Jedes zwölfte Mädchen erleidet sexuelle Gewalt durch Kollegen

Polizeistatistiken geben kein realistisches Bild vom tatsächlichen Ausmass der sexuellen Gewalt unter Jugendlichen. Laut einer Studie der Uni Zürich sind rund 8 Prozent der befragten Mädchen bereits ein- oder mehrmals Opfer von Übergriffen geworden.

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Eine neue Studie über Ausmass, Täter und Opfer sexueller Gewalt unter Jugendlichen aus dem Kanton Zürich zeigt: Nur gerade fünf Prozent aller Übergriffe werden bei der Polizei angezeigt. Zwar haben nur 4,3 Prozent der Schüler bei der Befragung 2007 angegeben, in den letzten 30 Monaten sexuelle Gewalt erfahren zu haben. Geschlechtergetrennt betrachtet ergeben die Zahlen aber ein anderes Bild. Für Mädchen sind sexuelle Übergriffe die häufigste Form von Gewalt. Eines von zwölf (7,8 Prozent) hat angegeben, bereits ein- oder mehrmals Opfer geworden zu sein. Die Mädchen berichteten von insgesamt 830 Vorfällen. Die Täter waren durchgehend Knaben, 45 Prozent waren minderjährige Kollegen.

Übergriffe betreffen eine kleine Opfer-Gruppe

Mit sexueller Gewalt sind sämtliche unerwünschten Handlungen gemeint - vom Griff zwischen die Beine bis zur Vergewaltigung. Verglichen mit Raub (9 Prozent), Erpressung (5,3 Prozent) und Körperverletzung mit und ohne Waffen (18,4 Prozent) ist sexuelle Gewalt damit am seltensten.

Die Übergriffe konzentrierten sich auf eine kleine Opfer-Gruppe. «Einige wenige Mädchen haben fast die Hälfte aller Vorfälle erlebt», sagte der Soziologe Manuel Eisner, der die Ergebnisse am Donnerstag an einer Lehrertagung in Zürich präsentierte. Rund die Hälfte wurden mehr als einmal Opfer. Vereinzelte sogar über zehn Mal.

Keine Zunahme seit 1999

Zugenommen hat die sexuelle Gewalt unter Jugendlichen allerdings nicht. «Wenn man die Zahlen von 1999 und 2007 vergleicht, findet man keine Anzeichen dafür», so Eisner.

Verändert hätten sich hingegen die Schauplätze: Während 1999 die meisten Übergriffe in der elterlichen Wohnung passierten, verschiebt sich der Ort bei der Befragung 2007 vermehrt in den öffentlichen Raum: ins Schulhaus (17,8 Prozent), in den öffentlichen Verkehr (12,6 Prozent) oder in den Ausgang (15,4 Prozent).

Nur 5 Prozent der Übergriffe werden Angezeigt

57,3 Prozent der Opfer haben höchstens einer Freundin vom Vorfall erzählt, nicht aber einem Erwachsenen. 42 Prozent redeten mit den Eltern (meist der Mutter) oder einer Lehrperson darüber. Letztere werden laut Eisner immer öfters zur Vertrauensperson. Wenig Vertrauen geniessen dagegen laut Eisner Beratungstellen (9 Prozent) und die Polizei.

Nur fünf Prozent der Fälle werden zur Anzeige gebracht. «Die Anzeigerate bei sexueller Gewalt ist damit viel kleiner als bei anderen Formen», so Eisner. Als Gründe für den Verzicht haben 36 Prozent der Schülerinnen «ist nicht so schlimm» angegeben. 32 Prozent wollen nichts mit der Polizei zu tun haben.

(tif/sda)

Erstellt: 21.08.2008, 15:36 Uhr

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