Geld allein reicht nicht, um die Traumwelt zu retten

Die Schliessung des Bruno-Weber-Parks bei Dietikon hat eine Solidaritätswelle ausgelöst. Doch solange Stiftung und Künstlerwitwe sich nicht einigen, ist eine Lösung kaum möglich.

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«Daraus könnte etwas ganz Besonderes werden», sagt Brigitte Bitterli über den Skulpturenpark Bruno Weber. Es ist dieselbe Brigitte Bitterli, die den Park, in dem der vor drei Jahren verstorbene Weber seine Gegenwelt schuf, ab dem 20. Oktober schliessen lässt. Sie ist von der Aargauer Stiftungsaufsicht als kommissarische Stiftungsrätin eingesetzt worden und hat sich mittlerweile einen Überblick über die Situation verschafft. Das Resultat bezeichnet sie als «erschreckend»: Das Gesamtkunstwerk ist trotz 20'000 Besuchern pro Jahr stark defizitär, muss dringend saniert werden, und die Stiftung hat keinen Franken Rückstellungen getätigt.

Seit die Anwältin die Schliessung verkündet hat, laufen verschiedene Rettungsversuche für den Park, den der ehemalige Direktor des Basler Tinguely-Museums Guido Magnaguagno vor kurzem in einem Interview mit der «Aargauer Zeitung» als «grosse Poesie» bezeichnet hat. Der Spreitenbacher SP-Kantonsrat Martin Christen hat im Grossen Rat zwei Interpellationen eingereicht und ein Komitee zur Rettung des Parks gegründet, dem unter anderen Franz Hohler angehört.

Bereits wurden mehr als 8000 Unterschriften gesammelt, und vor einer Woche hat sich sogar der Bundesrat mit dem Bruno-Weber-Park befasst. Der Badener SP-Nationalrat Cédric Wermuth machte sich in der Fragestunde für den Park stark – und bekam eine Abfuhr. Der Bundesrat anerkennt zwar den künstlerischen Wert des Werkes, stellt aber in den nächsten Jahren kein Geld in Aussicht. Auch der einst spendable Kanton Aargau winkt ab, solange die Situation nicht bereinigt ist. Eine Unterschutzstellung besteht nicht.

Nur ein Teil muss schliessen

Diese Aktionen sind bestenfalls ein Tropfen auf den heissen Stein. Die Situation ist derart verfahren, dass der Stiftungsrat innert einem Jahr zweimal komplett neu besetzt werden musste. Die Mitglieder waren mit viel Herzblut dabei und kapitulierten schliesslich doch vor dem Konstrukt, das während 50 Jahren gewachsen ist und nie ganz sauber aufgestellt wurde. Im Grunde geht es um zwei Baustellen:

Erstens die Zone: Der Skulpturenpark ist von der Einzonung her landesweit ein Unikum. Bruno Weber hatte seit 1952 am Waldrand oberhalb von Dietikon auf Spreitenbacher Boden nach und nach sein Reich erbaut, ohne sich um Bauvorschriften zu kümmern. In einem bemerkenswerten Hosenlupf legalisierten die Gemeindeversammlung und im Anschluss der Kanton Aargau dieses ­Gesamtkunstwerk, indem sie dort eine Spezialzone für künstlerisches Schaffen einrichteten. Diese erlaubt jedoch nur Veranstaltungen, die im Zusammenhang mit dem Kunstschaffen stehen, aber keine Nutzung für Geburtstags- oder Hochzeitsfeiern und dergleichen, die den Betrieb rentabel machen würden. Dafür kann dort auch kein Rummelplatz entstehen, was viele Freunde des Parks – und auch Maria Anna Weber, die Witwe des Künstlers – befürchten.

Zweitens die Eigentumsverhältnisse: 2011 verkaufte die Familie Weber die Parzelle, auf welcher der Wassergartensaal erstellt worden ist, der bereits seit längerem bestehenden Bruno-Weber-Stiftung. Die Parzelle umfasst ungefähr ein Drittel des Parks, ist aber sein Herzstück. Das führte immer wieder zu Konflikten, weil sich die Stiftung und Maria-Anna Weber über das weitere Vorgehen nicht einig waren. Und es führt zu Abgrenzungsschwierigkeiten. So dürfen Spendengelder, welche die Stiftung zugesprochen bekommt, nicht in die Privatschatulle der Familie Weber fliessen. Was ist aber, wenn mit Spendengeldern Skulpturen im weberschen Besitz saniert werden? Anderseits heisst das auch, dass die von Bitterli verhängte Schliessung nur den Wassergarten betrifft und die Familie Weber ihren Teil in eigener Regie betreiben kann. Allerdings haftet sie dann auch, wenn etwas passiert. Kommt dazu, dass ein geteiltes Gesamtkunstwerk eben nur eine halbe Sache ist. So sind Stiftung und Familie auf Gedeih und Verderb aneinander ­gebunden.

Gönner warten ab

Aber gibt es überhaupt noch ein Gedeihen? Brigitte Bitterli sieht nur eine Lösung: «Der Park sollte nur einen Eigentümer haben.» Genau daran haben sich aber auch die früheren Stiftungsräte die Zähne ausgebissen, denn Maria-Anna Weber lehnte bisher eine solche Lösung kategorisch ab. Sie gibt zu bedenken: «Der mir verbliebene Teil des Parks ist meine Altersvorsorge und das Erbe meiner beiden Töchter.» Und er sei auch Garant, dass sie weiterhin Einfluss auf den Umgang mit dem künstlerischen Nachlass ihres Mannes nehmen könne. An dem sie selbst grossen Anteil hat.

Bitterli ist mit Weber so verblieben, dass diese ihr einen Vorschlag unterbreitet, unter welchen Bedingungen eine Übernahme infrage käme. Aktuell ist Weber an den Nettoeinnahmen beteiligt. Was geschieht, wenn keine Einigung zustande kommt? «Dann werde ich die Stiftung auflösen müssen», sagt Bitterli. «Denn sie kann ihren Zweck, den Erhalt von Bruno Webers Werk, nicht mehr erfüllen.» Der Wassergarten würde verkauft oder dem Gemeinwesen zufallen.

Sollte aber eine Einigung zustande kommen, ist es laut Bitterli weniger ein Problem, fähige Leute für den Stiftungsrat zu finden. Dann müsse man den Betrieb neu aufgleisen, um bei Sponsoren und Gönnern das Vertrauen zurückzugewinnen. Geldgeber seien bereits in Sicht, sagt Bitterli. «Doch steigen sie nur ein, wenn die Verhältnisse klar sind.» Wenn so die notwendigen Beträge zusammenkommen, könnte der Park saniert, professionell geführt und auch besser beworben werden. «Dann könnte daraus etwas ganz Besonderes werden.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 28.09.2014, 22:06 Uhr

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