Gewalt gegen SBB-Angestellte: Leser fordern Pfefferspray und hohe Bussen

Dass Gewalt gegen SBB-Mitarbeiter an der Tagesordnung ist, ist für viele Tagesanzeiger.ch-Leser unhaltbar. Doch eine Minderheit findet, dass das SBB-Personal selber schuld sei, wenn die Situation eskaliert.

Attacke auf Zugbegleiter: Ein Pärchen wehrt sich mit Gewalt gegen das Bezahlen eines Billetts (Video: Leser-Reporter).
Video: Leser-Reporter

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Die Mehrheit der Leser von Tagesanzeiger.ch waren schockiert, als sie vergangenen Freitag das Video der Auseinandersetzung zwischen SBB-Angestellten und einem Schwarzfahrer gesehen haben. «Für keinen Lohn auf dieser Welt würde ich die Arbeit eines Zugbegleiters übernehmen», schreibt etwa Klaus Schlegel. Und Max Andre fragt rhetorisch: «Was gibt dem jungen Mann das Recht, den Zugbegleiter zu bedrohen, anzugreifen, gar zu verletzen?» Thomas W. bringt wohl auf den Punkt, was viele über die zunehmende Gewaltbereitschaft denken: «Ich kann gar nicht mehr sagen als: beängstigend.»

Doch nicht alle teilen diese Meinung: «Was für eine dumme Idee, einen bereits wütenden Mann noch anzufassen und zu verfolgen. Daraus hätte eine wesentlich gefährlichere Situation entstehen können», meint etwa Michel Koller. Max Kuhn ist sogar der Meinung, dass die Aggression nicht selten von den SBB-Angestellten selbst ausgehe. Er habe schon beobachtet, «dass SBB-Angestellte teilweise als erste handgreiflich werden». Noch weiter geht Alexandra Munzinger: «Dass sich der Passagier gegen den Übergriff des Möchtegern-Polizisten wehrt, ist eine rechtmässige Reaktion.» Dass der Mann beim Schwarzfahren erwischt wurde, kümmert die Leserin offenbar wenig.

Tagesanzeiger.ch-Leser fordern Massnahmen

Die meisten Leser sind jedoch einhellig der Ansicht, dass Gewalt gegen SBB-Personal nicht toleriert werden darf. Und sie schlagen folgende Massnahmen vor, um die Situation zu entschärfen:

  • Kameras in jedem Abteil und verstärkte Präsenz der Bahnpolizei (Alessandro Meier)
  • Kontrolleure durch Sicherheitspersonal begleiten lassen (Bernie Hodler)
  • Pfefferspray für Zugbegleiter (Alex Meier)
  • Bussen zwischen 1000 und 10'000 Franken im Wiederholungsfall (Nora Martinek)
  • Check-in-Zone wie am Flughafen, Einlass nur mit Ticket (Christian Schenk)

Weitere Stimmen sind allerdings der Meinung, dass der Ball nicht einzig bei der SBB liegt, sondern auch bei Bürgern, die Zeuge solcher Übergriffe werden. «Einfach traurig, dass sich eine Menschentraube darum bildet und niemand angreift.» Und Frederick König hofft, «dass einer der glotzenden ‹Zuschauer› der Polizei angerufen hat.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 25.10.2010, 16:37 Uhr

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