Generalprobe für 1:12-Initiative misslungen: Kein Lohnschnitt für ZKB-Kader

Der Vorstoss der Zürcher Juso für eine Umsetzung der 1:12-Initiative bei der Zürcher Kantonalbank erlitt Schiffbruch – weil es im Kantonsparlament linke Dissidenten gab.

Auch wenn die ZKB nicht zur «Spitze der Abzockerbetriebe» gehöre, wollten die Jungsozialisten die 1:12-Initiative auf die Bank anwenden: ZKB-Gebäudekomplex an der Geroldstrasse.

Auch wenn die ZKB nicht zur «Spitze der Abzockerbetriebe» gehöre, wollten die Jungsozialisten die 1:12-Initiative auf die Bank anwenden: ZKB-Gebäudekomplex an der Geroldstrasse. Bild: Pascal Unternährer

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Alle Redner sprachen sich heute Montagmorgen im Kantonsrat gegen Abzockerei aus. Aber die parlamentarische Initiative (PI), welche die Juso-Mitglieder der SP-Fraktion zusammen mit der EVP eingereicht haben, mochten die meisten nicht unterstützen. Mattea Meyer, Rosmarie Joss (beide SP) und Peter Ritschard (EVP) wollten die nationale 1:12-Initiative vorzeitig auf die ZKB anwenden: Der Maximallohn soll nicht mehr als das Zwölffache des tiefsten Lohns betragen.

Das Anliegen erhielt nur 55 Stimmen von SP, Grünen und EVP. 60 wären nötig gewesen, um das Vorhaben einer parlamentarischen Kommission zur Weiterverarbeitung zu übergeben. Frustrierend für die Initianten: Wenn die Fraktionen der Initiantenparteien SP und EVP geschlossen für die PI gestimmt hätten, wäre sie vorläufig unterstützt worden. Nicht geholfen hat auch, dass vier grüne Stimmen fehlten.

Grüne in drei Lager gespalten

Bei der EVP stimmten bloss vier von sieben Ratsmitgliedern für die Initiative, bei der SP mussten mindestens zwei dringend aufs WC, wie es in solchen Fällen so schön heisst. Einer von ihnen ist Roland Munz. Er gibt gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet an, dass es keinen Sinn mache, die 1:12-Initiative auf ein Unternehmen in einem Kanton anzuwenden.

So argumentierten auch einige Grüne. Sie waren in drei Lager gespalten. Die einen unterstützten die Initiative ohne Vorbehalt. Andere befürchteten Entlassungen und dass die Tieflohn-Abteilungen von Firmen einfach ausgelagert werden, damit die Kader weiterhin zu höheren Löhnen kommen. Sie sagten aber trotzdem Ja zur Initiative, damit der Makel in der Kommission ausgemerzt werden kann. Die dritte Gruppe wiederum verweigerte die Unterstützung wortlos.

1:34 bei der ZKB

Auf der bürgerlichen Seite war die Sache klar. Die Votanten von SVP, FDP, GLP, CVP, BDP und EDU übernahmen die Argumentation der nationalen Wortführer gegen die Juso-Initiative. Im Zentrum stehen Gründe des Wirtschaftswettbewerbs. Viele sprachen auch von einer willkürlichen Zahl von 1:12 und von «sozialistischen Methoden».

Da nützte es nichts, dass Initiantin Meyer darauf hinwies, dass die Lohnschere zwischen den durchschnittlichen Angestellten und dem Management 1984 in der Schweiz noch 1:6 betrug und 1998 1:13. Sie wies zwar darauf hin, dass die ZKB mit der 1:34-Lohnschere «nicht die Spitze der Abzockerbetriebe» bildet – CEO Martin Scholl erhielt 2011 inklusive Bonus 1,65 Millionen, der tiefste Lohn liegt bei rund 48'000 Franken im Jahr. Meyer erinnerte aber daran, dass der Kanton Glarus Anfang Jahr für seine Kantonalbank die Lohnbandbreite von 1:10 eingeführt hat – auf Initiative der SVP. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 06.05.2013, 15:20 Uhr

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