«Huren-Heiko» erscheint erstmals vor Gericht

Der deutsche Vermittler von elf Prostituierten-Wohnungen in Zürich blitzte vor dem Obergericht ab.

Wurde gebüsst: der als «Huren-Heiko» bekannt gewordene Deutsche.

Wurde gebüsst: der als «Huren-Heiko» bekannt gewordene Deutsche. Bild: 20 Minuten

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Er ist kein Phantom, der Mann, der es bisher vorzog, sich der Öffentlichkeit zu entziehen, statt sich vor Gericht gegen einen seiner Meinung nach ungerechtfertigten Strafbefehl und die damit verbundene Busse von 9000 Franken persönlich zu wehren.

Die Busse hatte er kassiert, weil er in der Stadt Zürich an elf verschiedenen Orten Familienwohnungen gemietet und sie dann an Prostituierte untervermietet hatte, ohne dafür die benötigten Bewilligungen einzuholen.

Erstmals «einigermassen geständig»

So zeigte sich der 48-jährige Deutsche am Montag vor dem Zürcher Obergericht. Musste er wohl oder übel auch. Denn nachdem er damals kurz vor Beginn der Verhandlung vor dem Bezirksgericht Zürich seinen Verteidigers seines Amtes enthoben und keinen neuen engagiert hatte, musste er seine Sache selber vertreten.

Bei den Angaben zu seiner Person blieb der eher kleingewachsene Mann im Ungefähren. Der gelernte Diplomingenieur ist demnach als Selbstständiger in der Unternehmensberatung «in verschiedenen Branchen» tätig – was immer das heisst. Was er dabei verdient, wollte er so wenig preisgeben wie seine Vorstrafen im Ausland.

Immerhin räumte er erstmals indirekt ein, dass zutrifft, was ihm in der Anklageschrift vorgeworfen wird. Er habe zuerst einer Kollegin eine Wohnung beschafft, die in einer «überteuerten» Wohnung der Prostitution nachgegangen sei. Später habe diese Kollegin weitere Frauen an ihn verwiesen. Er habe die von ihm angemieteten Wohnungen «zum Selbstkostenpreis» untervermietet. Und er habe gewusst, dass die Frauen im Gewerbe tätig seien.

Statthalteramt verzichtete auf Berufung

Während der ganzen Verhandlung vor Obergericht blieb unklar, was der 48-Jährige eigentlich wollte: Freispruch? Weniger Busse? Bereits vor dem Bezirksgericht war die Strafbefehl-Busse von 9000 auf 3800 Franken reduziert worden. Grund dafür war der Freispruch vom Vorwurf, er habe Prostituierte aus dem EU-EFTA-Raum beschäftigt, ohne sie vor Aufnahme der Tätigkeit dem zuständigen kantonalen Amt zu melden.

Diesen Freispruch musste das Zürcher Statthalteramt auf die eigene Kappe nehmen. Mit keinem Wort hatte das Amt belegt, worauf sich sein Vorwurf stützte. Keine der angeblich aus dem EU-EFTA-Raum stammenden Frauen waren namentlich aufgeführt. Bloss aufgrund eines allgemeinen Vorwurfs könne keine Verurteilung erfolgen, entschied das Bezirksgericht. Das Statthalteramt verzichtete in der Folge darauf, das Urteil anzufechten.

Tatvorwurf verwechselt?

Aber was wollte der in den Boulevard-Medien schon bald als «Huren-Heiko» titulierte 48-Jährige vom Obergericht? War ihm bewusst, dass die Oberrichter aufgrund der Prozessordnung nicht mehr befugt waren, die ganze Sache noch einmal zu überprüfen? Dass sie das Urteil des Bezirksgerichts nur noch korrigieren durften, wenn das Bezirksgericht den Sachverhalt offensichtlich unrichtig, also willkürlich, festgestellt oder eine Gesetzesbestimmung verletzt hat.

Aus den Ausführungen des Deutschen ergab sich, dass er sich nicht als Bordellbetreiber sah, sondern bloss als Mann, der diversen Frauen zu einer Unterkunft verholfen hat. Der Gerichtsvorsitzende vermutete in der Urteilseröffnung, der 48-Jährige habe möglicherweise den Tatvorwurf verwechselt. Ihm sei lediglich eine Übertretung vorgeworfen worden – ein Verstoss gegen die städtische Prostitutionsverordnung. Ihm sei mit keinem Wort vorgeworfen worden, sich als Zuhälter betätigt zu haben.

Nun muss er doch über 9000 Franken zahlen

Damit blieb dem Obergericht nichts anderes übrig, als die Busse von 3800 Franken zu bestätigen. Zur vorinstanzlichen Gerichtsgebühr von 1200 Franken und den Statthalterkosten von 1691.65 Franken kamen noch einmal 2500 Franken Gerichtsgebühr dazu. Macht summa summarum 9191.65 Franken. Sofern «Huren-Heiko» das Urteil nicht noch ans Bundesgericht weiterzieht.

Erstellt: 13.01.2020, 13:43 Uhr

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