Jagender Hund kommt Tierpflegerin teuer zu stehen

Das Obergericht hat ein Urteil des Bezirksgerichts Meilen bestätigt.

Gehetzte Rehe: Jungtiere sind besonders gefährdet. Foto: Sigi Tischler (Keystone)

Gehetzte Rehe: Jungtiere sind besonders gefährdet. Foto: Sigi Tischler (Keystone)

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Abgesehen von der Aufregung, die wohl unter einer Gruppe Rehe ausgebrochen sein dürfte, ist nichts passiert. Was sich an einem Februartag 2013 um die Mittagszeit in Herrliberg zutrug, hat aber im Portemonnaie einer Tierpflegerin Spuren hinterlassen. Die Anwaltskosten nicht eingerechnet, kommt sie der Verstoss gegen das Hunde- und Jagdgesetz bisher auf 3720 Franken zu stehen. Damals war die Tierpflegerin mit fünf Hunden, die sie offenbar frei laufen liess, in der Nähe des Schützenhauses spazieren gegangen. Ein Husky-Bernhardiner-Mischling soll sich – so der Vorwurf – von der Gruppe entfernt und im Wald eine Gruppe Rehe gejagt haben. Nach seiner Rückkehr habe die Tierpflegerin den Hund nicht angeleint. Eine Frau, selber Hundehalterin, will dies beobachtet haben. Sie mailte den Vorfall dem Veterinäramt, worauf das Statthalteramt des Bezirks Meilen einen Strafbefehl mit einer Busse von 500 Franken ausstellte.

Zeugenaussage angezweifelt

Das Jagdgesetz sieht eine Busse bis 10'000 Franken vor für jemanden, der seinen Hund fahrlässig wildern lässt. Auch das kantonale Hundegesetz droht damit, wenn ein Hund nicht so geführt wird, dass er weder Mensch noch Tier gefährdet, wenn er in oder an Wäldern nicht in Sichtweite auf kurzer Distanz gehalten wird oder wenn er im frei zugänglichen Raum unbeaufsichtigt laufen gelassen wird. All dies wurde der Tierpflegerin vorgeworfen. Und all dies bestritt sie. Sie sei damals zwar am fraglichen Ort mit ihren Hunden spazieren gegangen. Aber beim Hund, der damals tatsächlich Rehen nachjagte, habe es sich nicht um ihren Husky-Bernhardiner-Mischling gehandelt. Sie zweifelte an den Aussagen der Zeugin.

Das tat das Bezirksgericht Meilen nicht, das sich in der Folge mit dem Fall befassen musste. Die Zeugin habe detailliert geschildert, wo genau sie welche Beobachtung gemacht habe. Sie sei sich auch «zu 100 Prozent sicher», dass es sich um den Hund der Tierpflegerin gehandelt habe. Das Bezirksgericht bestätigte den Strafbefehl.

Nun wandte sich die Tierpflegerin ans Obergericht. Eines der vielen Argumente, das gegen einen Schuldspruch sprechen sollte: Das Bezirksgericht sei zeitlich davon ausgegangen, dass die Tierpflegerin mit ihren Hunden direkt von zu Hause gekommen war und sich nicht schon länger auf besagter Wiese aufgehalten hatte. Wenn man alle Wege zeitlich mit den Aussagen der Zeugin vergleiche, bleibe nur ein Schluss: Während der gesamten Zeit, in der die Zeugin die Rehe und den jagenden Hund beobachtete, habe sich die Tierpflegerin noch zu Hause befunden.

Überraschenderweise schloss sich das Obergericht dieser Beurteilung an. «Die zeitlichen Verhältnisse sprechen eher gegen die Annahme, dass es sich bei dem von der Zeugin wahrgenommenen Hund um einen Hund der Beschuldigten gehandelt hat.» Dies führte aber nicht zum Freispruch, denn: Es sei «nicht ersichtlich», weshalb man davon ausgehen müsse, die Tierpflegerin sei damals direkt von zu Hause gekommen und habe sich nicht schon länger auf der Wiese aufgehalten. Sie habe das selber ja auch gar nicht behauptet. So blieb es bei der Verurteilung wegen fahrlässigen Jagenlassens und mangelnden Beaufsichtigens eines Hundes.

Ob die Tierpflegerin sich noch ans Bundesgericht wendet, ist nicht bekannt.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.03.2015, 20:52 Uhr

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