Glencore-Chef läuft mit Imagekampagne im Säuliamt auf

Ein Briefwechsel zwischen Goliath und David: Der milliardenschwere Ivan Glasenberg rechtfertigt gegenüber dem ehemaligen Bioweinhändler Heiner Stolz sein Geschäftsgebaren. Dieser antwortet.

Der Chef von Glencore rechtfertigt das Geschäftsmodell: Ivan Glasenberg.

Der Chef von Glencore rechtfertigt das Geschäftsmodell: Ivan Glasenberg. Bild: Ym Yik/Keystone

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Der von Glencore-Chef Ivan Glasenberg eigenhändig unterschriebene Brief an den Präsidenten der SP Obfelden, Heiner Stolz, umfasst zwei Seiten plus drei Seiten Anhang. Er endet mit den Worten: «Wir danken Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und Ihr Interesse. Sollten Sie noch Fragen haben, zögern Sie bitte nicht, mich oder meine Kollegen (. . .) zu kontaktieren.»

Fragen hat Heiner Stolz tatsächlich noch, und so hat der ehemalige Bioweinhändler an den milliardenschweren Manager zurückgeschrieben. Sein Brief liegt heute Dienstag in dessen Briefkasten in Rüschlikon. Heiner Stolz’ Schlusssatz ist weniger versöhnlich: «Wenn eine Firma so viel Geld verteilen kann an ihre Aktionäre, begibt sie sich in den Verdacht, nicht nur Rohstoffe, sondern auch Menschen und Länder auszubeuten.» Hier schreibt ein David gegen einen Goliath. Und er scheint mit seiner Steinschleuder dem Rohstoffriesen zuzusetzen. Stolz und seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter haben Glasenberg offenbar dazu bewogen, seine sonst gezeigte Zurückhaltung abzulegen.

Verschiedene Exponenten der Säuliämtler Solidaritätsbewegung Rohstoffmillionen haben letzten Mittwoch Post von Glasenberg bekommen, wie die «SonntagsZeitung» schrieb. Das Initiativkomitee Rohstoffmillionen schlägt vor, ein Zehntel des Geldes, den der Börsengang des Rohstoffkonzerns Glencore in die Gemeindekassen schwemmte, an Hilfswerke zu spenden. In Hedingen wurde der Vorschlag Mitte September an der Urne angenommen, in Kappel, Hausen, Affoltern und Obfelden befinden demnächst die Gemeindeversammlungen darüber.

Die Geschäfte des Rohstoffkonzerns stehen international schon lange in der Kritik, doch fand es der Konzern bisher nicht nötig, sich zu erklären. Jetzt schreibt Glasenberg in seinem Brief an Heiner Stolz und seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter: «Das soziale und politische Engagement einer Gruppe von Bürgern Ihrer Gemeinde ist uns sehr wichtig. Gerne möchten wir daher zu den in der Initiative aufgeworfenen Punkten Stellung nehmen und Ihnen aus unserer Sicht einige wesentliche Fakten zu unserem Unternehmen sowie unseren unternehmerischen Grundsätzen darlegen.» Der Glencore-Boss führt im Säuliamt eine Imagekampagne durch.

Goliath schreibt

Glencore wird in den Initiativtexten vorgeworfen, in den Abbauländern kaum Steuern zu bezahlen, massive Umweltbelastungen zu verursachen und die Sicherheit und Gesundheit der Arbeiter zu vernachlässigen. Glasenberg wehrt sich nun: «Wir sind überzeugt, dass unser wirtschaftliches und gesellschaftliches Engagement, einhergehend mit kontinuierlichen Investitionen, das soziale und wirtschaftliche Klima der umliegenden Regionen unserer Standorte verbessern.»

Dazu führt Glasenberg folgende Punkte aus: In internen Richtlinien werde verbindlich festgelegt, wie soziale, ökologische, ethische und wirtschaftliche Interessen «in Einklang» gebracht werden. Ein Verhaltenskodex gebe zudem den Mitarbeitern vor, wie sie die Geschäfte zu führen haben: «Bestechungsgelder anzubieten, zu bezahlen, zu autorisieren, zu verlangen oder anzunehmen ist für Glencore unakzeptabel.» Ferner halte sich der Konzern strikte an die jeweils geltenden Gesetze – auch in Bezug auf die Steuern. Schliesslich ist Glasenberg überzeugt, dass die wirtschaftliche Stärke und Präsenz Glencores einen «insgesamt positiven Einfluss auf die Bereiche und Regionen» habe, in denen sie tätig ist. Glencore investiere in diese Länder, schaffe Arbeitsplätze und sorge für steigende Umsätze im lokalen Gewerbe. «Allein in Sozial- und Infrastrukturprojekte haben wir im Jahr 2012 über 200 Millionen US Dollar investiert. Dies entsprach rund 3,6 Prozent des Gewinns unserer Gruppe.» Unterschrift: Freundliche Grüsse, Glencore International AG, Ivan Glasenberg.

David antwortet

Heiner Stolz’ Antwort beginnt so: «Mir scheint, dass es auch im Rohstoffgeschäft nicht nur Gut und Böse, Schwarz und Weiss gibt. Doch es bleiben für mich viele Fragen offen.» So seien die «gewaltigen Umweltbelastungen» durch den Rohstoffabbau in dem Brief unerwähnt. Bei den im 3-seitigen Anhang des Glencore-Briefes beschriebenen Hintergrundinformationen zu ausgewählten Ländern fehle ausgerechnet Sambia. Die Erklärung von Bern aber berichte in dem Buch «Rohstoff – Das gefährlichste Geschäft der Schweiz» detailliert über Glencores Tätigkeit im Zusammenhang mit der Kupfergewinnung in dem afrikanischen Land.

Weiter fragt sich Stolz, wie die oben zusammengefassten Ausführungen Glasenbergs mit dem explizit geäusserten Ziel zusammenpasse, eine maximale Rendite für die Aktionäre zu erreichen. Auch könne er nicht nachvollziehen, weshalb Glencore «trotz angeblicher Verluste enorme ebenfalls legal steuerfreie Dividenden» auszahlen könne. Unterschrift: «Mit freundlichen Grüssen, Heiner Stolz.»


Download: Glasenbergs Brief von A bis Z www.brief.tagesanzeiger.ch

Erstellt: 26.11.2013, 07:49 Uhr

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