«Ich muss Regierungsrat werden, um meine Ideen zu verwirklichen»

Schulleiter Dani Schafroth aus Zürich ist der erste Exot im Wahlkampf für den Regierungsrat. Im Interview sagt er, wie er die Wähler für sich gewinnen will und weshalb er mit einem Ball auf dem Kopf posiert.

Den Ball flach zu halten ist nicht sein Ding: Regierungsratskandidat Dani Schafroth. Foto: Marco Boeschenstein/Ron Stocker's United Archives Zurich

Den Ball flach zu halten ist nicht sein Ding: Regierungsratskandidat Dani Schafroth. Foto: Marco Boeschenstein/Ron Stocker's United Archives Zurich

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Herr Schafroth, Sie haben diese Woche in der Lokalzeitung «Zürich 2» Ihre Kandidatur für den Regierungsrat bekannt gegeben. Wie ernst ist es Ihnen damit?
Ich meine es enorm ernst. Ich habe viele Ideen, wie ich mit Menschen zusammen Dinge verändern kann. Leider bin ich in der Vergangenheit damit bei den Behörden immer wieder aufgelaufen. Jetzt will ich zeigen, was man in einer Machtposition bewirken kann. Meine Ideen sind so wichtig, dass ich Regierungsrat werden muss, um sie zu verwirklichen.

Was sind das für Ideen?
Zwei Beispiele: Es gibt in der Schweiz ein Projekt, das es Kindern, die lange im Spital sind, ermöglicht, mit einem Roboter, einem sogenannten Avatar, trotzdem physisch im Klassenzimmer präsent zu sein. Ich möchte, dass diese Möglichkeit flächendeckend eingeführt wird und auch Jugendlichen offensteht, die sich in schwierigen Situationen befinden und darum nicht in die Schule kommen wollen oder können. Eine andere Idee betrifft die Kinderschutzbehörde (Kesb). Ich finde, bevor man ein Kind in ein Heim steckt, sollte man die Nachbarn einer betroffenen Familie dazu befähigen, helfend einzugreifen. Das wäre massiv billiger als ein Heimplatz, und die Kinder könnten in ihrem gewohnten Umfeld bleiben. Ich konzentriere mich momentan auf die Bereiche Bildung und Jugendarbeit. Dort liegen meine Kernkompetenzen. Ich wäre aber auch offen für ein anderes Dossier als Regierungsrat.

Ihr Motto lautet: «Schafroth, dein Diener. Ganz einfach Dani Schafroth wählen, die Welt ist kompliziert genug.» Glauben Sie, dass Sie damit punkten können?
Ich sehe mich als Diener der Menschen, egal ob als Schulleiter oder als Regierungsrat. Ein Diener schaut, dass es den anderen gut geht. Ich will in einer Gesellschaft leben, in der die Menschen besser miteinander umgehen. Mein Mentor ist Pfarrer Sieber, mit dem ich früher Konfirmationslager geleitet habe. Er zeigt exemplarisch, dass ein Mensch mit Visionen diese auch umsetzen kann.

Sie bezeichnen sich als «unpolitischen Kandidaten». Wie meinen Sie das?
Ich gehöre keiner Partei an, bin weder rechts noch links noch unten oder irgendwo. Ich mache einfach das, was gut ist. Ich kann viel bewegen und lade alle ein mitzumachen. Eine neutrale Person fehlt meiner Meinung nach bis jetzt im Regierungsrat.

Nun ist ein Regierungsrat kein König, sondern ein vollziehender Politiker in einer Kollegialbehörde. Sind Sie konsensfähig?
Ich kann damit leben, wenn jemand anderer Meinung ist als ich. Dann muss ich eben Überzeugungsarbeit leisten, bis jeder daran glaubt, von der SVP bis zur SP. Wenn jemand Nein sagt, ist das für mich ein Ansporn, mein Konzept zu verbessern.

Eines Ihrer offiziellen Pressebilder zeigt Sie mit einem Fussball auf dem Kopf. Nicht sehr staatsmännisch.
Ich finde es im Gegenteil sehr staatsmännisch. Der Ball steht für alle Schüler, die ich schon begleitet habe. Die Botschaft lautet: Es geht nicht um mich, sondern um die Sache, um Projekte, um Freundschaften.

Sie sprühen geradezu vor Ideen. Woher kommt diese Energie?
Das ist wohl ein Familienerbe. Meine Familie hat viel positive Energie. Ich war schon immer vielseitig engagiert, war Präsident einer Schülervereinigung, habe Konfirmationslager und Jugendgruppen geleitet, spielte in einer Band, absolvierte Weiterbildungen. Zurzeit nehme ich an einer Studie über Hyperaktivität der Uni Zürich teil. Vielleicht erhalte ich ja dort Aufschluss darüber, was in meinem Hirn anders läuft als bei anderen.

Wie sieht Ihr Wahlkampf aus?
Ich habe einen Pressechef, einen Fotografen, Freunde. Das ist ein super Team mit Visionen. Man kennt mich im Quartier. Ich will mir einen Namen durch meine Projekte machen, nicht mit viel Werbung.

Das könnte knapp werden bis zu den Wahlen im April.
Ich denke, dass ich durchaus eine Rolle im Wahlkampf spielen kann. Aber wenns dieses Mal nicht reicht, dann vielleicht nächstes Mal. Wenn ich über 1000 Stimmen erhalte, verstehe ich das als Auftrag, 2019 erneut zu kandidieren. Sonst mache ich halt motiviert meine Arbeit im Lavater-Schulhaus weiter. Egal, wie es ausgeht: Ich kann nur gewinnen.

Erstellt: 16.01.2015, 13:22 Uhr

Zur Person

Dani Schafroth (50) ist Sekundarlehrer und Co-Schulleiter im Schulhaus Lavater im Zürcher Enge-Quartier. Öffentlich in Erscheinung getreten ist er 2009, als er sich gegen die Ausweisung der Zwillingsschwestern Comagic nach Serbien einsetzte. Eines der Mädchen war damals seine Schülerin. Schafroth ist verheiratet und hat drei Töchter. (ham)

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