«Für Rheinau hat sich das Grundeinkommen bezahlt gemacht»

SP-Gemeindepräsident Andreas Jenni mag nicht vom Scheitern des Experiments mit dem bedingungslosen Grundeinkommen sprechen. Wichtige Ziele seien erreicht worden.

Politisch zugelegt: Rheinau hat vom Grundeinkommen profitiert.

Politisch zugelegt: Rheinau hat vom Grundeinkommen profitiert. Bild: Sabina Bobst

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Ihre Gemeinde wollte Pionierin sein und ein Experiment mit dem bedingungslosen Grundeinkommen durchführen. Wieso ist es gescheitert?
Von gescheitert will ich nicht sprechen. Das Experiment findet einfach auf die bisher geplante Art und Weise keine Fortführung. Die Initianten, die das Projekt lanciert haben, konnten dafür zu wenig Geld sammeln. Wir als Gemeinde haben trotzdem wichtige Ziele erreicht.

Welche?
Das Ziel des Rheinauer Gemeinderats war unter anderem, die Bevölkerung wieder mehr für Politik zu begeistern. Mit der Beteiligung am Experiment haben wir ein attraktives Thema lanciert, das seinen Zweck gut erfüllt hat: Die Rheinauerinnen und Rheinauer haben sich Gedanken gemacht, haben diskutiert, sich beteiligt und Politik gelebt. Das Interesse war gross, die Gemeindeversammlung voll. Für Rheinau hat sich das Grundeinkommen bezahlt gemacht.

Trotzdem: Es wird keinen Film über Rheinaus Pionierleistung geben, keine Diskussion mehr, kein öffentliches Interesse. Sind Sie nicht enttäuscht?
Natürlich bin ich das. Ich hätte das Experiment in der Gemeinde gerne durchgeführt, sonst hätte ich mich nicht dafür ausgesprochen. Aber uns war von Anfang an klar, dass es ausserordentlich schwierig werden wird, mehrere Millionen Franken dafür zu sammeln. Deshalb haben wir dem Projektteam früh gesagt, das Beschaffen des Geldes liege bei ihnen. Auch die Gemeindekasse durfte nicht belastet werden.

«Ob das Projektteam zu wenig gemacht hat, weiss ich nicht. Wir als Gemeinde haben uns herausgehalten.»

Gemeindepräsident Andreas Jenni

War das Crowdfunding schlecht aufgegleist, dass nur ein Bruchteil des gesammelten Geldes zusammengekommen ist?
Das kann ich zu wenig beurteilen. Das Projektteam hat sich sehr eingesetzt. Ob es zu wenig oder das Richtige gemacht hat, weiss ich nicht. Wir als Gemeinde haben uns herausgehalten.

Sie zweifelten von Anfang an daran, dass das Geld zusammenkommt, und damit auch an der Durchführung des Experiments. War es für Sie nur eine PR-Aktion?
Rheinau konnte sich in einem sehr guten Licht präsentieren. Das Medieninteresse war gross, und die Gemeinde zeigte sich als weltoffen und experimentierfreudig. Wir machten klar: Rheinau ist keine Schlafgemeinde! Das vermittelte Bild des Dorfes ist positiv. Dennoch finde ich es sehr schade, dass das Experiment nicht wie geplant durchgeführt werden kann. Ich hoffe jedoch, die Diskussion geht weiter, bis es später vielleicht zu einem neuen Versuch kommt. Rheinau wäre offen dafür.

Werden Sie sich aktiv für ein Weiterführen einsetzen?
Das könnte ich mir vorstellen, ist aber zurzeit völlig offen. Bei der nationalen Abstimmung war ich gegen die Einführung eines Grundeinkommens, weil ich dessen Umsetzung für unrealistisch hielt. Es wäre deshalb entscheidend, wie ein neues Experiment aussieht.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 04.12.2018, 16:25 Uhr

Andreas Jenni

SP-Gemeindepräsident von Rheinau

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