«Im Herzen bin ich mit Steve über die Hindernisse gesprungen»

Wieder hatte Urs E. Schwarzenbach, Milliardär und Besitzer des Dolder Grand, ein gutes Händchen: Sein Pferd Nino holte in London Gold für die Schweiz.

Beim Training auf Urs E. Schwarzenbachs Rütihof oberhalb von Herrliberg: Steve Guerdat. (Archivbild November 2009)

Beim Training auf Urs E. Schwarzenbachs Rütihof oberhalb von Herrliberg: Steve Guerdat. (Archivbild November 2009) Bild: Beat Marti

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Sie haben der Schweiz zu einer Goldmedaille verholfen. Was bedeutet das für Sie?
Ich freue mich für Steve Guerdat und sein Pferd, dass sie Gold geholt haben. Und ich freue mich, dass ich auf den richtigen Mann und auf das richtige Pferd gesetzt habe. Für die Schweiz ist das Olympiagold natürlich schön und wichtig. Wir können jede Chance, jeden Vorteil gebrauchen. Sonst bekommen wir ja immer auf die Kappe, vor allem von unseren Freunden in Amerika.

Haben Sie den Parcours mitverfolgt?
Ja, ich bin dort gewesen, und im Herzen bin ich mit Steve über die Hindernisse gesprungen. Ich besuche sonst nie Wettkämpfe, ich bin immer viel zu aufgeregt. Zusehen ist für mich aufreibender, als selber zu springen. Ich bin ja nicht viel gesprungen. Aber im Polo spielte ich in den 90er-Jahren in einem sehr kompetitiven Team mit, in einem der besten der Welt.

Es heisst, Sie reden seit fünf Jahren, seit Sie Steve Guerdat nach Herrliberg holten, davon, dass er an der Olympiade eine Goldmedaille holt.
Ich habe eigentlich erwartet, dass Steve zwei Medaillen holt (lacht). Aber im Ernst: Man kann ja nicht mit der Einstellung an die Olympischen Spiele gehen, dass man nichts gewinnt.

War es das Pferd oder war es der Reiter, der die Medaille holte?
Es ist Teamwork. Bei uns im Polo sagen wir, dass das Pferd bis zu 70 Prozent zum Erfolg oder Misserfolg beiträgt. Ein Superpferd kann einen Reiter aus einer heiklen Situation retten. Aber wenn das Pferd nicht gut ist, kann auch der beste Reiter nichts ausrichten. Bei der Formel 1 ist es dasselbe. Ich sagte einmal zum Rennfahrer Frank Williams, er ist ein guter Bekannter von mir, dass Damon Hill fantastisch gefahren sei. Da meinte er: «In dieses Auto kannst du jeden hineinsetzen. Mit dem wird jeder Weltmeister.»

Offenbar war Nino ein schwieriges Pferd, als Sie es kauften. Weshalb haben Sie dennoch zugegriffen?
Als Steves früheres Pferd alt wurde, hat er mir gesagt: «Du, ich habe ein Pferd gesehen, dass Potenzial hat.» Also habe ich es gekauft.

Sie mischen sich nicht ins Reitgeschäft ein?
Wenn ich nicht an Steve und an seine Fähigkeiten glauben würde, würde ich ihn nicht unterstützen. Ich kann nicht beurteilen, wie gut das Pferd ist, ich bin kein Experte.

In welcher Form unterstützen Sie ihn?
Ich stelle ihm die Pferde und den Reitstall Rütihof zur Verfügung, in dem er mit ihnen trainieren kann. Ich bin in Küsnacht aufgewachsen, und als ich hörte, dass der Rütihof in Herrliberg zu kaufen ist, habe ich zugegriffen und ihn ausgebaut. Ich hätte die Plätze natürlich auch einer Millionärsgattin vom Zürichsee vermieten können. Aber ich vergebe sie lieber einem jungen Springreiter mit Potenzial.

Und was haben Sie davon?
Ich bin am Preisgeld beteiligt.

Es scheint, früher oder später wird alles zu Gold, was Sie anfassen. Ihr Hotel, das Dolder Grand, läuft besser als zu Beginn und belegt bei Hotelbewertungen von «Bilanz» und «SonntagsZeitung» den 1. Rang.
Ich investiere immer langfristig. Wenn man an etwas glaubt, braucht es halt manchmal Geduld und Entschlossenheit. Das ist auch das, was ich meinen beiden Kindern immer sage.

Wie viel ist Ihr Pferd nach dem Sieg wert?
Das weiss ich auch nicht. Aber ich muss Ihnen sagen: Mein Telefon läuft nicht heiss, weil so viele Interessenten das Pferd kaufen möchten. Vor Olympia habe ich einige Angebote gehabt, aber nach den Spielen braucht niemand mehr ein Pferd; bis zur nächsten Austragung ist es zu alt. Im Polo haben wir auch ab und zu Spitzenpferde gekauft. Aber wissen Sie weshalb? Nicht weil wir noch eines gebraucht hätten. Nein, damit es kein anderer hat. Wenn das Geld keine Rolle spielt, kommt es auf ein Pferd mehr oder weniger nicht an.

Verdienen Sie auch im Polo Geld?
Nein. Polo ist nur für die Glory. Sie haben viele Ausgaben, und wenn Sie gewinnen, bekommen Sie kein Preisgeld, sondern ein Handshake von der Queen.

Dafür müssten Sie nicht Polo spielen, Sie kennen sie ja auch sonst.
Ich will nicht näher auf meine Beziehung zur Königin eingehen. Aber ich bin gleich alt wie Prinz Charles, und unsere Söhne sind gleich alt und sind zusammen zur Schule gegangen. Man kennt sich.

Wie viel Geld geben Sie für den Polo-Sport aus?
Jetzt kommen wir aber vom Thema ab. Wir reden über Steve.

Kann man als Pferdesportler überhaupt ohne die Unterstützung eines Mäzens arbeiten?
Nein, nicht einmal die Besten können davon leben. Selbst Steve, der an den Olympischen Spielen Gold geholt hat, kommt nicht alleine durch.

Wie viele Pferde besitzen Sie insgesamt?
In England habe ich, sagen wir, über 100 Pferde, in Australien über 200. Darunter sind echte Champions, aber auch Zuchtstuten. Steve stelle ich drei Pferde zur Verfügung. Sie haben sich alle für die Spiele in London qualifiziert, aber Steve entschied sich für Nino. Er kennt seine Pferde und weiss, welches in der besten Verfassung ist.

Sind Sie auch schon auf Nino geritten?
Nein, ich käme mit ihm nicht einmal vor das erste Hindernis. Spitzenpferde sind wie Formel-1-Rennwagen. Sie sind sehr fein eingestellt. Sie merken sofort, wenn sich ein Idiot auf sie setzt.

Sie sind Polospieler. Wie kommen Sie zum Springreiten?
Es war genau umgekehrt. Ich war ursprünglich Springreiter und Jagdspringer. Ich war Amateur und ritt nicht auf Wettkampfniveau. Als ich in den 80er-Jahren nach England ging, begann ich Polo zu spielen.

Woher kommt Ihre Leidenschaft für Pferde?
Ich habe keine spezielle Leidenschaft für Pferde. Aber die Familie Schwarzenbach hatte schon früh mit Pferden zu tun. Ein Verwandter von mir gewann in den 60er-Jahren sogar einmal Olympia-Silber. Ich muss das im Blut haben. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.08.2012, 06:42 Uhr

Urs E. Schwarzenbach
Der Financier ist 1948 in Küsnacht geboren, lebt heute auch in England, Australien und St. Moritz. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder. (Bild: Keystone )

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