Grippekranke überrennen Permanencen

Die Grippewelle hat Zürich aussergewöhnlich früh erreicht. Weil die Arztpraxen während der Feiertage geschlossen waren, sind viele auf Notfallstationen ausgewichen.

Hohes Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen: Eine Grippe kann einen bis zu einer Woche ins Bett zwingen.

Hohes Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen: Eine Grippe kann einen bis zu einer Woche ins Bett zwingen. Bild: Keystone

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Sie rollt alle Jahre in den Wintermonaten an. In dieser Saison hat die Grippewelle die Schweiz aber aussergewöhnlich früh erreicht. In der Region Zürich ist das Grippevirus gemäss Bundesamt für Gesundheit (BAG) bereits weitverbreitet.

Während in den vorangegangenen Jahren die Zahl der Erkrankungen erst im Januar oder Februar merklich angestiegen ist, haben die Krankheitsfälle in dieser Saison schon vor den Festtagen rapide zugenommen. Genauer ist der epidemische Schwellenwert von 64 Grippeverdachtsfällen pro 100'000 Einwohner seit Mitte Dezember 2016 überschritten, wie das BAG vermeldet. Die neusten Zahlen werden morgen Mittwoch publiziert.

Kinder-Permanencen am Anschlag

Da während der Feiertage viele Hausarztpraxen geschlossen blieben, haben die Erkrankten Permanencen und Notaufnahmen aufgesucht. «Aus diesem Grund stehen bei uns in dieser Zeit mehr Leute im Einsatz. Trotzdem mussten einige Patienten bis zu zwei Stunden warten», sagt James Koch, Geschäftsführer und leitender Arzt der Permanence im Zürcher Hauptbahnhof.

Ein knappes Drittel der Patienten kamen gemäss Koch wegen klassischer Grippesymptome in die Permanence. «Dass wir schon im Dezember Grippepatienten haben, ist aussergewöhnlich. Meist stellen wir erst im Januar oder Februar erste Fälle fest.» Auch Martina Pletscher, Sprecherin des Zürcher Universitätsspitals, sagt dem «Landboten», dass die Zahl der Patienten mit Grippesymptomen in den Notfallstationen in den vergangenen Tagen deutlich gestiegen sei.

Regelrecht überrollt wurden die Kinder-Permanencen in Zürich und Winterthur. Man habe sich zwar auf eine erhöhte Patientenzahl über die Festtage eingestellt, aber mit einem solchen Ansturm habe dennoch niemand gerechnet, sagt deren ärztlicher Leiter Petros Ioannou zum «Landboten». Auch Katja Berlinger, CEO der Swiss Medi Kids Zürich AG, sagt, dass das Permanencen-Angebot in den vergangenen Wochen an die Belastungsgrenzen gestossen sei. «Wir hatten über die Feiertage so viele kleine Patienten wie noch nie», sagt Berlinger. Pro Tag seien bis zu 70 Kinder betreut worden.

Bietet der aktuelle Impfstoff genügend Schutz?

Die Grippe sei nicht zu unterschätzen, warnt die kantonale Gesundheitsdirektion. Sie könne zu Komplikationen wie beispielsweise einer Lungenentzündung führen. Typische Symptome sind plötzlich auftretendes, hohes Fieber sowie Muskel-, Gelenk- und Kopfschmerzen. Bis zu einer Woche kann einen eine Grippe ins Bett zwingen.

Zu den Personen mit erhöhtem Komplikationsrisiko bei einer Grippeinfektion zählen unter anderem die über 65-Jährigen. «Bisher verzeichnen wir nicht mehr Grippefälle als in anderen Jahren», sagt Lena Tobler, Mediensprecherin der Alterszentren der Stadt Zürich. Man wappne sich mit den üblichen Vorkehrungen wie beispielsweise Handdesinfektionsmitteln gegen die Viren. Zudem werde den Mitarbeitenden zur Minimierung der Ansteckungsgefahr jeweils im November eine kostenlose Grippeimpfung angeboten. «Die Auswertung der aktuellen Impfdaten liegt erst Ende Januar vor, daher kann ich nicht sagen, wie viele das Angebot genutzt haben.»

Der optimale Zeitpunkt für die Impfung – er liegt zwischen Mitte Oktober und Mitte November – ist zwar bereits verstrichen. Ob der aktuelle Impfstoff allerdings genügend Schutz vor dem verbreitetsten Grippe-Typus bietet, ist derzeit ohnehin noch unklar. «Vielleicht lässt sich diese Frage gar erst nach der Grippewelle beantworten», sagt Patrick Mathys, stellvertretender Leiter der Abteilung Übertragbare Krankheiten beim BAG.

Wer sich nicht hat impfen lassen, kann mit dem Einhalten einiger einfacher Hygieneregeln zumindest das Risiko einer Ansteckung minimieren (siehe Box).

Erstellt: 03.01.2017, 09:44 Uhr

Die Zahl der Grippefälle in der Region 5, zu der auch der Kanton Zürich zählt (zum Vergrössern bitte anklicken) (Bild: BAG)

Mit Hygiene gegen die Viren

Die Tipps des BAG, um das Ansteckungsrisiko mit dem Grippevirus für sich und andere zu reduzieren.


  • Waschen Sie sich regelmässig und gründlich die Hände mit Wasser und Seife.

  • Halten Sie sich beim Niesen oder Husten ein Papiertaschentuch vor Mund und Nase.

  • Entsorgen Sie Papiertaschentücher nach dem Gebrauch in einem Abfalleimer und waschen Sie sich danach die Hände.

  • Wenn Sie kein Taschentuch zur Verfügung haben, husten oder niesen Sie in Ihre Armbeuge. Dies ist hygienischer, als die Hände vor den Mund zu halten. Sollten Sie doch die Hände benutzen, waschen Sie diese gründlich mit Wasser und Seife.

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