Grundstufe: Kantonsrat will freie Wahl für die Gemeinden

Die «Prima»-Initiative fordert eine flächendeckende Einführung der Grundstufe in allen Zürcher Schulen. Der Kantonsrat empfiehlt dem Stimmvolk jedoch den Gegenvorschlag.

Kindergarten und erstes Primarschuljahr zusammen oder getrennt? Eine Grundstufenschülerin im Unterricht.

Kindergarten und erstes Primarschuljahr zusammen oder getrennt? Eine Grundstufenschülerin im Unterricht. Bild: Keystone

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Der Zürcher Kantonsrat hat am Montag entschieden, welche Abstimmungsempfehlung er dem Stimmvolk bei der «prima»- Initiative geben will. Er rät zum Gegenvorschlag, der den Gemeinden die Wahlfreiheit über die Einführung der Grundstufe an der Primarschule lassen will.

Zur Abstimmung kommt aber nicht nur der Gegenvorschlag, sondern auch die «prima»-Initiative selber, die eine flächendeckende Einführung dieses Schulmodells fordert und von den Initianten nicht zurückgezogen wird. Der Abstimmungstermin ist noch nicht bestimmt.

Der Gegenvorschlag wurde mit 92 Ja- zu 80 Nein-Stimmen unterstützt, die Umsetzungsvorlage zur Initiative mit 101 Ja- zu 71 Nein-Stimmen. Gegen beide Vorlagen sind nur die EVP und die SVP.

Die EVP will das heutige System mit Kindergarten flächendeckend beibehalten und die Grundstufen-Versuche beenden, weil sie nicht noch mehr Schulmodelle und Umsetzungsprobleme will. «Während der gesamten Schulzeit sollte es nur ein Schulsystem geben», sagte Ruth Kleiber (Winterthur).

SVP: «Bequemlichkeit der Lehrer»

Die SVP wiederum lässt kein gutes Haar an diesem Schulmodell. Viele Eltern in den Versuchsgemeinden seien keineswegs überzeugt vom altersübergreifenden Unterrichtsmodell, argumentiert die Partei. Der Betrieb sei unruhig und ineffizient, komme aber natürlich der «Bequemlichkeit der Lehrer» entgegen, die mit dem Grundstufenmodell mehr personelle Ressourcen zur Verfügung hätten.

Matthias Hauser (SVP, Hüntwangen), selber Sekundarlehrer, bezeichnete seine Berufskollegen, die vom System überzeugt sind, gar als «Abzocker».

Das Modell Grundstufe, das seit 2004 in 27 Gemeinden und 87 Klassen als Schulversuch läuft, umfasst die beiden Kindergartenjahre und das erste Jahr der Primarschule. Die Kinder werden in altersdurchmischten Gruppen unterrichtet und bleiben je nach Entwicklungsstand bis zu vier Jahre in der Grundstufe.

Eine flächendeckende Einführung des Grundstufen-Modells, wie sie die «prima»-Initiative fordert, würde voraussichtlich zu jährlichen Mehrkosten von 62 Millionen Franken führen. Die Gemeinden müssten davon 4,6 Millionen Franken zahlen, der Kanton 12,4 Millionen. (tif/sda)

Erstellt: 02.07.2012, 10:01 Uhr

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