Intelligente Strassenlampen sparen – und stören

Die grossen Zürcher Stromproduzenten steuern Strassenbeleuchtungen mit Sensoren. Damit reduzieren sie den Stromverbrauch, nerven aber auch Anwohner.

Spart 25 Prozent Strom, ist aber nur in wenig bewohntem Gebiet sinnvoll: Strassenlampen, die auf den Verkehr reagieren. (Video: EKZ)

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Die Strassenbeleuchtung im Kanton Zürich wird nicht nur sukzessive auf LED-Technik umgestellt, sondern stellenweise auch mit Sensoren und einer intelligenten Steuerung ausgestattet. Das System erkennt, was für ein Verkehrsteilnehmer in den Kegel der Lampe fahren wird und wie schnell er fährt. Den erfassten Daten entsprechend werden die Strassenlampen heller und werden anschliessend wieder abgedunkelt.

In Regensdorf testen die Elektrizitätswerke des Kantons (EKZ) eine Steuerung mit 33 Sensoren. Die Lampen stehen an der Niederhaslistrasse, wo es wenig Anwohner hat. Das vorauseilende Licht eigne sich besonders für solche wenig befahrene Strassen ausserhalb der Wohngebiete, teilten die EKZ mit. «Dort sind die Einsparungen am grössten und Anwohner kaum tangiert», sagt Projektleiter Jörg Haller.

Einsparung von 30 Prozent

Die EKZ geben aber auch zu: «Das flexibel aus- und angehende Licht kann als störend empfunden werden.» Während des Pilotprojekts in Regensdorf verzeichneten die EKZ laut eigenen Angaben eine Reklamation. Dies werten sie als Akzeptanz des Systems. Das Sparpotenzial durch geringeren Stromverbrauch geben die EKZ mit bis zu 30 Prozent an.

Nicht nur die EKZ testen automatisch gesteuerte Strassenlampen. Auch das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (EWZ) hat gleich neben Regensdorf knapp einen Kilometer Verkehrsweg mit der Technologie ausgerüstet. Auf der Furttalstrasse, am Rand von Affoltern, richtet sich die Strassenbeleuchtung seit November nach den Verkehrsteilnehmern.

Velo anders beleuchtet als Auto

Ohne Bewegung auf der Strasse leuchten die LEDs mit 40 Prozent ihrer Kraft. Sind Velofahrer oder Fussgänger unterwegs, strahlen sie mit 70 Prozent, bei Autos erhellen sie die Strasse mit der vollen Leistung.

Die dadurch entstehenden Lichtwellen sind für Anwohner nervig: «Die wechselnde Helligkeit stört uns sehr», sagt ein Familienvater, der seit Jahren nahe der Strasse wohnt. Damit die Sensoren funktionieren, beseitigte die Stadt Büsche und Bäume. Das hell aufleuchtende Licht nehme man nun im Schlaf- und Wohnzimmer viel stärker wahr.

Früher war das Licht gelber und immer gleich stark. «Das war viel angenehmer», sagt der Anwohner. Er findet Energiesparen eine gute Sache. Es soll aber nicht auf Kosten der Menschen gehen. Deshalb hält er nicht viel von automatisch gesteuerten Strassenlampen in der Stadt. «Auf Überlandstrassen mag das Sinn machen, doch in stark bewohnten Gebieten ist das ein zusätzlicher Störfaktor. Der Strassenlärm ist schon Belastung genug.»

Das EWZ erwidert: «Um ein möglichst optimales Licht zu finden, haben wir verschiedene Leuchtkörper getestet», sagt EWZ-Sprecherin Marie Avet. Man habe dabei Wert auf ein Licht gelegt, das möglichst angenehm sei und trotzdem die Strasse den Anforderungen entsprechend erhelle. «Schliesslich haben wir die LED-Leuchten gewählt, die weisser sind als die alten Lampen und gleichzeitig weniger Strom verbrauchen.»

Reklamationen von Anwohnern habe man bisher nur eine erhalten. Ein Hausbesitzer störte sich daran, dass sein Vorgarten zu sehr ausgeleuchtet wurde. «Das konnten wir mit einer besseren Einstellung des Leuchtkegels anpassen», sagt Avet.

Insgesamt testet das EWZ auf einer Länge von 950 Metern 33 Lampen. Es ist der erste Standort mit «vorauseilenden» Strassenlampen. Dem Pilotprojekt sollen weitere auf Stadtgebiet folgen. «Die bisherigen Erfahrungen an der Furttalstrasse waren so gut, dass das EWZ das System weiterbetreiben wird», wie Avet sagt.

Erstellt: 18.06.2015, 13:01 Uhr

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