Gefehrlich für die SP

Mit dem Zweierticket Fehr und Fehr für den Regierungsrat haben sich die Sozialdemokraten etwas eingebrockt. In den Wahlbüros wird es Debatten geben.

«Gefehrliche» Kandidatur: Jacqueline Fehr wurde am Wochenende von der SP zur Kandidatin für den Regierungsrat gewählt. Foto: Keystone.

«Gefehrliche» Kandidatur: Jacqueline Fehr wurde am Wochenende von der SP zur Kandidatin für den Regierungsrat gewählt. Foto: Keystone.

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Die SP wählte am Wochenende Jacqueline Fehr zur Kandidatin für den Regierungsrat. Damit geht die Partei ein doppeltes Risiko ein. Denn Fehr gilt als kompromisslose Linke. Zwar war Fehr im Parlament die Architektin eines spektakulären Kompromisses: der Mutterschaftsversicherung. Diese bestand im Kern aus einem Paket von ihr und dem freisinnigen Gewerbe­verbandschef Triponez. Und war eines der wenigen Sozialausbauprojekte, das an der Urne eine Mehrheit fand. Was in der Schweiz so häufig ist wie ein Diamant in einer Cornflakespackung.

Aber das ist egal. Denn in der Politik zählen nicht die Tatsachen, sondern die Meinungen über die Tatsachen. Der Ruf gilt, nicht die Realität. Und dann kommt noch Fehrs Name dazu. Mit diesem geht die SP ein weiteres Risiko ein: dass eine grössere Zahl von Stimmen für beide ihrer Kandidaten ungültig werden. Denn der amtierende Regierungsrat der Partei heisst ebenfalls Fehr, nur Mario.

Damit ist klar, dass der Name «Fehr», nackt auf den Wahlzettel geschrieben, zu einer ungültigen Stimme führt. Da unklar bleibt, wer damit gemeint ist.

«Fehr & Fehr»

Die Frage wäre, was passiert, wenn jemand «Fehr & Fehr» auf den Zettel schreibt. Nur ist diese Frage nicht beantwortbar. Oder genauer: Es gibt über 200 Antworten. Denn Zweifelsfragen entscheidet keine Zentrale, sondern jedes Wahlbüro für sich.

Somit ist nicht zu sagen, ob «M. Fehr» oder «Mme Fehr», ob «Fehr mit Schnauz» oder «Fehr mit Schnauze» für Mario beziehungsweise Jacqueline Fehr als Stimme zählen.

Zwar ist die Schweizer Praxis relativ tolerant, etwa in Sachen Rechtschreibfehler – solange der Wählerwille eindeutig bestimmbar ist. Doch was passiert in Zweifelsfällen? Wenn jemand statt des SVP-Regierungsrats Ernst Stocker «Emil Stocker» wählt? Oder zum Scherz «Ernst Kartoffel-­Stocker»? Und gilt beim FDP-Mann Thomas Heiniger auch der «Dr.» als Vorname?

Und: Welche Scherze machen die Wahl ungültig? Wählt man etwa Dr. Heiniger und Schnuffi, den Seehund, wird nur Letzterer gestrichen. Bei Beleidigungen aber (wenn man etwa Dr. Heiniger und «Sie Nase!» wählt) wandert der ganze Wahlzettel in den Müll. Aber wo sind die Grenzen? Was, wenn man zu Mario und Jacqueline Fehr auch noch «Luzifehr» wählt – ist dann das ganze Paket ungültig?

Es gibt den alten Witz, in dem ein Schweizer Mediziner gefragt wird, wie Kinder gezeugt werden. Seine Antwort: «Das ist von Kanton zu Kanton verschieden.» In der Realität ist dieser Witz natürlich viel zu grob. Es ist von Gemeinde zu Gemeinde verschieden.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 29.09.2014, 23:41 Uhr

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