«Ich will meine Firma wegen der Bonzensteuer nicht ausbluten»

Für den Unternehmer und SVP-Kantonsrat Peter Uhlmann wäre die Initiative der Juso kontraproduktiv. Bei einer Annahme müsste er das Geld für die Steuern aus seiner Firma nehmen.

«Die Initiative bestraft nicht die angeblichen Bonzen, sondern Unternehmer, die Arbeitsplätze schaffen»: Peter Uhlmann in seiner Firma Optimo Service AG in Winterthur.

«Die Initiative bestraft nicht die angeblichen Bonzen, sondern Unternehmer, die Arbeitsplätze schaffen»: Peter Uhlmann in seiner Firma Optimo Service AG in Winterthur. Bild: Sabina Bobst

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Wie ein Bonze wirkt Peter Uhlmann nicht, obschon er in seiner Steuererklärung ein Vermögen von mehreren Millionen Franken eintragen darf – oder muss. Genaue Zahlen nennt der Bauernsohn aus Dinhard in schweizerischer Zurückhaltung nicht. «In meinem Leben habe ich noch nie auch nur einen Franken geerbt», sagt Uhlmann. Er fährt einen alten Peugeot 307. Und wohnt mit seiner Familie in einem «normalen» Einfamilienhaus in Welsikon bei Dinhard – mit Blick auf den elterlichen Bauernhof. Die drei Kinder der Uhlmanns arbeiten alle Teilzeit, um ihr Studium mitzufinanzieren.

Diesem Peter Uhlmann mit dem Habitus eines Gewerblers vom Land gäbe man den Millionario nicht – den Bonzen, der er nach Juso-Definition sein müsste, schon gar nicht. Aber den Chef sieht man Uhlmann mit seinem kritischen Blick einen Kilometer gegen den Wind an. Er war zwölf Jahre Gemeindepräsident von Dinhard und ist nun als Mitinhaber Chef von 250 Leuten.

Vom Mechaniker zum Chef

Peter Uhlmann (61) ist gelernter Mechaniker, hat das KV und die Zollfachschule gemacht. Bei Sulzer brachte er es zum Leiter der Logistik. Bis der Konzern 2001 seinen Dienstleistungsbereich verkaufte. Uhlmann und sein Kollege Peter Widmer kauften Sulzer die Bereiche ab und übernahmen 180 Mitarbeitende.

Heute heisst die Firma von Widmer und Uhlmann Optimo Service AG. Sie umfasst sieben Bereiche. Angefangen bei der Speditionslogistik mit Verpackung, Transporten und Spedition von Maschinen in alle Welt, über einen Jobcorner bis zum Druckereibetrieb und zur Informatikabteilung. Zur Firma gehören auch eine Werkzeugschärferei und ein Betrieb zum Zuschneiden von Stahl. «Wir haben in 13 Jahren noch nie rote Zahlen geschrieben und nie einen Mitarbeiter aus wirtschaftlichen Gründen entlassen müssen.»Das «seriöse, vorausschauende Geschäften» – so Uhlmann – hat ihn geprägt. Er kämpft deshalb aktiv gegen die Bonzensteuer, weil sie seiner Firma schaden würde. Der grösste Teil seines Privatvermögens steckt in der Firma – Lagerhallen in Oberwinterthur, Druckmaschinen, Stahlsägeautomaten oder 30 Fahrzeuge. «Der Wert der Firma schlägt voll in mein Privatvermögen durch.»

Geld, das der Firma fehlt

In Zahlen: Würde die Bonzensteuer angenommen, müsste Uhlmann Vermögensteile über 2 Millionen Franken um 50 Prozent höher versteuern. Ein Beispiel: 10 Millionen Franken Vermögen würden künftig statt 60'000 neu 90'000 Franken kosten. Um diese Steuern zu bezahlen, müsste der Unternehmer 130'000 Franken aus der Firma nehmen, weil auch sein Lohn zu einem Drittel besteuert wird. Das ist Geld, das dann der Firma fehlt. «Als Unternehmer will ich meine Firma nicht ausbluten», sagt er. «Wir wollen so wenig wie möglich von den Banken abhängig sein – bevor diese einen Kredit geben, nehmen sie jede Firma auseinander.»

Das ist auch der Grund, weshalb sich Uhlmann selbst bloss «einen schönen, aber keinen luxuriösen Lohn» auszahlt. Seine Firma lebt mit dem Export und dieser mit der Konjunktur. «Um ein paar schlechte Monate zu überstehen, brauchen wir Cash-Reserven von mehreren Millionen.» Für Uhlmann ist klar: «Die Initiative bestraft nicht die angeblichen Bonzen, sondern Unternehmer, die Arbeitsplätze schaffen, Lehrlinge ausbilden und mit einem hohen persönlichen Einsatz das volle Risiko tragen.» Und er fügt im Hinblick auf die Banken an: «Uns hilft der Staat nicht, wenn wir ins Schleudern geraten.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 30.05.2013, 07:25 Uhr

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