«Ich habe noch 14 Monate meinen Lohn»

Martin Graf muss sich einen neuen Job suchen. Wie geht er das an? Und: Macht er weiter Politik? Der abgewählte Regierungsrat nimmt Stellung.

«Ich muss mir eine neue Arbeit suchen, und dazu nehme ich mir die nötige Zeit»: Martin Graf nach seiner Abwahl. (12. April 2015)

«Ich muss mir eine neue Arbeit suchen, und dazu nehme ich mir die nötige Zeit»: Martin Graf nach seiner Abwahl. (12. April 2015) Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Herr Graf, Sie sind deutlich abgewählt worden. Wie erklären Sie sich das? Ist die Abwahl dem grünen Debakel geschuldet oder dem Fall Carlos?
Ich glaube, es sind drei Faktoren. Zuerst einmal kommt es nicht oft vor, dass die Zürcher Regierung aus vier Bürgerlichen und drei Mitgliedern des Mitte-links-Lagers zusammengesetzt ist. Meist war das Verhältnis fünf zu zwei. Zweitens hat der Einbruch des grünen Lagers eine Rolle gespielt. Und drittens der Kommunikationsstil, den ich gepflegt habe – auch im Fall Carlos. Ich war auf so einen Fall zu wenig vorbereitet. Und die Medien hatten mit ihrer Art, darüber zu berichten, ebenfalls einen Einfluss.

Grüne und Grünliberale haben ein Debakel erlebt, man könnte fast vom Absturz einer Idee reden. Wie interpretieren Sie das?
Ich bedaure sehr, dass grüne Themen offensichtlich momentan wenig beachtet werden. Das könnte sich in ein, zwei Jahren bereits wieder ändern. Es hat mich sehr erstaunt, dass die globalen Konflikte und Migrationsströme, die auch auf die Schweiz einen Einfluss haben, nicht einmal auf einem Wahlpodium ein Thema waren.

Hätte diese Thematik denn Ihnen oder den Grünen geholfen?
Das denke ich. Es ist letztlich auch mein Ressort, meine Direktion, die sich mit dem Thema befasst, etwa bei Integrationsfragen.

Haben die Grünen Fehler gemacht?
Ich denke, in dem Wahlkampf nicht. Ich meine auch, die Grünen haben in den letzten vier Jahren stringent politisiert. Andere Fraktionen hatten viel mehr einen Hüst-und-hott-Kurs, und die machten ein gutes Resultat. Aber die politische Grosswetterlage ist sicher nicht zugunsten der Grünen.

Was bedeutet das Resultat für die Zukunft der grünen Idee?
Da kann man keine Prognosen machen, das kann wie gesagt sehr schnell ändern.

Was bedeutet die Abwahl für Sie? Wie geht es weiter?
Ich muss mir eine neue Arbeit suchen, und dazu nehme ich mir die nötige Zeit. Was ich machen werde, dazu sage ich noch nichts.

Werden Sie weiter politisieren?
Das lasse ich völlig offen.

Was heisst die Abwahl finanziell?
Ich habe noch 14 Monate meinen Lohn, so lange kann ich mir überlegen, was ich in Zukunft mache.

Sie wirken relativ cool.
Ich habe mich gut auf den heutigen Tag vorbereitet.

Sie haben also mit einer möglichen Abwahl gerechnet?
Ich musste damit rechnen, dass das passieren könnte. Im Moment funktioniere ich einfach. Das Nachdenkliche kommt schon noch. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 13.04.2015, 07:43 Uhr

Artikel zum Thema

Martin Graf abgewählt, drei Frauen neu im Regierungsrat

CVP rein, Grüne raus: Die Regierung des Kantons Zürich rückt nach rechts. Neu gewählt sind Jacqueline Fehr, Carmen Walker Späh und Silvia Steiner. Die Chronologie der Regierungsratswahl. Mehr...

Freude bei den Frauen, Kummer bei Graf

Die Reaktionen zu den Regierungsratswahlen. Während die einen sich auf die Zusammenarbeit in der Regierung freuen, will sich der abgewählte Martin Graf komplett neu orientieren. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Paid Post

So wird mehr aus Ihrem Spargeld

Es sind karge Zeiten für Sparer: Die Sparkonten werfen so gut wie keinen Zins mehr ab. Doch es gibt eine attraktive Alternative.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Das grösste Tier der Erde: Ein Besucher des Royal National Parks, südlich von Sydney, Australien, betrachtet einen toten Wal, der an die Wattamolla Beach angespült wurde. (24. September 2018).
(Bild: Dean Lewins) Mehr...