In Mörgelis Verantwortungsbereich lag «vieles im Argen»

Eine Million Franken will die Uni in die Sammlung des Medizinhistorischen Instituts investieren. Indirekt kritisiert sie damit die Arbeit von SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli.

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Für Andreas Fischer, Rektor der Universität Zürich, war heute am Rande einer Medienkonferenz klar: «Das Medizinhistorische Institut ist voll funktionsfähig. Über die Zukunft des Museums wird in nächster Zeit entschieden.» Die Objektsammlung des Institutes sei für die Forschung bedeutend. Allerdings gebe es viel zu tun. Insgesamt will die Uni eine Million Franken investieren und damit für «eine sorgfältige Inventarisierung und Katalogisierung» der Objektsammlung sorgen. «Da lag vieles im Argen», erklärte Fischer zu Christoph Mörgelis früherem Verantwortungsbereich.

Insgesamt verfügt die grösste medizinhistorische Objektsammlung Europas über 100'000 Objekte, welche in den nächsten drei Jahren katalogisiert werden sollen. Professor Johann Steurer, der bis Ende Juni 2013 ad interim die Leitung des Institutes übernommen hat, soll mit Flurin Condrau ein Konzept für die Zukunft der Sammlung und des Museums erarbeiten. Condrau gab die Leitung des Instituts vorübergehend ab, da im Zusammenhang mit der Entlassung von SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli auch Kritik an ihm laut wurde. Condrau arbeitet aber weiter in Forschung und Lehre.

Mehrere Anzeigen wegen Amtsgeheimnisverletzung

Die Entlassung Mörgelis hatte medial für grosse Aufmerksamkeit gesorgt. Die Kündigung hatte Institutsleiter Flurin Condrau ausgesprochen. Als Grund wurden ungenügende Leistungen in seinem Verantwortungsbereich und illoyales Verhalten angeführt.

Mörgeli selbst sieht hinter der Kündigung politische Motive, besonders weil Inhalte eines geheimen akademischen Berichts von Condrau zum Medizinhistorischen Institut und ein Bericht einer internationalen Expertenkommission zum Museum vor der Kündigung dem «Tages-Anzeiger» weitergegeben worden waren. Die Universität hatte diesen und einen weiteren Vorfall bei der Staatsanwaltschaft angezeigt.

Zwei Mitarbeitende des Instituts wurden darauf kurzfristig inhaftiert und befragt. Sie sind derzeit freigestellt wegen des Verdachts auf Amtsgeheimnisverletzung, erhalten aber weiterhin ihren Lohn. Seit November ist ein Strafverfahren in Gang, das laut Staatsanwalt Andrej Gnehm auch auf weitere Personen ausgeweitet werden könnte. SVP-Kreise verdächtigen Institutsleiter Condrau selbst. Deshalb hat er die Leitung vorübergehend abgegeben. Uni-Direktor Fischer gab heute Freitag gegenüber den Medien an, dass es noch Wochen oder Monate dauern könne, bis es im Fall der beiden Mitarbeitenden zu einem Strafbefehl oder einer Einstellung des Verfahrens komme.

Rekurs Mörgelis noch offen

Die zweite Anzeige der Uni betrifft ebenfalls eine mutmassliche Amtsgeheimnisverletzung. Geschützte Informationen sollen an die Zeitung «Sonntag» geflossen sein. Diese berichtete fünf Tage vor dem Medientermin, dass Mörgeli entlassen wird. Gnehm sagt auf Anfrage, in beiden Fällen sei das Ende der Untersuchung noch nicht absehbar.

Ebenfalls hängig ist Mörgelis Rekurs gegen seine Entlassung bei der Rekurskommission der Zürcher Hochschulen und seine Aufsichtsbeschwerde gegen SP-Bildungsdirektorin Regine Aeppli beim Gesamtregierungsrat. Darin fordert er die Aufhebung von Aepplis Immunität. Der weitere Schritt wäre eine Anzeige wegen Amtsanmassung und Amtsmissbrauch. Mörgeli bezichtigt Aeppli, sein Ausstandsbegehren gegen Unirektor Andreas Fischer in Eigenregie abgewiesen zu haben, obwohl der gesamte (von Aeppli präsidierte) Universitätsrat zuständig gewesen wäre.

Verfahren gegen Mörgeli selbst

Mörgeli behauptet, Fischer sei bei der Kündigung nicht mehr unbefangen gewesen, weil er sechs Tage zuvor Mörgelis Entlassung vor den Medien angekündigt hatte. Das Verwaltungsgericht hat die falsche Behandlung des Ausstandsbegehrens bereits gerügt. Nicht der Unirat, sondern die Unileitung unter Ausschluss von Fischer hätte das Begehren beurteilen müssen, so das Gericht. In der Sache trat es auf die Beschwerde Mörgelis bezüglich des Ausstandsbegehrens nicht ein, weil sie zu spät eintraf und er aus einer Gutheissung keinen Vorteil mehr hätte ziehen können.

Ende April gab die Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürichs bekannt, dass sie zudem ein Verfahren gegen Christoph Mörgeli wegen des Verdachts auf Amtsgeheimnisverletzung eröffnet hat. Mörgeli hat im Rahmen einer Pressekonferenz die Namen der Mitglieder der internationalen Expertengruppe veröffentlicht, die seine Objektsammlung im Museum des Medizinhistorischen Instituts beurteilt hatte.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 26.04.2013, 11:58 Uhr

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