Gesetzesänderung bringt Zürich mehr Sozialfälle

Nachdem die Sozialhilfequote in der Stadt Zürich jahrelang gesunken war, stieg sie 2012 wieder an. Ursache ist eine Änderung bei der Asylfürsorge. Gleichzeitig erhöhten die Inspektoren ihre Trefferquote markant.

Theoretische und tatsächliche Entwicklung: Mit der Anpassung des Sozialhilfegesetzes (SHG) musste die Stadt Zürich mehr Sozialfälle finanzieren.

Theoretische und tatsächliche Entwicklung: Mit der Anpassung des Sozialhilfegesetzes (SHG) musste die Stadt Zürich mehr Sozialfälle finanzieren. Bild: zvg

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Die Sozialhilfequote der Stadt Zürich stieg im vergangenen Jahr von 4,9 auf 5,1 Prozent, wie das Sozialdepartement am Dienstag mitteilte. Den Anstieg führen die Sozialen Dienste auf die Anpassung des Sozialhilfegesetzes zurück. Seit Anfang 2012 erhalten «vorläufig aufgenommene Personen» im Kanton Zürich nicht mehr Asylfürsorge, sondern Sozialhilfe.

Die Gesetzesänderung führte dazu, dass die Zahl der Sozialhilfefälle Ende Jahr um 488 auf 8717 angestiegen ist. Ohne die Gesetzesänderung wäre die Sozialhilfequote auf 4,8 Prozent gesunken.

Keine Zunahme registrierten die Sozialen Dienste bis anhin bei Personen aus der EU. Von 2008 bis 2012 sei die Sozialhilfequote bei EU-Bürgern in Zürich sogar von 3 auf 2,6 Prozent gesunken, heisst es in der Mitteilung.

20 Millionen Franken mehr Sozialhilfe

Die gesamten Unterstützungsleistungen inklusive Krankenkassenprämien beliefen sich in der Stadt Zürich im vergangenen Jahr auf 299 Millionen Franken. Das sind 20 Millionen Franken mehr als im Vorjahr.

Mit verschiedenen Massnahmen versuchte das Sozialdepartement auch 2012, Missbräuchen einen Riegel zu schieben. Die Summe der unrechtmässig bezogenen Gelder, die zurückgefordert wurden, stieg im Vergleich zum Vorjahr um 793'000 Franken auf 9,02 Millionen Franken. Das entspricht 3 Prozent der Unterstützungsleistungen.

Trefferquote bei über zwei Dritteln

84 Aufträge ans Inspektorat sind 2012 von der Sozialbehörde neu bewilligt worden – 12 mehr als im Vorjahr. Abgeschlossen wurden 68 Fälle, wobei sich bei 72 Prozent der Anfangsverdacht erhärtete. Im Jahr 2011 liess sich der Verdacht bei fast der Hälfte (48 Prozent) nicht erhärten.

Mehrheitlich wurden Einkommen oder Nebeneinkünfte nicht deklariert. In den übrigen Fällen wurden der Besitz eines Autos nicht angegeben, falsche Angaben zur Wohnungsgrösse gemacht oder Vermögenswerte nicht deklariert. Ende 2012 waren 39 Untersuchungen pendent. (ep/sda)

Erstellt: 04.06.2013, 11:41 Uhr

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