Islamischer Missionsfeldzug im Kongresshaus

Die Anhänger des Türken Harun Yahya kämpfen wie manche Freikirchen gegen die Evolutionstheorie. Für sie sind alle Darwinisten Terroristen.

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Strenggläubige Christen, für die die Evolutionstheorie von Charles Darwin Teufelswerk ist, erhalten von unerwarteter Seite Unterstützung. Viele Plakate in und um Zürich laden für den 28. Mai zu einer Grossveranstaltung ins Kongresshaus. Organisiert wird die Propagandaoffensive von einer weltweit tätigen islamischen Bewegung um Adnan Oktar alias Harun Yahya. Der türkische Autor hat Millionen von Büchern verkauft und führt einen missionarischen Feldzug für Allah und gegen die Evolutionstheorie. Um sich bei den Christen einzuschmeicheln, propagiert Harun Yahya gar die Wiederkunft von Jesus (www.jesuskommtzurueck.com). Der Missionar erklärt, Muslime und Christen würden sich unter den «wahren moralischen Werten der Religion versammeln».

Abgrundtiefer Hass

Hinter der Charmeoffensive steckt der abgrundtiefe Hass von Yahya und seinen muslimischen Fundamentalisten auf die Lehre von Darwin. Diese besagt, dass sich die Lebewesen durch genetische Veränderungen über Jahrmillionen entwickelt haben. Somit widerlegt die Evolutionstheorie die Schöpfungslehre, wie sie Bibel und Koran postulieren. Im Kampf gegen Atheismus und Materialismus ist dem in der muslimischen Welt sehr bekannten Hardliner selbst eine Allianz mit christlichen Hardlinern willkommen.

Yahya sieht alles Übel der Welt im Darwinismus begründet. Nur wer glaube, von einem gütigen Gott erschaffen worden zu sein, könne moralisches Verhalten entwickeln. Nach Darwin sei der Mensch bloss ein Tier, das ums Überleben kämpfe. Die Evolutionslehre ist deshalb für den Missionar die Grundlage für Hitlers und Mussolinis Faschismus und Stalins Kommunismus, wie er in einem Interview mit dem «Spiegel» erklärte. Überhaupt ist für ihn die Evolutionslehre schuld an allen Terrorakten – selbst jenen aus dem islamischen Umfeld. Denn Terroristen sind für ihn keine Gläubige, auch wenn sie im Namen Allahs morden. Bin Laden schiebt er ins Lager der Atheisten ab.

Mehrfach verurteilt

Yahya ist eine schillernde Figur. Er sass schon mehrfach im Gefängnis oder einer psychiatrischen Anstalt, wo ihm angeblich Schizophrenie diagnostiziert wurde. Für ihn und seine Anhänger stecken dahinter Verleumdungen und Komplotte seiner Gegner. Es ist denn auch wenig wahrscheinlich, dass Yahya einen Auftritt im Kongresshaus haben wird. Verschiedene Quellen sagen, er sei wegen eines hängigen Gerichtsverfahrens mit einer Ausreisesperre belegt. Entsprechende Anfragen des «Tages-Anzeigers» hat er bis zum Redaktionsschluss nicht beantwortet.

Dem türkischen Erfolgsautor werden auch antisemitische Tendenzen nachgesagt. Seine Kritiker behaupten, er leugne in einem Buch den Holocaust. Yahya wehrt sich dagegen. Nicht er habe das Werk geschrieben, sondern ein Freund von ihm. Verschiedene Textstellen lassen auch die Vermutung zu, Yahya sehe sich als Mahdi, eine Art islamischer Messias. Der Autor streitet aber ab, sich für einen Propheten zu halten.

Was erwartet die Besucher am 28. Mai im Kongresshaus? Die Show wird auch ohne Yahya stattfinden. Seine Referenten werden mit erheblichem technischem Aufwand und wissenschaftlichen Theorien zu beweisen versuchen, dass die Evolutionstheorie eine Lüge sei. Und eine gefährliche Ideologie, mit der dem Atheismus der Weg bereitet werden soll. Für radikale Muslime und Christen steht viel auf dem Spiel. Falls der Darwinismus die Entstehung der Lebewesen richtig darstellt, fällt der Schöpfungsglaube in sich zusammen. Denn sowohl in der Bibel als auch im Koran hat Gott die Welt in sechs Tagen erschaffen.

Grosser Aufwand, viel Geld

Die Bewegung von Harun Yahya hat bisher weltweit viele Kongresse durchgeführt. Dabei scheut sie keine Kosten. Auch in Zürich wird ein riesiger Aufwand betrieben, der ganze Kanton ist mit Plakaten übersät. Woher das Geld stammt und wer den Anlass organisiert, bleibt unklar. Fragen dazu wurden nicht beantwortet. Freikirchliche Kreise sind gespalten. Einerseits freuen sie sich über die islamischen Anstrengungen, die Evolutionstheorie zu widerlegen. Andererseits möchten sie nicht mit radikalen Muslimen in Verbindung gebracht werden. Schliesslich kämpften viele christliche Fundamentalisten für das Verbot von Minaretten. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 17.05.2010, 23:02 Uhr

Abgrundtiefer Hass gegen Darwins Theorie: Harun Yahya.

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