Halbinsel Au und Männedorf – trafen sich gestern Abend zwei Schönheitsköniginnen: das schönste Schiff im Wasser auf dem See und das schönste Flugzeug in der Luft am Himmel. Begleitet von 9  PC-7 der Schweizer Armee, erwies eine Lockheed Super Constellation der Armada ihre Reverenz. Die drei Jubiläumsschiffe und zwei Dutzend weitere Fahrgast-, Dampf- und Partyschiffe sowie private Jachten formierten sich dabei sternförmig um die Stadt Rapperswil. Die Super Connie flog mit Tempo 280 vom Obersee her an, gefolgt von den PC-7 in Diamant-Formation. Connie-Kapitän Ernst Frei erklärte nach dem Flug: «Über bewohntem Gebiet müssen wir 300 Meter Abstand halten.» Weil auch Schiffe als bewohntes Gebiet gelten, kurvten die Connie und die PC-7 neben den Schiffen durch und durften deshalb 150 Meter über dem Wasser fliegen.

Nach dem spektakulären Vorbeiflug, der rund um den See von Tausenden von Zuschauern beobachtet wurde, stiegen die zehn Flugzeuge auf 1000 Meter hoch, stachen auf den Albispass zu und kehrten über dem Zimmerberg um. Die Super Connie hat Jahrgang 56, ist in ­Basel stationiert und eines der zwei letzten von ursprünglich 564 gebauten Exemplaren dieses Typs.

Tunnelkreuzung bei Tempo 400

Nach einem zweiten Vorbeiflug verabschiedete sich die Super Connie. Nun begeisterte das PC-7-Team mit einem Dutzend spektakulärer Figuren – vom weltweit einmaligen Fünffach-Einzellooping bis zur Tunnelkreuzung bei Tempo 400. Alle PC-7 wurden von Profi-F/A-18-Piloten geflogen. Ihr Links-Aussen heisst Cyril «Johnny» Johner, und er ist der Sohn von Kantonsratspräsidentin Brigitta Johner (FDP), die ihm auf dem Deck der Stadt Rapperswil die Daumen drückte.

Die spektakuläre Geburtstagsparty ist ein weiterer Mosaikstein in der Geschichte der Stadt Rapperswil, die auch durch Tiefpunkte geprägt wurde. Einen Monat nach dem Stapellauf 1914 brach der Erste Weltkrieg aus. Statt mit Kohle musste sie mit Holz oder Torf befeuert werden. 1918 stellte der Bundesrat die gesamte zivile Schifffahrt ein. Die Stadt Rapperswil hatte mit gefülltem, aber bloss schwach temperiertem Wassertank bereitzustehen. «Sie musste damals innerhalb von 24 Stunden für militärische Zwecke einsetzbar sein», sagte ZSG-Verwaltungsratspräsident Peter Weber in seiner Geburtstagsansprache. Weber und ZSG-Direktor Hans Dietrich dankten insbesondere der Aktion pro Raddampfer, welche die Stadt Rapperswil 1969 durch eine Geldsammlung vor dem Verschrotten bewahrte.

Der Zürcher Volkswirtschaftsdirektor Ernst Stocker (SVP) liess sich durch die Flugshow zu einem gewagten Vergleich inspirieren. «Angesichts dieser Begeisterung verstehe ich das Nein zum Gripen nicht», sagte er. Der Gripen hätte pro Jahr weniger gekostet als der Zürcher Beitrag an den Verkehrsverbund. Auf dem Rückweg erlebte der Geburtstagskonvoi noch eine Überraschung. Zwei Fähren stoppten und drehten links und rechts der Dampfer zur Überraschung ihrer Passagiere Pirouetten.

Hafenfest bis am Sonntag

Am Samstag und Sonntag feiert die Stadt Rapperswil ihren Raddampfer mit einem Hafenfest und einem Oldtimer-Boottreffen. Am Samstag um 14 Uhr fliegt die Super Connie über die Rosenstadt. Im Hafen kann der Raddampfer inklusive des Maschinenraums (jeweils 10 bis 16 Uhr) besichtigt werden. Die Festwirtschaft am Fischmarktplatz ist jeweils von 10 bis 18 Uhr offen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 24.05.2014, 02:21 Uhr

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Spektakulärer Überflug

Spektakulärer Überflug Warum PC-7-Flieger mit der Superconnie über den Zürichsee donnerten.

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