«Ich musste 30 Gäste vor die Türe setzen»

Vor zwei Wochen eröffnete Denis Briel in Adliswil seine erneuerte Pokerlounge. Am Mittwoch wurde das Poker-Urteil des Bundesgerichts bekannt – und Briel musste innert Stunden schliessen.

Musste von einem Moment auf den anderen schliessen: Die Pokerlounge von Denis Briel.

Musste von einem Moment auf den anderen schliessen: Die Pokerlounge von Denis Briel. Bild: pd

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«Wir haben voll auf Poker gesetzt. An sechs Tagen pro Woche war hier Betrieb. Am Mittwoch verloren wir von einem Tag auf den anderen unsere Existenzgrundlage und unsere Geschäftsidee», klagt Denis Briel. Das an diesem Tag veröffentlichte Urteil ziehe den Pokerlounges buchstäblich den Boden unter den Füssen weg. Das Bundesgericht stellte darin fest, dass Poker mehrheitlich ein Glücksspiel sei und die immer zahlreicher werdenden Poker-Lounges darum illegal sind. Um einem juristischen Nachspiel aus dem Weg zu gehen, blieben Briel nur Stunden um zu reagieren. «Ich musste 30 Gäste vor die Türe setzen»

Zehn Mitarbeiter stehen vor ungewisser Zukunft

Denis Briel eröffnete seine neu gestaltete Lounge erst vor rund zwei Wochen. «In den Räumen wird seit eineinhalb Jahren gepokert. Kürzlich habe ich umgebaut und dann den Betrieb wieder aufgenommen.» Ob das Bundesgerichtsurteil bedeutet, dass er das in den Umbau investierte Geld abschreiben muss, weiss er noch nicht. Einen «mittleren fünfstelligen Betrag» habe er in seine Lounge gesteckt.

Was Briel aber noch mehr schmerzt, ist die ungewisse Zukunft vor der seine Mitarbeiter stehen. Eine Vollzeitstelle sowie acht bis zehn Teilzeitstellen seien betroffen.

Briel gibt nicht kampflos auf

Einfach aufgeben will Briel seinen Betrieb indes nicht. Das sei er seinen Gästen schuldig, die wohl kaum in ein Casino gehen würden, um dort Poker zu spielen. Diese setzen beim Pokern pro Abend bis 400 Franken um. «Unser Anwalt klärt derzeit die Möglichkeiten ab», sagt er. Denkbar wäre für ihn die Gründung eines Poker-Vereins oder der Betrieb der Lounge als Privat-Klub. Ob das Urteil dies zulässt, weiss Briel noch nicht.

«Poker ist meiner Meinung nach klar ein Geschicklichkeits- und nicht ein Glücksspiel. Darum gibt es überhaupt eine Profi-Szene – das wäre sonst wohl kaum der Fall», gibt Briel zu bedenken. Aus diesem Grund habe auch niemand in der Szene mit einem solchen Urteil des Bundesgerichts gerechnet. «Wir wussten natürlich, dass ein Urteil bevorsteht – dass es derart hart ausfällt, hat aber niemand erwartet.»

Erstellt: 03.06.2010, 15:17 Uhr

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Poker erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Je populärer das Kartenspiel wird, desto stärker wiegt auch das Suchtpotenzial. Im Falle von Pokerlounges ist dieses Problem allerdings weniger relevant, wie Ines Bodmer, Psychologin bei Zürcher Zentrum für Verhaltenssucht sagt. «Wir haben im Bereich der Suchtprävention zwar schon vermehrt mit Poker zu tun. Allerdings betrifft dies vor allem Internet-Poker und Cash Poker, wo es ums schnelle Geld geht.» Turniere würden hingegen kaum Suchtgefahr bergen.

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