«Gut Schuss!» zur Grippeimpfung

Die Grippevorbeugung im Kantonsrat führte zu einer Diskussion über Ebola, Viehimpfungen und die Resistenz von Politikern gegen gute Ratschläge.

Impfgegner und Kantonsrat Urs Hans wittert bei der Grippeimpfung eine reine Werbeaktion der Pharmalobby. Foto: Reto Oeschger

Impfgegner und Kantonsrat Urs Hans wittert bei der Grippeimpfung eine reine Werbeaktion der Pharmalobby. Foto: Reto Oeschger

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Die Grippeimpfung in Betrieben, Spitälern, kantonalen und städtischen Verwaltungen ist längst Routine. Der Arbeitgeber, der sich beim jährlichen Teuerungsausgleich knausrig zeigt, übernimmt meistens die Kosten von rund 25 Franken. Nicht aus Grosszügigkeit, sondern aus rein buchhalterischen Gründen: Nur ein gesunder Angestellter ist ein guter Angestellter.

Erst wenns politisch wird, führt die Grippeimpfung regelmässig zu Turbulenzen. Vor einem Jahr pikste die zuständige Ärztin im Kantonsrat den Apothekerpräsidenten Lorenz Schmid (CVP), ohne ihn nach seinem Gesundheitszustand zu fragen. Impfende Ärzte müssen das tun. Die Apotheker, die gerne auch impfen möchten, aber noch nicht dürfen, drehten dies gleich auf ihre Mühle: «So gut würden wir das alleweil machen.»


Die gestrige Impfaktion wurde von einem furiosen Auftritt des bekannten Impfgegners und Biobauern Urs Hans (Grüne) aus Turbenthal begleitet. Eine «reine Werbeaktion von Ärzten und Pharmalobby» sei das – der Beweis, dass nun auch mit Gesunden Geld verdient werde. Der Medienhype und die Massenpanik um Ebola seien geschürt durch die Pharmalobby, damit sie teure Impfstoffe verkaufen könne. Hans, der durch Impfungen gegen die Blauzungenkrankheit eigene Kühe verloren hatte, machte giftige Impfstoffe für «Autismus, POS, ADSL und teure Schulungsprobleme bei Kindern» verantwortlich. «Prosit und gut Schuss», wünschte er den Impflingen.


Impfender Arzt am Montagmorgen war CVP-Kantonsrat Josef Widler, der neue Präsident der Zürcher Ärztegesellschaft. Bevor er 50 Kantonsrätinnen und -räte impfte, stach Widler im Ratsaal verbal zurück: «So viel Schwachsinn in einem einzigen Votum habe ich noch nie gehört.» Die saisonale Grippe sei nach wie vor die verbreitetste Infektionskrankheit, die zum Tode führe. EVP-Kantonsrat Markus Schaaf kritisierte scharf «die Verhöhnung von Ebola-Opfern» durch Urs Hans. «Doch es gibt immer Leute, die sind resistent gegen Viren und gute Ratschläge.»

Seit Ärztepräsident Widler und Apothekerpräsident Schmid in der CVP-Fraktion Schulter an Schulter sitzen, hat sich das Klima zwischen den beiden Berufsgattungen im weissen Kittel entspannt. «Nächstes Jahr impfen wir gemeinsam», sagten Widler und Schmid. Und das erneut ohne Gewinnabsichten. Spendiert wird der Impfstoff jeweils von der Kantonsapotheke; die je 25 Franken pro Piks gehen als Spende an die Theodora-Stiftung für Spitalclowns.


Als Einziger stimmte SVP-Kantonsrat Hans-Peter Amrein gegen den Jahresbericht der Universität. Er verglich die Uni mit dem FC Sion unter seinem Präsidenten Christian Constantin. «Trotz Trainerwechsels sind beide am Schwanz.» Er bezog sich dabei auf eines der wenigen Rankings, bei dem die Uni Zürich nicht unter den ersten 100 figuriert. In den meisten anderen belegt Zürich Spitzenplätze. Schuld daran, dass die Uni «Lichtmeilen von den Besten entfernt ist», so Amrein, seien unter anderem die vielen deutschen Professoren, die so gerne nach Zürich kämen, «weil sie hier keine Fremdsprache lernen müssen».

Da sich Michael Hengartner, der neue Rektor, auf der Tribüne nicht wehren konnte, tat dies die grüne Fraktionschefin Esther Guyer. «Das ist absoluter Blödsinn, auch deutsche Professoren sprechen Englisch.» Guyer empfahl Amrein: «Werden Sie doch Sportkommentator, aber ausschliesslich beim FC Sion!»


FDP-Finanzpolitikerin Beatrix Frey-Eigenmann ist programmiert auf Ehrenplätze. An der Nominierungsversammlung der FDP für die Regierungsratswahlen musste sie Carmen Walker Späh und Thomas Vogel den Vortritt lassen. Bei den Jassmeisterschaften des Kantonsrats wurde sie letzte Woche im Schieber wieder geschlagen. Hinter Daniel Hodel (GLP) wurde sie Zweite, immerhin noch vor Cyrill von Planta (GLP) und Theo Quinter (FDP), einem über 80-jährigen Kantonsratsveteranen.

Beim Differenzler siegte ein Ehemaliger: SVPler John Appenzeller (44) aus dem Säuliamt. Er ist im Jassen erfolgreicher als in der Politik. Schon zweimal ist Appenzeller aus dem Kantonsrat abgewählt worden. Der kämpferische Stalliker – er ist von Geburt an gehbehindert – lässt sich aber nicht beirren. Doch die Bezirkspartei Affoltern legt ihm beim Comeback Steine in den Weg. Der 65-jährige Jakob Schneebeli will von einem vorzeitigen Rücktritt zugunsten Appenzellers nichts wissen. Und nun wurde Appenzeller auf der Wahlliste des Bezirks bloss auf den aussichtslosen fünften von sechs Plätzen gesetzt.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.11.2014, 20:54 Uhr

Josef Widler.

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