Immer mehr Wohnungen in Zürich im Besitz von Firmen

Unternehmen kaufen vermehrt Immobilien in Zürich, Privatpersonen besitzen immer weniger. Dies sei der wahre Grund für gestiegene Mieten, sagen Kritiker.

Aktiengesellschaften kaufen, Private verkaufen. Siedlung im Besitz der Zürich Versicherung im Seefeld.

Aktiengesellschaften kaufen, Private verkaufen. Siedlung im Besitz der Zürich Versicherung im Seefeld. Bild: Zürich Versicherung

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Freie Wohnungen im Stadtzentrum, am See oder am Zürichberg – sie wecken nicht nur das Interesse von Zürcher Wohnungssuchenden, sondern auch immer mehr von Aktiengesellschaften. Besonders begehrt sind Liegenschaften an privilegierter Lage. Das zeigt eine Auswertung der Stadt Zürich, wie die NZZ schreibt.

Private Gesellschaften haben gemäss der Zeitung in Zürich von 2008 bis 2016 in fast allen Quartieren ihren Anteil am Wohnungsbestand vergrössert. 2008 gehörten ihnen 24,8 Prozent aller Wohnungen, bis zum Jahr 2016 stieg der Anteil auf 28,9 Prozent. Zu den privaten Gesellschaften zählen neben Aktiengesellschaften Pensionskassen und private Stiftungen.

Privatpersonen hingegen besitzen immer weniger der Zürcher Wohnungen. Von 42,2 Prozent im Jahr 2008 sank ihr Anteil bis 2016 auf 27,1 Prozent. Anteilsmässig konnten Genossenschaften und die öffentliche Hand in diesem Zeitraum kaum etwas dazugewinnen.

Persönlicher Bezug geht verloren

Alex Martinovits von der Abteilung Gesellschaft und Raum der Stadtentwicklung Zürich erklärt sich das zunehmende Interesse von Firmen an Wohnraum in Zürich mit der Abnahme von anderen rentablen Investitionsmöglichkeiten. Zudem sei es bei den Anlegern intern vor einem Investitionsausschuss leichter zu rechtfertigen, an prestigeträchtigen Orten Immobilien zu kaufen, sagt er in der NZZ.

Wenn mehr Wohnungen im Besitz grösserer, professioneller Akteure mit konkreten Anlage- und Renditeerwartungen seien, so nehme allerdings der persönliche und emotionale Bezug zu den Liegenschaften vor Ort ab, sagt Martinovits. Anders als bei Einzelpersonen, Familien oder Erbengemeinschaften, die mit ihren Liegenschaften oft private Ziele verfolgten oder Traditionen verbänden.

«Gewinne werden optimiert»

Walter Angst vom Mieterinnen- und Mieterverband Zürich zeigt sich besorgt über den Trend. Und er macht die institutionellen Anleger für gestiegene Mieten verantwortlich. «Diese tragen die Hauptverantwortung dafür, dass die Angebotspreise an beliebten Standorten wie der Stadt Zürich seit Anfang des Immobilienbooms explodiert sind.» Die meisten privaten Gesellschaften zeichneten sich durch eine sehr aggressive Bewirtschaftung aus und versuchten die Gewinne zu optimieren. Deshalb würden bei Sanierungen die Liegenschaften leergekündigt und bei der anschliessenden Neuvermietung der Mietpreis ausgereizt.

Alex Martinovits widerspricht: Trotz den Zukäufen von Firmen werde günstiger Wohnraum in Zürich nicht verdrängt. Bis im letzten Jahrzehnt seien in Zürich wenige Wohnungen abgerissen worden, und die Bausubstanz sei im Durchschnitt stets älter geworden. Somit habe es auch immer mehr potenziell günstigere Altbauwohnungen gegeben.

(lop)

Erstellt: 30.04.2018, 11:17 Uhr

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