Interview

«Jeder ernsthafte Beobachter sieht es wie ich»

Im Kampf um Radio 105 geht Radiopionier Roger Schawinski hart mit seinem Konkurrenten Ringier ins Gericht. Und wehrt sich gegen Gerüchte aus der Medienszene.

Will die «105-DNA» erhalten: Roger Schawinski.

Will die «105-DNA» erhalten: Roger Schawinski.

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Herr Schawinski, im Bieterstreit um Radio 105 wird mit harten Bandagen gekämpft. Sie und Energy-Chef Dani Büchi bleiben sich nichts schuldig. Wie reagierte die Radioszene Zürich bisher?
Ich werde überall darauf angesprochen. Und alle wünschen mir Glück.

Sie verbreiten die These, dass Radio Energy stets das Ziel verfolgt habe, 105 aus dem Markt zu drängen. Und Sie unterstellen Radio Energy, 105 jetzt übernehmen zu wollen, um sich eines Konkurrenten zu entledigen. Mit dieser Theorie stehen Sie ziemlich allein da.
Im Gegenteil. Jeder ernsthafte Beobachter sieht es wie ich. Radio 105 war für Energy der einzige direkte Konkurrent in der Zielgruppe. Energy liegt nur 20'000 Hörer hinter Marktleader Radio 24. Mit diesem Manöver hofft man, nach über dreissig Jahren endlich an die Spitze zu gelangen, was man trotz der exzessiven publizistischen Unterstützung durch alle Ringier-Medien mit programmlichen Leistungen nicht geschafft hat. Das Bakom verlangt nun aber für das Jugendradio 105 ganz klar eine «nachhaltige» Lösung, um keinen baldigen zweiten Konkurs zu riskieren. Die aktuelle Erfahrung zeigt nämlich deutlich, dass im stark besetzten Radiomarkt Zürich ein Radio wie 105 mit 100'000 Hörern allein nicht lebensfähig ist.

Und Sie haben ein Rezept, um 105 nachhaltig zu führen?
Wir bieten eine Lösung an, wie sie immer mehr Medien aus ökonomischen Gründen einsetzen, nämlich einen Betrieb von mehreren Kanälen aus einer Küche, um so notwendige Synergien zu erzielen. Das will Ringier verhindern. Sie wollen keinen oder dann einen möglichst schwachen Konkurrenten.

Stichwort Synergien: Heisst das, dass 105-Hörer künftig mit den News von Radio 1 bedient werden? Und dass die «Morgenshow» von 105 nicht mehr live gesendet wird, sondern am Vorabend produziert werden muss?
Die Radio-1-News haben in allen wissenschaftlichen Studien Höchstnoten erhalten. Davon sollen nun auch junge Zuhörer profitieren können, unter anderem mit mehr politischen Inhalten. Und die 105-«Morgenshow» soll natürlich live gesendet werden, dies bereits ab nächster Woche.

Auch Energy hat eine Lösung. Man will die Marke 105 weiterführen, die UKW-Konzession weiterverkaufen oder zurückgeben.
Dies ist eine unglaubwürdige Schutzbehauptung. Also: Ringier hat offiziell zwei – faktisch aber bereits drei – Radiokonzessionen. Erlaubt sind höchstens zwei. Es geht hier um eine UKW-Konzession, die kann Ringier aus den erwähnten Gründen also gar nicht nutzen. Für ein DAB-Radio, wie es Ringier machen will, braucht man hingegen keine Konzession. Da kann Ringier sofort starten und einen Kanal mieten. Und wenn Ringier allein an der Marke 105 interessiert ist, wie jetzt etwas hilflos und zur Vernebelung der wahren Absichten nachgeschoben wird, kann es diese erwerben. Lizenzgeber ist eine italienische Firma. Die Lizenz für die Schweiz läuft Ende 2014 aus. Dort kann man ein höheres Angebot einreichen. Dazu muss man kein konzessioniertes und erfolgreiches Jugendradio zerstören, das allein an seiner zu hohen Kostenbasis gescheitert ist.

Radio Energy will die Marke 105 ohne UKW-Frequenz weiterführen. Dies mit dem Argument, dass die nationale Verbreitung via Kabel, DAB und Web attraktiver sei. Sie sehen das anders?
DAB-Experten haben im «Kleinreport» dargelegt, dass ein reines DAB-Radio noch für mehrere Jahre nicht lebensfähig ist. Und DAB wird gerade von Jugendlichen kaum genutzt, da es auf ihren Smartphones nicht aufgeschaltet ist. Das Bakom hat letzte Woche erklärt, dass man will, dass Radio 105 möglichst schnell «den Service public» wieder aufnehmen kann und auf eine «nachhaltige» Basis gestellt werden soll. Dies können wir anbieten, und das will Ringier mit allen Mitteln verhindern. Ich frage mich, ob es sich das Bakom gefallen lässt, dass die bundesrätliche Medienpolitik aufgrund von kommerziellen Eigeninteressen eines Grosskonzerns unterlaufen wird.

Aus Radiokreisen ist zu hören, dass Sie derzeit viel PR für Ihr 105-Anliegen machen. Wenn das stimmt, wirkt das angesichts des Bieterstreits etwas verzweifelt.
Es wundert mich nicht, dass die Gegenseite solche Dinge über mich verbreitet. Dies ist der dort übliche Stil. So hat man mich auch als «cleveren Schnäppchenjäger» und Mitschuldigen für den Konkurs von 105 verunglimpft, weil ich die Firma im Vorfeld des Konkurses nicht gekauft habe. Ein solcher Vorwurf ist schlicht grotesk. Jetzt hofft man offenbar selbst auf ein solches «Schnäppchen». Vor allem aber will man mich als professionellen Konkurrenten ausschalten.

Sie sollen in Radiokreisen angekündigt haben, sollte Energy Ihnen 105 wegschnappen, würden Sie gegen Energy Basel vorgehen. Sie bestreiten, diese Aussage je gemacht zu haben?
Absolut. Und sie wäre auch aus logischen Gründen absolut unsinnig, da die Konzession an Energy Basel vom Bakom bis 2019 fest vergeben worden ist. Dass Sie mich in einem längeren Interview zu diesem Thema nicht mit diesem Vorwurf konfrontiert haben, finde ich journalistisch mehr als grenzwertig. Offenbar wollten Sie kein Dementi holen.

Falsch. Mehrere Personen haben davon glaubhaft berichtet. Nächste Woche ist der Showdown. Am Montag wird Energy ein Angebot für 105 abgeben. Am Dienstag sind Sie an der Reihe. Schon jetzt ist Ihr aktuelles Angebot dreimal höher als dasjenige der anderen Interessenten. Wie weit werden Sie im Bieterstreit gehen?
Falsch? Wo sind Ihre Beweise für diese unsinnige Unterstellung? Klar ist, dass Ringier im Vergleich zu mir praktisch unbeschränkte Mittel hat. Die wird man wohl einsetzen, weil sich diese irre Geschichte immer mehr zu einer Prestigesache entwickelt.

Was sind Ihre nächsten Schritte, sollten Sie leer ausgehen?
Wenn wir gewinnen, freue ich mich vor allem für die Mitarbeiter und die Hörer von 105, die ihr geliebtes Radio möglichst schnell zurückhaben wollen. Wir können bereits nächste Woche mit dem bisherigen Programm und den bekannten Stimmen auf Sendung gehen. Damit würde die 105-DNA erhalten bleiben, und weiterer Schaden wegen der Stilllegung könnte verhindert werden. Wenn Ringier mich mit seiner gewaltigen Kriegskasse überbieten sollte, nur um seine destruktiven Ziele zu erreichen, wäre ich wie alle anderen Beteiligten sehr traurig. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 24.01.2014, 14:40 Uhr

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