Immer weniger Reformierte, immer mehr Katholiken

Der reformierten Kirche des Kantons rennen die Mitglieder davon. Die katholische Kirche hingegen erfreut sich trotz 3300 Austritten eines Zuwachses – dank Hilfe von aussen.

Die Reformierten verlieren immer mehr Mitglieder: Leere Bänke in einer Zürcher Kirche.

Die Reformierten verlieren immer mehr Mitglieder: Leere Bänke in einer Zürcher Kirche. Bild: Thomas Burla

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Laut den neuesten statistischen Angaben beklagte die evangelisch-reformierte Landeskirche im Jahr 2011 einen rekordhohen Mitgliederrückgang von 5617 Gläubigen. In den Vorjahren betrug der Mitgliederschwund jeweils gut 3800 Mitglieder, 2008 waren es gar «nur» 1756. Somit hat der Rückgang innert vier Jahren um über 300 Prozent zugenommen.

Aus der Kirche ausgetreten sind 4066 Reformierte. Eingetreten sind 555, was einen Negativsaldo von 3511 Kirchenmitgliedern ergibt. Der restliche Rückgang von über 2000 Personen ergibt sich durch mehr Verstorbene als Taufen und/oder mehr Wegzüge als Zuzüge. Bemerkenswert ist, dass 2010 mit 4938 Personen fast 900 Reformierte mehr ausgetreten sind als letztes Jahr. Dass die Anzahl Kirchenmitglieder damals nur um 3800 sank, könnte mit der Zuwanderung von Lutheranern aus dem Norden Deutschlands zu tun haben.

Beziehung zur Kirche geht verloren

Laut Nicolas Mori geben die meisten Austretenden keine Gründe für ihren Schritt an. Die restlichen geben die Stichworte «keine Beziehung zur Kirche» und «Weltanschauung» an, sagt der Kommunikationschef der Reformierten Landeskirche des Kantons Zürich. Oder «Finanzen». Denn wer austritt, spart Steuern. Manchmal reicht gar der Steuerberater das Austrittsgesuch ein.

Mit einem Minus von über 2000 Mitgliedern am meisten verloren haben die Stadtzürcher Kirchgemeinden. Der Rückgang um 2,2 Prozent bedeutet, dass der Stadtkirche 2011 jeder 46. Gläubige verloren ging. Prozentual am zweitgrössten ist der Mitgliederschwund in den Bezirken Uster (–1,5 Prozent), Bülach, Meilen und Dietikon (je –1,3 Prozent). Die reformierte Kirche gilt als überaltert.

Babyboom nützt Katholiken mehr

Auch die katholische Kirche profitiert von den zugewanderten Deutschen. Baden-Württemberg, Bayern und – in geringerem Mass – das bevölkerungsstarke Nordrhein-Westfalen sind katholisch geprägt. Dazu kommen Südeuropäer, Südamerikaner und Kroaten. «Das sind Leute mit überdurchschnittlich vielen Kindern», sagt Kerstin Lenz, Informationsbeauftragte des katholischen Synodalrats. Die katholische Kirche zieht mehr Vorteil aus dem aktuellen Babyboom als die reformierte.

Die Zugewanderten sorgen dafür, dass die Anzahl Katholiken über die letzten Jahre nicht abnimmt, sondern gar zunimmt – trotz Rekord-Austrittswelle im Jahr 2010. 2011 verzeichnete die Römisch-Katholische Kirche des Kantons Zürich unter dem Strich einen Zuwachs von 1500 Personen und kommt auf 389'000 Mitglieder. In den letzten fünf Jahren stieg die Zahl der katholischen Kirchenmitglieder um knapp 12'000 Personen.

Nur noch halb so viele Austritte

2010 traten 6161 Katholiken aus der Kirche aus. Die Gründe waren damals mannigfaltig: Sexuelle Übergriffe von Kirchenmännern auf Kinder, Rehabilitierung der Pius-Bruderschaft und eines Holocaust-Leugners durch den Papst und ständige Querelen mit dem Bischof von Chur.

Letztere Dauerfehde ist auch einer der Gründe für die 3251 Austritte im Jahr 2011. Weitere sind laut Jahresbericht der Zürcher Katholiken die «grundsätzliche Entfernung zur katholischen Kirche», «Mühen mit der Weltkirche» oder wie bei den Reformierten: Steuerersparnis. Den über 3200 Austritten standen bloss 158 Neu- oder Wiedereintritte gegenüber.

Reformierte nicht mehr grösste Gruppe

Über die Mehrheit verfügt die Evangelisch-Reformierte Landeskirche im Zwingli-Kanton schon länger nicht mehr. Nur noch 467'000 Personen oder gut ein Drittel der Bevölkerung ist reformiert. 28 Prozent bekennen sich zum Katholizismus. Die grösste Gruppe mit über 38 Prozent gehört keiner oder einer anderen Konfession an. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 07.06.2012, 12:05 Uhr

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