Hans-Ueli Vogt will für die SVP ins Stöckli

Für die Zürcher Ständeratswahlen hat nun auch die SVP ihren Kandidaten auf den Schild gehoben. Es ist der 45-jährige Rechtsprofessor Hans-Ueli Vogt.

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Seit Wochen wird darüber spekuliert, wen die grösste Zürcher Partei in den Ständeratswahlkampf schicken wird. Heute Dienstagmorgen hat die SVP das Geheimnis gelüftet: Der Parteivorstand schlägt als Kandidaten den Rechtsprofessor und Kantonsrat Hans-Ueli Vogt vor. Er muss jetzt noch von den SVP-Delegierten offiziell nominiert werden.

Für Aufsehen gesorgt hat Vogt vor allem als Urheber jener SVP-Initiative, die sicherstellen will, dass Schweizer Recht Vorrang hat vor internationalem Recht. Seiner Partei geht es dabei insbesondere darum, dass Volksentscheide nicht mit Verweis auf das Völkerrecht ausgehebelt werden können. Das Thema beschäftigt Vogt schon lange: Er hat habilitiert zur Frage, wer in der globalisierten Welt Recht setzt.

Steile Karriere als Jurist

Der 45-Jährige hat als Jurist eine steile Karriere hingelegt. Seinen Doktortitel erhielt er mit «summa cum laude», der höchstmöglichen Auszeichnung. Mit 33 Jahren war er Assistenzprofessor an der Uni Zürich, mit 37 Jahren ausserordentlicher Professor für Privat- und Wirtschaftsrecht. Inzwischen hat er eine ordentliche Professur.

Vogt ist kein Lautsprecher. Im Kantonsrat, in dem er seit 2011 sitzt, ergreift er nur selten das Wort – aber wenn er es tut, ist er bestens vorbereitet und informiert. Der SVP beigetreten ist er erst 2008. Lange Zeit habe er sich nicht getraut, für seine politische Überzeugung hinzustehen, sagte er einmal. Die SVP stehe aber seiner Ansicht nach am ehesten für Leute, die wie er selbst die Heimat liebten und ein arbeitssames Leben führten.

Vor kurzem tönte es noch anders

Noch vor wenigen Monaten sprach Vogt nicht wie einer, der eine Ständeratskandidatur anpeilt. Er sei eher Forscher als Politiker, sagte er damals – auch wenn ihn ein Wahlkampf gegen den designierten SP-Kandidaten Daniel Jositsch reizen würde, der wie er selbst Rechtsprofessor an der Uni Zürich ist und mit dem er gut auskomme.

Inzwischen hat sich für die SVP aber die Ausgangslage verändert: Erstens, weil die beiden am heissesten gehandelten Anwärterinnen auf eine Kandidatur, Natalie Rickli und Rita Fuhrer, beide abgesagt haben. Zweitens, weil die Chancen auf eine Wahl ins Stöckli so gut sind wie selten.

Im Herbst treten sowohl der 66-jährige Felix Gutzwiller (FDP) wie auch die 65-jährige Verena Diener (GLP) nicht mehr an. Die beiden vertreten Zürich im Ständerat seit acht Jahren gemeinsam. Mit ihrem Abgang werden beide Zürcher Sitze gleichzeitig frei, was eine spannende und offene Wahl verspricht.

Noser und Bäumle wollen Sitze verteidigen

Bereits nominiert ist der 53-jährige Nationalrat Ruedi Noser, der für die FDP Gutzwillers Sitz verteidigen soll. Die Grünliberalen wollen Dieners Sitz mit dem 50-jährigen Parteipräsidenten und Nationalrat Martin Bäumle halten.

Die SP wird voraussichtlich mit Daniel Jositsch in den Wahlkampf ziehen, dem 49-jährigen Nationalrat und Strafrechtsprofessor. Er hat sein Interesse angekündigt, und seine Nomination vor den SP-Delegierten scheint nur noch Formsache zu sein. Für die CVP wird voraussichtlich die 49-jährige Nationalrätin Barbara Schmid-Federer antreten.

Die Grünen tun sich derzeit noch schwer. Zwar steht mit der ehemaligen Nationalrätin Katharina Prelicz-Huber (55) eine Interessentin bereit, doch die Partei favorisiert ihren Jung-Nationalrat Bastien Girod. Der 34-Jährige selbst windet sich und hat eigentlich bereits abgesagt. Es wird aber nicht ausgeschlossen, dass er sich nach dem letzte Woche angekündigten Rückzug von Verena Diener noch umstimmen lässt. Auch Nationalrat Balthasar Glättli wäre nach 2011 für eine erneute Kandidatur bereit. (hub/rba) (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 10.02.2015, 10:10 Uhr

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