«Ich gehöre noch zum jungen Gemüse»

SVP-Mann Ernst Schibli tritt die Nachfolge von Nationalrat Hans Kaufmann an. Weshalb er keinen Platz für Thomas Matter macht, erklärt er im Interview.

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Herr Schibli, Sie geben ein Comeback in Bern. Warum haben Sie nicht dem jüngeren Thomas Matter Platz gemacht?
Ich will den Wählerwillen berücksichtigen, dieser hat bei der SVP einen sehr hohen Stellenwert. Die Wähler haben mir vor drei Jahren mehr Stimmen gegebenen als Thomas Matter. Zweitens will ich in Bern mithelfen, die Themen, welche der SVP am Herzen liegen, für unser Land und das Volk umzusetzen. Zudem spricht auch meine grosse politische Erfahrung für mich.

Man hört immer wieder, die Partei hätte lieber Matter gehabt. Haben Sie den Druck der Partei gespürt?
Nein, ich verspürte keinerlei Druck von Seiten der Partei; es hat sich auch nie jemand von der Parteileitung bei mir gemeldet, auch Christoph Blocher nicht. Ich konnte vollkommen frei und in Ruhe entscheiden – das habe ich sehr geschätzt.

Der abgetretene Hans Kaufmann hat sich sogar explizit Finanzfachmann Matter als Nachfolger gewünscht.
Das verstehe ich. Schliesslich ist Kaufmann Finanzfachmann und Matter auch. Aber die Finanzen sind nicht das einzige Thema. Auch ich habe meine Spezialgebiete. Und ich hatte, wie gesagt, mehr Stimmen erreicht als Matter.

Welche sind denn nun Ihre Themen, die Sie in Bern anstossen möchten?
Das sind generell die Kernthemen der SVP: Die unabhängige und neutrale Schweiz, gute Rahmenbedingungen für Wirtschaft, einen attraktiven Werkplatz Schweiz, die öffentliche Sicherheit und der Kampf gegen den Asylmissbrauch. Für mich ist überdies die Nahrungsmittelproduktion ein sehr zentrales Thema, die einheimische Landwirtschaft, die Versorgung der Bevölkerung mit gesunden, qualitativ hochwertigen Nahrungsmitteln.

Sie sind Unternehmer und Gemüsebauer. Im Mai müssen Sie bereits in Bern antraben. Wie organisieren Sie sich?
Ich kann mich anpassen. Ich bin mich gewohnt, sehr viel zu arbeiten. Ich war ja auch jahrelang Fraktionspräsident im Kantonsrat, Gemeindepräsident in Otelfingen und Bauer. Bei mir hat die Woche sieben Tage.

2015 sind bereits wieder Wahlen. Treten Sie nochmals an?
Ich kann mir durchaus vorstellen, im Herbst 15 nochmals zu kandidieren. Ich bin jetzt 61 und falle in der SVP noch nicht unter die Altersguillotine.

In der Zürcher SVP Nationalratsdelegation gibt es mit Binder, Bortoluzzi, Fehr und vor allem Blocher vier Nationalräte die deutlich älter sind als Sie. Was halten Sie von der Forderung nach Blutauffrischung?
Der italienische Staatspräsident Napolitano ist jetzt 88. Adenauer trat mit 87 zurück, und in Bern will CVP-Nationalrat Jacques Neirynck mit 82 nochmals antreten. Da gehöre ich mit gut 60 noch zum jungen Gemüse. Ich fühle mich auch körperlich und geistig noch voll im Schuss und zu jung um aufzuhören.

Erstellt: 25.03.2014, 15:33 Uhr

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«Ich konnte vollkommen frei und in Ruhe entscheiden»: Ernst Schibli, neuer SVP-Nationalrat für den Kanton Zürich. (Bild: Dominic Büttner )

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