Immer mehr Zürcher benutzen die S-Bahn – doch der Ausbau stockt

Weil zwei Projekte des Bundes erst in 15 Jahren fertig sind, kann der ZVV das Netz nur punktuell entlasten.

Die S-Bahn hat ein Kapazitätsproblem: Ein- und Ausstieg am Hauptbahnhof Zürich.

Die S-Bahn hat ein Kapazitätsproblem: Ein- und Ausstieg am Hauptbahnhof Zürich. Bild: Thomas Egli

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Die Bevölkerung und die Zahl der Beschäftigten im Kanton Zürich wächst, und viele Zürcherinnen und Zürcher arbeiten in den Städten. Der Pendlerverkehr in die Zentren wird also in absehbarer Zeit weiter zunehmen – und mit ihm der Druck auf die S-Bahn.

Konkret rechnet der Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) über alle Verkehrstypen mit einer 20 Prozent höheren Nachfrage bis 2020. Er kann diesem Wachstum aber zumindest bei der S-Bahn wenig entgegensetzen. Das geht aus dem Strategiebericht für die Jahre 2022-2025 hervor, der heute Donnerstag veröffentlicht wurde.

Zwar wurde mit den 4. Teilergänzungen der Zürcher S-Bahn zwischen 2014 und 2018 der grösste Angebotsausbau in der Geschichte des ZVV umgesetzt. Doch das wars vorerst: «Weitere grössere Angebogtsanpassungen beim Bahnahngebot können bis Ende der Strategieperiode nicht umgesetzt werden», schreibt der ZVV. Ticketpreiserhöhungen sind nicht geplant (siehe Infokasten).

Für die angekündigte S-Bahn der 2. Generation, mit welcher der ZVV die Kapazität der Zürcher S-Bahnen längerfristig verdoppeln will, müssten zuerst zwei grosse Infrastrukturprojekte abgeschlossen werden: Der Bau des Brüttenertunnels zwischen Bassersdorf und Winterthur sowie der Ausbau des Bahnhofs Stadelhofen. Diese teuren Ausbauschritte sind im Entwicklungsprogramm des Bundes für den Bahnausbau aber erst für 2035 vorgesehen.

Längere Perrons, längere Züge

Der ZVV muss sich statt auf die grossen Befreiungsschlägen auf kleinere Massnahmen konzentrieren: Man setze sich dafür ein, dass gewisse Ausbauten des Entwicklungsprogramm in Zürich vorgezogen werden können. Ausserdem könnten dank Perronverlängerungen im Furttal sowie im Zürcher Oberland zwischen Efferetikon und Wetzikon die Züge verlängert und damit die Kapazität erhöht werden. Schliesslich sollen verschiedene Massnahmen die Kapazität der Sihltal-Zürich-Uetliberg-Bahn (SZU) erhöhen.

Mehr passiert derzeit bei den Trams: Bis 2022 soll die Limmattalbahn zwischen Zürich-Altstetten und Killwangen-Spreitenbach vollständig in Betrieb genommen werden. Ausserdem sollen die Projekte für das Tram in Affoltern und die Verlängerung der Glattalbahn von Zürich Flughafen bis Kloten Industrie vorangetrieben werden.

Auch das Busnetz im Kanton werde wo nötig ausgebaut. Damit der öffentliche Verkehr insgesamt behinderungsfrei fahre und nicht verzögert werde, richte man wo möglich separate Busspuren und Strecken ein, auf denen die Busse bevorzugt werden.

Etwas Zukunftsmusik

In seinem Strategiebericht macht sich der ZVV auch Gedanken zum ÖV-Angebot der Zukunft. Verleihsysteme von Velos, Trottinetts und Scootern überschnitten sich zum Teil mit dem Angebot von Tram und Bus. Noch sei dieser Markt mengenmässig vernachlässigbar. Trotzdem denkt der ZVV über Partnerschaften mit bestehenden Anbietern nach.

Auch ein Angebot mit selbstfahrenden Fahrzeugen ist beim ZVV ein Thema: So könnten diese in Gebieten und zu Zeiten mit schwacher Nachfrage den Linienverkehr ersetzen oder bisher nicht erschlossene Gebiete bedienen. Zuerst müssten solche Fahrzeuge aber uneingeschränkt nutzbar sein und die gleiche Geschwindigkeit wie normale Fahrzeuge aufweisen.

Ein Pionier wird der ZVV damit nicht mehr: Solche Angebote wurden und werden in der Schweiz getestet – inklusive Kinderkrankheiten, die neue Technologien mit sich bringen. Der ZVV hofft wohl, dass diese dereinst verschwinden und er indirekt von den Tests der anderen profitieren kann. (hwe)

Erstellt: 11.07.2019, 15:22 Uhr

Tickets sollen nicht teurer werden

Auf dem Gebiet des Zürcher Verkehrsverbunds (ZVV) soll es in der Fahrplanperiode 2020/2021 keine Tariferhöhung geben. Dies geht aus einer Mitteilung des Regierungsrates vom Donnerstag hervor.

Er beantragt dem Kantonsrat zur Deckung des Defizits des ZVV für diesen Zeitraum einen Rahmenkredit von 684 Millionen Franken. Dieser deckt die Kosten des öffentlichen Verkehrsangebots im Kanton Zürich für die nächsten zwei Jahre, die nicht durch den Verkehrsertrag und Nebenerträge gedeckt werden. Er wird zur Hälfte durch die Gemeinden und zur Hälfte durch den Kanton finanziert.

Der ZVV hat das finanzpolitische Ziel, dass sich sein Defizit mittelfristig nur im Rahmen des Wirtschaftswachstums entwickeln soll. Mit dem vorliegenden Rahmenkredit von 684 Millionen Franken für die Fahrplanjahre 2020 und 2021 werde diese Vorgabe erneut erreicht, heisst es in der Mitteilung weiter. Der Rahmenkredit liegt 25 Millionen Franken unter demjenigen für die laufende Fahrplanperiode.

Der Aufwand steigt voraussichtlich nur geringfügig, und das Wachstum der Erträge dürfte insgesamt grösser ausfallen. Für das Jahr 2020 wird ein Defizit von 348 Millionen Franken veranschlagt, im Jahr 2021 sind es rund 336 Millionen Franken. Für beide Jahre ist keine Tariferhöhung vorgesehen. Die letzte Tarifanpassung im ZVV erfolgte im Dezember 2016. (sda)

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