Ist Radio im Bus zu gefährlich?

Die VBZ verbieten es ihren Chauffeuren strikt, im Bus das Radio anzudrehen. Ganz anders sieht man das in Winterthur und im Oberland. Sagen Sie uns Ihre Meinung zum Thema.

Je nach Bus gelten andere Regeln: Bei den VZO darf Radio gehört werden – mit angepasster Lautstärke. Foto: vzo.ch.

Je nach Bus gelten andere Regeln: Bei den VZO darf Radio gehört werden – mit angepasster Lautstärke. Foto: vzo.ch.

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Die Witze der Morgenshow-Moderatoren, die Nachrichten, Musik oder einfach nur Stille – die Vorlieben bezüglich Hintergrundbeschallung sind von Mensch zu Mensch verschieden. Bei der Entscheidung, ob Busfahrer während der Fahrt Radio hören dürfen, spielen die Vorlieben der Fahrgäste eine untergeordnete Rolle. Den Busunternehmen geht es primär um die Sicherheit.

Bei den Verkehrsbetrieben Zürich (VBZ) ist Musikhören während der Fahrt tabu. Die Busse verfügen über kein eingebautes Radio. Das hat vor allem einen Grund: «Musik kann die Fahrer ablenken und dadurch die Sicherheit der Fahrgäste gefährden», erklärt Andreas Uhl, Mediensprecher der VBZ. Die VBZ möchten mit dem Verbot verhindern, dass Musik als mögliche Unfallursache überhaupt infrage kommt.

Etwas weniger strikt sind die Einschränkungen bei Postauto. Zwar sei es den Busfahrern grundsätzlich nicht erlaubt, während der Fahrten Radio zu hören, sagt Urs Bloch, Mediensprecher bei Postauto. «Ausserhalb der Stosszeiten oder mit praktisch leerem Fahrzeug wird aber schon einmal ein Auge zugedrückt.» Auch Bloch begründet das Verbot damit, dass die Konzentration des Fahrpersonals durch das Radiohörern möglicherweise eingeschränkt und damit verbunden die Sicherheit der Fahrgäste nicht mehr gewährleistet sei. Das Fahrpersonal wird deshalb von Zeit zu Zeit an das Verbot erinnert.

Der Ton macht die Musik

Anders klingt es bei der Sihltal-Zürich-Uetliberg-Bahn (SZU). «Ein Gesetz, das Musik in öffentlichen Verkehrsmitteln verbieten würde, gibt es nicht», sagt Marcel Geser von der SZU. «Deshalb überlassen wir die Entscheidung den Busunternehmungen, die für uns die Fahrleistung erbringen.»

Auch beim Stadtbus Winterthur und den Verkehrsbetrieben Zürichsee und Oberland (VZO) ist Radiohören erlaubt. «Alle unsere Busse haben ein Radio, und die Chauffeure dürfen dieses auch einschalten», sagt Joe Schmid von den VZO. Einzige Regel: «Der Busfahrer muss den Funk mit wichtigen Durchsagen der Zentrale immer hören und mit der Lautstärkeregelung vernünftig umgehen, damit nicht der ganze Bus mit Musik beschallt wird.» Gleiches gilt für die Busfahrer vom Stadtbus Winterthur: «Wenn sie die Lautstärke des Radios entsprechend anpassen, ist das Radiohören erlaubt», sagt Reto Abderhalden, Mediensprecher vom Stadtbus Winterthur.

Beim Stadtbus Winterthur und den VZO macht man sich um die Sicherheit der Fahrgäste keine Sorgen. Bis jetzt habe ein laufendes Radio als Unfallursache nie eine Rolle gespielt.

Gleichgültige Fahrgäste

Die Fahrgäste selbst scheint das Radio im Hintergrund wenig zu stören. Weder bei der SZU noch bei den VZO oder Postauto erinnert man sich an Fahrgäste, die sich an einem laufenden Radio im Fahrzeug gestört hätten.

Auch Reto Abderhalden in Winterthur wird nur ab und zu mit Reklamationen konfrontiert: «Diese betreffen aber vor allem Busfahrerinnen und Busfahrer, die speziell laut Radio hören.» Mit ihnen suche man das Gespräch und weise sie darauf hin, zukünftig die Lautstärke zu regulieren. «Eine andere Konsequenz wäre das Verbot. Eine solche Einschränkung wäre aber schade, weil es die Chauffeure gerade in den Abendstunden schätzen, dass sie Radio hören können», sagt Abderhalden.

Verraten Sie uns in der Umfrage, was Sie von Musik im Bus halten. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 28.10.2014, 11:23 Uhr

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