VCS-Schlappe: «Wir sind der Zeit voraus»

70 Prozent der Stimmberechtigten lehnten die VCS-Initiative «Schienen für Zürich» ab. Die Verlierer bemängeln das geringe Interesse. Die Sieger setzen derweil auf eine andere Lösung für das SBB-Nadelöhr.


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Nur gerade ein Drittel der Stimmberechtigten haben sich an der Abstimmung zur VCS-Initiative «Schienen für Zürich» beteiligt. 70 Prozent sprachen sich dagegen aus. Sie forderte einen Ausbau der Schienen auf der SBB-Strecke Zürich-Winterthur auf durchgehend vier Gleise zum Preis von 520 Millionen Franken. Man habe allzu vorausschauend geplant, räumt VCS-Zürich-Präsidentin Gabi Petri ein. «Aber wir sind uns gewohnt, der Zeit immer etwas voraus zu sein.» Offenbar hätten die Leute die überfüllten Züge zwischen Zürich und Winterthur noch nicht als drängendes Problem angeschaut. «Dies obwohl man auf dieser Strecke je länger je mehr Mühe hat, einen Sitzplatz zu finden.»

Kommt jetzt der Brüttener Tunnel?

Die Befürworter sind derweil erfreut über den «zukunftsorienterten Entscheid». Er helfe, Steuergelder effizienter einzusetzen, ist der Klotener EVP-Kantonsrat Peter Reinhard überzeugt. Eine Nein zum Schienenausbau bedeute ein Ja zum Brüttener Tunnel. Dies sei schliesslich im Abstimmungskampf klar und deutlich gesagt worden. Als erstes müsse der Kantonsrat nun die vierte Teilergänzung der S-Bahn voranbringen, um den Brüttener Tunnel zu ermöglichen. Danach müsse zusammen mit dem ZVV in Bern für die Planung und Finanzierung des Tunnels lobbyiert werden. «Schliesslich ist auch der Bund daran interessiert, die Verbindungen in die Ostschweiz und ins Ausland zu verbessern», sagt Reinhard.

Gabi Petri widerspricht: «Das Volk hat sich durch das Nein nicht gleichzeitig für den Brüttener Tunnel ausgesprochen.» Schliesslich sei noch immer nichts passiert, obwohl dieses Projekt schon seit 20 Jahren in der Luft liege. «Auch der Bund hat diesbezüglich noch nichts in Aussicht gestellt.» Petri glaubt, dass es noch mal 10 bis 20 Jahre dauern dürfte, bis sich da etwas tue.

Klares Ergebnis bei Verfassungsänderung

Abgestimmt wurde heute im Kanton Zürich zudem über die neuen Prozessgesetze des Bundes, die unter anderem die Abschaffung des Kassationsgerichts vorsehen. Die Anpassung der Zürcher Verfassung war dabei Formsache. Der Kanton musste die Änderungen lediglich nachvollziehen. Entsprechend deutlich ist das Ergebnis: 91,6 Prozent der Stimmberechtigten nahmen die Verfassungsänderung an. Die Stimmbeteiligung lag bei 32,5 Prozent.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 26.09.2010, 13:36 Uhr

Präsidentin des VCS Zürich: Gabi Petri. (Bild: Nicola Pitaro)

EVP-Kantonsrat Peter Reinhard. (Bild: Beat Marti)

Ernst Stocker rechnet mit Brüttener Tunnel

Das Volk habe mit den 70 Prozent Nein-Stimmen eine intelligente Wahl getroffen, sagte der Zürcher Volkswirtschaftsdirektor Ernst Stocker vor den Medien. Die Stimmberechtigten hätten klar erkannt, dass nicht der Kanton Zürich für den Ausbau der Bahnstrecke zwischen Zürich und Winterthur verantwortlich sei, sondern der Bund. «Dieser muss deshalb auch dafür bezahlen.»

Dass ein Ausbau nötig ist, bestreitet auch Stocker nicht. «Wir ziehen aber eine zukunftsgerichtete Lösung vor, keine kurzfristige, wie sie diese Initiative mit sich gebracht hätte.»

Als Sofortmassnahmen würden per 2018 zusätzliche Verbindungen eingeführt und mehr Rollmaterial zur Verfügung gestellt. Längerfristig setzt Stocker aber auf den Brüttener Tunnel, der zulasten des Bundes ginge. «Wir werden uns mit aller Kraft beim Bund dafür einsetzen.» Stocker zeigte sich zuversichtlich, dass der Bund das Begehren aus Zürich prioritär behandeln wird. «Wir gehen davon aus, dass wir den Tunnel bekommen werden.» (sda)

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