Reportage

Hinter Barrikaden am Aufräumen

Die Besetzer der Binz haben die Eingänge zum Areal verbarrikadiert. Doch dahinter sind Umzugsarbeiten in vollem Gang.

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Heute Donnerstag läuft das Ultimatum des Kantons aus, welches die Binz-Besetzer zwingt, das Areal zu räumen. Wie ein Augenschein vor Ort zeigt, verbarrikadieren an diesem Morgen verschiedene umgebaute Autos, Anhänger und Einkaufswagen den Eingang zur Binz. Auch mehrere Nebeneingänge sind vor Eindringlingen gesichert. Teilweise gar mit Stacheldraht. Die Familie Schoch, wie sich die Besetzer in der Öffentlichkeit nennen, will nicht mit Tagesanzeiger.ch/Newsnet sprechen und weist anwesende Journalisten vom Platz. «Solange wir noch Miete bezahlen, ist dies unser Grund. Hier hat heute niemand Lust auf euch», heisst es.

Doch der kämpferische Eindruck trügt. Im Innern des Gebäudes scheinen verschiedene Bewohner des Areals daran zu sein, ihr Hab und Gut zusammenzupacken. Überall liegen Waren herum, die entweder dazu bestimmt sind, mitgenommen zu werden, oder Bauarbeitern zum Aufräumen hinterlassen werden. In einem Vorraum liegen stapelweise Kleider herum, an verschiedenen Orten stehen prall gefüllte Müllcontainer. Auf einem Vorplatz liegt ein Sofa, daneben stehen Velos, mehrere Wagen und ein Traktor. Ein Indiz dafür, dass man für grössere Transporte gerüstet ist.

Umzug ins Koch-Areal

Wie aus dem Umfeld der Besetzerszene zu vernehmen ist, sei man in der Binz nicht erst seit heute daran, Habseligkeiten zu zügeln – vornehmlich ins kürzlich von verschiedenen Gruppierungen besetzte Koch-Areal in Altstetten. Ob die Besetzer aber alles, was sie behalten wollen, bis heute Abend dorthin schaffen können, ist nach dem Augenschein vor Ort schwer abzuschätzen.

Auch wenn die Familie Schoch bereits die Zügelkisten füllt, will der Kanton mit einer allfälligen Strafanzeige nicht mehr länger zuwarten, wie Thomas Maag, Sprecher der Baudirektion, erklärt: «Wir haben die Besetzer im Februar über das heute auslaufende Ultimatum informiert. Vier Monate sollten fürs Zügeln reichen.» Man wolle auf jeden Fall im Juni mit der Asbestsanierung anfangen, da man derzeit nicht genau abschätzen könne, wie viel Zeit diese in Anspruch nehme. Den Kredit dafür – insgesamt zwei Millionen Franken – hat der Regierungsrat vergangene Woche bewilligt.

Polizei gibt Strategie nicht bekannt

«Die Sanierung ist aus gesundheitlichen Gründen nur möglich, wenn keine Bewohner mehr vor Ort sind.» Deshalb werde man die Anzeige bei der Stadtpolizei einreichen, sollten die Bewohner des Areals morgen Freitag nicht verschwunden sein. «Der weitere Fahrplan ist dann Sache der Stadtpolizei.»

Marco Cortesi, Medienchef der Stadtpolizei, will aus taktischen Gründen keine Angaben dazu machen, wie die Polizei im Fall der Binz-Besetzer vorgehen werde. Möglich also, dass die Polizei der zügelnden Familie Schoch noch genügend Zeit lässt, ihr Material wegzuschaffen, da die Zeichen derzeit nicht auf Kampf stehen.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 30.05.2013, 13:32 Uhr

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