Grosse Bauchoperationen sind nur noch in wenigen Spitälern möglich

Die neue Zürcher Spitalliste bringt eine Konzentration im Bereich der spezialisierten Medizin.

Lungentumor-Operation im Spital Triemli: Hier werden künftig auch Patienten aus dem Limmattalspital operiert.

Lungentumor-Operation im Spital Triemli: Hier werden künftig auch Patienten aus dem Limmattalspital operiert. Bild: Keystone

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«Wir wollen Hobby-Operationen ausschliessen.» So umschreibt Gesundheitsdirektor Thomas Heiniger eines der Ziele der neuen Zürcher Spitalliste, die er gestern vorgestellt hat und die ab 2012 gelten soll. In Zukunft ist es nicht mehr erlaubt, dass ein Chirurg einen speziellen Eingriff nur wenige Male pro Jahr macht.

Im Hinblick auf die neue Spitalliste hat die Gesundheitsdirektion (GD) das Leistungsangebot aller Zürcher Spitäler abgeklärt und festgestellt, dass es eine Reihe von relativ seltenen Operationen gibt, die an zu vielen Orten durchgeführt werden. Manchmal bloss ein- oder zweimal pro Jahr. Neu gilt eine Mindestfallzahl von zehn. Auch das ist noch immer wenig, wie der Projektleiter Spitalplanung, Hansjörg Lehmann, einräumt: «Es ist ein Startwert.» Das Problem sei, dass derzeit erst wenige wissenschaftliche Studien zum Thema Mindestfallzahlen vorliegen. Nur für drei Bereiche hat die GD strengere Vorgaben gemacht: Bypass-Chirurgen müssen mindestens 100 Eingriffe pro Jahr vorweisen, für die Chirurgie bei Übergewichtigen braucht es 50 und bei bösartigen Lungentumoren mindestens 30 Eingriffe pro Jahr.

Triemli und Waid zusammen

Mit der Einführung der Mindestfallzahlen verlieren einige Spitäler die Zulassung für gewisse Eingriffe. Die wichtigsten Änderungen:

  • Auf die Leberchirurgie verzichten müssen das Waidspital, das Limmattalspital (Limmi), Wetzikon, Männedorf, Uster und Bülach.

  • Bauchspeicheldrüsen werden nicht mehr operiert im Waid und im Limmi sowie in Männedorf und Wetzikon.

  • Blasenentfernungen gibt es nicht mehr im Waid, im Seespital, in Männedorf, Uster, Zollikerberg und Bülach.

  • Lungentumore dürfen nicht mehr operiert werden in Waid und Limmi, in Männedorf, Wetzikon und Zollikerberg.

  • Speiseröhrenchirurgie wird gestoppt im Waid, im Limmi, in Männedorf, Wetzikon, Uster und Bülach.

  • Spezielle Wirbelsäulenchirurgie wird gestrichen im Triemli und im Seespital.

Lehmann erwartet, dass einzelne Spitäler und vor allem einzelne Ärzte «verärgert sein werden». Er gibt aber zu bedenken, dass die Konzentrationen nur einen kleinen Bereich des gesamten Spitalangebots betreffen. Das Stadtspital Triemli, das in mehreren Bereichen ebenfalls zu tiefe Fallzahlen aufweist, ist glimpflich weggekommen, weil es sich mit dem Waidspital abgesprochen hat und von diesem Fälle übernehmen kann. Auch das Limmattalspital wird Patienten ans Triemli überweisen, nämlich jene mit Lungentumoren. Lehmann ist etwas enttäuscht, dass sich die Spitäler nicht vermehrt zusammengetan und selber gewisse Behandlungen unter sich aufgeteilt haben. Sie hätten im Gegenteil in einer ersten Runde viele Anträge für neue Behandlungsangebote gestellt. Die GD ist aber kaum darauf eingetreten. Lehmann: «Wir haben nur einzelne neue Leistungsaufträge erteilt.»

Spital Affoltern kann ausbauen

Im grossen Ganzen werden die Zürcher Spitäler in Zukunft dasselbe anbieten wie bisher. «Wir gehen nicht davon aus, dass ganze Abteilungen geschlossen werden müssen», so Lehmann. Auch das kleine Spital Affoltern, das lange um sein Überleben zitterte, kann weitermachen und bekommt sogar einen zusätzlichen Auftrag im Bereich der Akutgeriatrie.

Die grösste Änderung, welche die Spitalliste bringt, ist die Öffnung der Zürcher Privatklinik Hirslanden für allgemein versicherte Patientinnen und Patienten. Die Stammklinik der Hirslanden-Gruppe erfüllt die Aufnahmekriterien der GD. Ihre Fallkosten sind gleich hoch wie im Triemli, sie liegen knapp über dem Schnitt aller Zürcher Spitäler. Gesundheitsdirektor Heiniger erlaubt eine Abweichung von höchstens 15 Prozent nach oben. Nicht erfüllt haben dieses Kriterium die Privatkliniken Lindberg und Im Park sowie das Unispital Basel und die Aeskulap-Klinik Brunnen, die sich ebenfalls um einen Zürcher Listenplatz beworben hatten. Die Kantonsspitäler Zug und Aarau liegen zwar kostenmässig im Schnitt, sind aber für die Versorgung der Zürcher Bevölkerung nicht nötig. Als einziges ausserkantonales Spital figuriert Schaffhausen auf der Zürcher Liste, weil es für Leute aus dem nördlichsten Kantonsteil besser erreichbar ist als etwa Winterthur oder Bülach. Das Leistungsspektrum ist allerdings eingeschränkt.

Qualität wird überprüft

Neben der Wirtschaftlichkeit müssen die Spitäler verschiedene weitere Anforderungen erfüllen, sonst werden sie wieder von der Liste gestrichen. Relativ strenge Vorgaben macht die GD punkto Qualität. So müssen die Spitäler die Qualitätsmessungen im bisherigen Umfang weiterführen, auch wenn vom Bund weniger verlangt wird, und sie brauchen ein Fehlermeldesystem und ein Hygienekonzept. Weiter sind sie verpflichtet, Aus- und Weiterbildungen selber anzubieten oder Abgaben zu zahlen. Alle Spitäler haben zudem eine Aufnahmepflicht für alle Patienten.

Eine neue Beschwerdestelle

Das Hirslanden muss also, will es seinen Listenplatz haben, künftig auch einen Junkie aufnehmen, der über den Notfall eintritt. Die Gesundheitsdirektion traut der Sache noch nicht ganz und hat den Leistungsauftrag auf zwei Jahre befristet. So lange hat das Privatspital Zeit, zu beweisen, dass es weder unangenehme noch aufwendige Patienten an andere Spitäler weiterschickt. Die GD richtet eine Beschwerdestelle ein. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.05.2011, 22:59 Uhr

Reaktionen

Die neue Spitalliste entspricht den Erwartungen von SVP-Gesundheitspolitiker Willy Haderer. Er begrüsst, dass alle bisherigen Spitäler eine Chance bekommen. Allerdings erwartet er, dass der Wettbewerb unter den Krankenhäusern zu Bereinigungen in der Spitallandschaft führen wird: «Nicht alle werden überleben, gefährdet sind vor allem die Kleinen.» Die CVP betont, die Spitaldichte werde die Gesundheitskosten weiter in die Höhe treiben. Die SP lehnt den wettbewerbsorientierten Ansatz in der Spitalplanung ab. Er führe zu höheren Kosten und Überkapazitäten. Sie kritisiert auch die «zahlreichen Leistungsaufträge an die Hirslanden-Gruppe». Diese erhalte Beiträge des Kantons, ohne dafür die mindeste finanzielle Gegenleistung zu erbringen. Die SP wünscht einen Fonds, in den ein Teil der Gewinne aus der Behandlung von Zusatzversicherten abgeschöpft wird. (sch)

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