Im Autobahntunnel unter dem HB sollen Velos fahren

Im Rohbau des Autobahntunnels unter dem Hauptbahnhof ist eine Veloroute samt Velostation geplant.

In Planung: Unter dem Hauptbahnhof ist für den Stadttunnel, der früher «Y» hiess, bereits Platz ausgespart.

In Planung: Unter dem Hauptbahnhof ist für den Stadttunnel, der früher «Y» hiess, bereits Platz ausgespart. Bild: Sophie Stieger

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Der Hauptbahnhof ist der grösste Bremsklotz im Zürcher Veloverkehr. Über den Bahnhofplatz führen keine Velowege, übers Bahnhofquai nur solche mit Zittern, und queren lässt sich der Gleisstrang schon gar nicht. Dabei ist eine direkte Verbindung der Stadtkreise 4 und 5 ein uraltes Veloanliegen, das im regionalen Verkehrsplan festgelegt ist. Bloss: Wie unter- oder überquert man die 16 Gleise?

Bislang stand ein Radstreifen im Flussbett im Vordergrund, der am linken Ufer mit einer Mauer von der Sihl abgeschirmt wäre. Bei Hochwasser würde dieser Radweg überflutet. Jetzt prüft das Tiefbauamt eine Idee, die in engagierten Velokreisen schon lange herumgeistert: die provisorische Nutzung des Tunnelstummels unter dem Hauptbahnhof.

A 3 mit A 1 verbinden

Der vierspurige Stadttunnel soll dereinst Zürich zwischen Allmend Brunau und Autobahnknoten Neugut im Glattal unterqueren und so die A 3 mit der A 1 verbinden. Die Sihlhochstrasse würde dann abgebrochen. So will es die bürgerliche Verkehrspolitik, und so steht es auch im kantonalen Richtplan. Selbst wenn dieser Bau, dessen Kosten auf mindestens 2,2 Milliarden Franken geschätzt werden, noch längst nicht konkret oder gar bewilligt ist, Vorarbeiten gibt es bereits.

Beim Bau des S-Bahnhofs Museumstrasse vor über 20 Jahren wurde im dortigen Bereich die Betonhülle des Strassentunnels erstellt, und auch jetzt beim Bau des unterirdischen Durchmesserbahnhofs Löwenstrasse wird wieder ein Stück Stadttunnel betoniert. Die viereckige Röhre führt parallel zum linken Sihlufer und zur Fussgängerpassage Sihlquai unter den Gleisen hindurch.

Ziel: Eröffnung 2014

Weil das Tiefbauamt davon ausgeht, dass es bis zum Bau der Tunnelautobahn noch mindestens 20 bis 30 Jahre dauert, prüft es jetzt verschiedene Varianten für den Einbau einer Veloroute samt Velostation im Tunnelrohbau unter dem Hauptbahnhof. Der Tunnel muss mit Rampen in der Kasernenstrasse und am Sihlquai erschlossen werden; wie lange diese Rampen sind und wo genau sie hinkommen, ist noch unklar. Auch von der geplanten Velostation gibt es noch keine Details. Sie soll Platz bieten für mindestens 1500 Velos und die heutige Anlage neben dem Landesmuseum ersetzen.

Klar ist überdies, dass die bediente Velostation direkte Zugänge zur Bahnhofpassage Sihlquai und zu den Perrons haben muss. Ende Jahr möchte das Tiefbauamt die Machbarkeitsstudie vorlegen. Es eilt, denn Mitte 2014 wird der neue Bahnhof Löwenstrasse eröffnet, und dann sollten auch der Veloweg und die Velostation im Tunnel bereit sein. Über die Kosten kann der Sprecher des Tiefbauamtes, Stefan Hackh, keine Angaben machen. Er geht davon aus, dass es eine sehr wirtschaftliche Lösung sein könnte, die viele Anliegen von Velofahrenden erfüllt.

20 Millionen Franken fürs Velo

Für die Interessengemeinschaft Pro Velo Kanton Zürich bietet der leere Tunnel die beste Chance für eine bequeme Unterquerung des Hauptbahnhofs und für eine grosse Velostation. Pro Velo Zürich sammelt bereits Unterschriften für eine Petition an den Regierungsrat, die diese Zwischennutzung ermöglichen soll. Der Petition kommt entgegen, dass der Kantonsrat letzten November das Veloförderprogramm der Regierung mit grossem Mehr bewilligt hat. Es sieht 20 Millionen Franken für die kommenden zehn Jahre vor, darunter 5 Millionen für Veloparkplätze an Bahnhöfen.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 22.09.2011, 08:15 Uhr

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