Geheimniskrämerei der SBB um bediente Bahnhöfe

Die SBB schliessen immer häufiger Bahnschalter, die nicht rentieren. Die Kunden müssen sich dann mit Ticketautomaten begnügen. Welche Stationen als nächste weggespart werden, will die Bahn nicht verraten.

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Bahnbenutzer stehen im Kanton Zürich immer öfter vor verschlossenen Schaltern. Die SBB straffen ihr Schalternetz und schliessen jene Bahnhöfe, die rote Zahlen schreiben. Was wirtschaftlich Sinn macht, stösst vielen Benutzern indes sauer auf. Zwar können Tickets an den Automaten bezogen werden, für weiterführende Dienstleistungen wie Reservationen oder Abonnemente muss aber auf andere Bahnhöfe oder das Internet ausgewichen werden.

«Die Salamitaktik im Abbau des Service public stört mich»

Unmut über die Bahnhofsschliessungen macht sich besonders im Rafzer Feld breit. Matthias Hauser, SVP-Kantonsrat aus Hüntwangen, reichte mit seinem Amtskollegen Hans Meier (GLP, Glattfelden) eine Anfrage zu den Umständen der Schliessungen an den Regierungsrat ein. «Der Bahnhof Eglisau wird Ende Jahr geschlossen, Rafz droht dasselbe Schicksal», ärgert sich Hauser. Damit bestünde zwischen Neuhausen und Bülach kein einziger bedienter Bahnschalter mehr. «Die Salamitaktik im Abbau des Service public stört mich. Als die SBB den Bahnhof Hüntwangen schlossen, verwies man auf das nahe Eglisau – und nun steht auch dieser Bahnhof vor den Aus!»

Hauser versuchte sich bei den SBB und dem ZVV zu informieren, welche Bahnhöfe noch auf der Abschussliste stünden. «Für die betroffenen Gemeinden wäre dies eine wichtige Information.» Bei den SBB und dem ZVV hüllte man sich allerdings in Schweigen. Zwar bestätigten ihm eigene Quellen, dass ein Vertrag bestehe, der die Schliessungen von Bahnhöfen zwischen den beiden Unternehmen regle, offiziell liess man Hauser aber abblitzen.

Welche Bahnhöfe in Zukunft noch bedient sein werden, wollte Daniele Pallecchi, Mediensprecher der SBB, nicht sagen. «Solange die Anfrage im Kantonsrat hängig ist, werden die SBB nicht informieren.» Auch Beatrice Henes, Informationsbeauftragte des ZVV, verweist auf die hängige Anfrage und will keine Details preisgeben.

SBB berufen sich auf Vorgabe des Bundes

Dass durch die Schliessung sämtlicher unrentabler Bahnhöfe Versorgungslücken entstehen können, lässt Pallecchi nicht gelten: «Wer mit dem Zug unterwegs ist, kommt in den meisten Fällen an einem bedienten Bahnhof vorbei, wo er weitere Dienstleistungen beziehen kann.» Ausnahmen, beispielsweise in ländlichen Gebieten, wo der nächste bediente Bahnhof weit weg ist, werden «eher nicht» gemacht.

War früher noch Bahnhofspersonal notwendig, um das Schienennetz zu bedienen, wird dieses immer häufiger von anderen Bahnhöfen aus zentral gesteuert. Läuft der Ticketverkauf an typischen Pendlerstationen dazu noch harzig, setzen die SBB den Rotstift an. Die SBB begründen dies mit der Vorgabe des Bundes, eigenwirtschaftlich operieren zu müssen. Ein Hoffnungsschimmer besteht für die Bahnkunden allerdings: In Uznach SG ist der Bahnschalter beispielsweise während des Sommerhalbjahrs bedient. Damit komme man den Touristen entgegen, erklärt Pallecchi. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 06.10.2008, 11:33 Uhr

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