Interview

«Ich bin enttäuscht, dass die Sache so gelaufen ist»

Der kantonale Männerbeauftragte stolperte über sein Mandat bei Männer.ch. Gegenüber Tagesanzeiger.ch erklärt er, warum er sich für den Dachverband und gegen den Kanton entschieden hat.

Glaubt, dass er bei Männer.ch mehr für die Gleichstellung von Mann und Frau bewirken kann: Der abtretende Männerbeauftragte Markus Theunert.
Video: Video: Jan Derrer

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Es war ein kurzer Auftritt für den ersten Männerbeauftragten der Schweiz. Anfang März wurde bekannt, dass der Kanton Zürich die neue Stelle schafft. Am 1. Juli hat Markus Theunert sein Amt angetreten. Heute Dienstag wurde nun bekannt gegeben, dass er die Stelle bereits wieder aufgibt. «Ich habe in der Probezeit gekündigt. Somit bin ich ab Montag faktisch arbeitslos», sagt Theunert an einer kurzfristig einberaumten Medienkonferenz vom Dienstagmorgen.

Grund für das schnelle Ende seiner Anstellung als kantonaler Männerbeauftragter ist sein Engagement als Präsident des Vereins Männer.ch. «Die Doppelfunktion und das damit verbundene Spannungsfeld konnten in der praktischen Umsetzung nicht aufgelöst werden», heisst es von Seiten der Direktion der Justiz und des Innern. So kam es Mitte Juli zu Medienberichten über die Forderung von Männer.ch, pornografische Darbietungen unter bestimmten Voraussetzungen auch unter 16-Jährigen zugänglich zu machen (siehe Box).

Ultimatum: Männer.ch oder Männerbeauftragter

Dies habe gemäss Helena Trachsel, Leiterin der Fachstelle für Gleichstellung von Frau und Mann, bereits kurz nach Theunerts Amtsantritt zu heftigen internen Diskussionen geführt. Schliesslich stellte Trachsel die ultimative Forderung, Theunert müsse von seinem Präsidium bei Männer.ch zurücktreten, wenn er als Männerbeauftragter weiterbeschäftigt werden wolle.

Theunert hat sich für Männer.ch entschieden. Er habe bereits vor Stellenantritt klargemacht, dass sein Engagement beim Dachverband der Schweizer Männer- und Väterorganisation nicht verhandelbar sei. Er ist davon überzeugt, dass er der Gleichstellung mehr dienen kann, wenn er bei Männer.ch bleibt. Abgesehen davon sei eine klare Trennung zwischen seinen beiden Mandaten in der Öffentlichkeit offenbar nicht möglich.

Im Herbst folgt die «Fortsetzung»

Sowohl der abtretende Männerbeauftragte als auch die Verantwortlichen des Kantons geben vor den Medien zu, die Problematik von Theunerts Doppelrolle unterschätzt zu haben. Als gescheitert wollen sie die Idee eines kantonalen Männerbeauftragten allerdings nicht bezeichnen. «Es braucht männereinbindende Gleichstellungsarbeit», betont Trachsel. Deshalb werde es «im Herbst eine Fortsetzung geben.»

Wie diese konkret aussehen wird, wurde noch nicht bekannt gegeben. Man wolle zunächst abwarten, bis der zuständige Regierungsrat Martin Graf (Grüne), Direktor der Justiz und des Innern, aus den Ferien zurückgekehrt sei. Danach werde entschieden, ob die Stelle erneut ausgeschrieben wird.

Erstellt: 24.07.2012, 12:11 Uhr

Die umstrittene Forderung von Männer.ch

«Männer.ch fordert, im Rahmen der vorliegenden StGB-Revision den Art. 197 StGB dahingehend zu
lockern (oder die Auslegung des geltenden Rechts ggf. dahingehend zu klären), dass Eltern und geschulte Fachleute sich nicht strafbar machen, wenn sie mit klarem pädagogischem Ziel innerhalb eines sorgfältig gewählten und klar definierten Settings pornografische Darbietungen unter 16-Jährigen zugänglich machen. Dabei muss in jedem Fall das Selbstbestimmungsrecht der Kinder und
Jugendlichen gewahrt werden, so dass sie nicht wider ihren Willen mit pornografischem Material konfrontiert werden.»

Umfrage

Der Männerlobbyist Markus Theunert geht. Braucht Zürich einen Männerbeauftragten, soll Theunerts Stelle neu besetzt werden?

Ja.

 
56.6%

Nein.

 
43.4%

1505 Stimmen


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