«He du Schlampe! Und dann gehts los»

Junge Frauen schlagen immer häufiger zu – sogar mit High Heels und Handtaschen. In einer Umfrage von Tagesanzeiger.ch berichten Jugendliche von ihren Erlebnissen.

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In den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl der verurteilten Mädchen unter 18 Jahren von 7 Prozent (1999) auf 12 Prozent (2009) angestiegen. Das belegen die neusten Zahlen des Bundesamtes für Statistik. Während sich die Zahl der Urteile gegen männliche Jugendliche in diesem Zeitraum verdoppelt hat, gab es bei den Mädchen sogar eine Verdreifachung.

Über die Gründe für diese Tendenz sind sich Experten nicht einig, schreibt die «NZZ am Sonntag». Tendenziell würden die Taten früher bagatellisiert, weil sie nicht ins Rollenklischee passten, meint zum Beispiel Rahel Heeg, die für ihre Dissertation 21 gewaltbereite Mädchen interviewt hat.

Mädchen sind genauso brutal wie Buben

Die Qualität der Gewalt unter Mädchen ist hingegen mit jener der jungen Männer vergleichbar. «Wenn Mädchen zuschlagen, sind sie genauso brutal wie Buben», meint die deutsche Sozialarbeiterin Rita Steffes-enn. Diese Erkenntnis deckt sich auch mit den Resultaten einer Umfrage von Tagesanzeiger.ch.

So werde nicht selten mit den Absätzen von Hight Heels dreingeschlagen – und zwar auf die Augen der Gegnerin. Auch Nägel oder Flaschen kommen zum Einsatz. «Ich habe schon oft gesehen, wie Mädchen mit der Faust reinhauen», sagt Marc Schuhmacher, 21, der nicht gefilmt werden wollte. Vor allem in den Warteschlangen vor Clubs komme es immer wieder zu wüsten Szenen. «Sogar Erstklässer schlagen zu», meint er weiter, «aber die haben auch eine ganz andere Sprache. Ich habe in diesem Alter nie Sätze wie ‹fick deine Mutter› gehört.»

Anlass für einen Streit zwischen zwei Mädchen sei meist eine Kleinigkeit. «Sie sagen dann so was wie ‹he, schau meinen Freund nicht so an› und schon wird dreingeschlagen», weiss Maria Roso, 22. In Zürich sei eben alles etwas anders, findet sie. «Man mag gar nicht mehr ausgehen.»

Erstellt: 10.01.2011, 15:18 Uhr

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