Gutes Zeugnis für die Kesb

Jeder siebzigste Zürcher wurde letztes Jahr von den Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden begleitet. Diese haben laut der Aufsichtsbehörde gute Arbeit geleistet.

Blick ins Büro einer Kesb im Kanton Bern.

Blick ins Büro einer Kesb im Kanton Bern. Bild: Peter Klaunzer/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die umstrittenen Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden (Kesb) beaufsichtigen nicht nur – sie stehen auch selbst unter Aufsicht. Das kantonale Gemeindeamt beurteilt ihr Wirken, und gemäss dem Jahresbericht 2015 überzeugt dieses. Die Zürcher Kesb seien gut aufgestellt, heisst es in einer Medienmitteilung von heute Donnerstag.

Im vergangenen Jahr haben die Kesb 21'352 Massnahmen angeordnet. Dabei ging es hauptsächlich um Beistandschaften. «Im Vergleich zu 2014 entwickelte sich der Bestand unauffällig», heisst es im Jahresbericht. Durchschnittlich war im Jahr 2015 im Kanton eine von 70 Personen von den Kesb begleitet. Nur ein Drittel davon waren Kinder.

Etwas mehr Beschwerden

Die Aufsichtsbehörde über die Kesb behandelte im vergangenen Jahr 38 Aufsichtsbeschwerden, vier mehr als im Jahr 2014. Dabei hätte es sich ausnahmslos um Beschwerden gehandelt, bei denen die Gerichte zuständig gewesen wären. «Trotzdem führte das Gemeindeamt in einem Fall mit der betroffenen Kesb eine Aussprache durch», heisst es in einer Medienmitteilung von heute Donnerstag. Dabei wurde das Vorgehen kritisch reflektiert und Verbesserungsmöglichkeiten erörtert. Es ging um den Einbezug von Angehörigen ins Verfahren und die Transparenz der Behörden gegenüber den Betroffenen, beispielsweise in Sachen Vorgehen, nächste Schritte und Zeitplan.

Das Gemeindeamt schätzt die Belastungssituation in den 13 Kesb als mehrheitlich hoch ein. Dennoch geht es von einer Entspannung der Situation aus: Im Jahr 2014 wurde zusätzliches Personal angestellt, und die von den früheren Vormundschaftsbehörden übernommenen Pendenzen konnten grösstenteils erledigt werden.

Lehren aus dem Fall Flach

Ins Berichtsjahr fällt auch der Fall Flaach. Anfang 2015 hatte eine Mutter ihre beiden Kinder und später sich selbst getötet, nachdem die zuständige Kesb die vorübergehende Unterbringung der Kinder in einem Heim angeordnet hatte. Zwei unabhängige Gutachten hatten ergeben, dass die Kesb die Tötung nicht hätte verhindern können.

«Im Ablauf des Kindesschutzverfahrens wurden aber verschiedene Mängel festgestellt», heisst es weiter. Die Aufsichtsbehörde hat deshalb Massnahmen getroffen, «die zur Qualitätssicherung und Verbesserung sämtlicher Kesb im Kanton Zürich beitragen sollen». (hub/sda)

Erstellt: 16.06.2016, 13:24 Uhr

Artikel zum Thema

Zu wenig Personal, zu viele Kesb-Fälle

Die Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde hat ihren ersten Bericht dem Bundesrat vorgelegt. Dieser will nun das Schutzrecht auf Schwachstellen prüfen. Mehr...

FDP und SVP wollen den Kindesschutz nicht ausweiten

Kita-Mitarbeiterinnen oder Tagesmütter sollen verpflichtet werden, der Kesb Verdachtsfälle von Kindsmisshandlungen zu melden. FDP und SVP sperrten sich im Nationalrat dagegen – mit Erfolg. Mehr...

Eine neue Adresse für Kesb-Kritiker

Noch in diesem Jahr startet eine Beratungsstelle für alle, die mit der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde nicht einverstanden sind. Sie soll Eskalationen stoppen. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Sponsored

Baumkronen und Melkcomputer

Der Bauernalltag ist nicht nur ein Knochenjob, sondern auch eine Wissenschaft. Für eine Städterin gibt es viel zu lernen. (Teil 4/4)

Kommentare

Newsletter

Kurz, bündig, übersichtlich

Sonntags bis freitags ab 7 Uhr die besten Beiträge aus der Redaktion.
Newsletter «Der Morgen» jetzt abonnieren.

Die Welt in Bildern

Kühe soweit das Auge reicht: An der traditionellen Viehschau in Schwellbrunn. (25. September 2017)
(Bild: EPA/GIAN EHRENZELLER) Mehr...