Jetzt braucht die Kesb Polizeischutz

Die Schutzbehörde wird nach dem Tötungsdelikt von Flaach massiv bedroht. Dies, weil sie für die Fremdplatzierung der getöteten Kinder verantwortlich war.

Hier herrscht nach den Ereignissen der letzten Tage Ausnahmezustand: Der Eingang zu den Büros der Kesb in Winterthur.

Hier herrscht nach den Ereignissen der letzten Tage Ausnahmezustand: Der Eingang zu den Büros der Kesb in Winterthur. Bild: Walter Bieri/Keystone

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Die Kindesschutzbehörde Winterthur-Andelfingen (Kesb) hat heute eine geplante Medienkonferenz gestrichen, wie sie in einem Communiqué mitteilt. Grund sind Drohungen, die offenbar so gravierend sind, dass die Polizei das Sicherheitsdispositiv zum Schutze der Mitarbeiter verstärken musste.

Von der Behörde werde sich bis auf weiteres niemand mehr gegenüber den Medien äussern. Die Polizei habe dazu geraten, damit sich keine Mitarbeiter namentlich exponieren. Die Stadtpolizei Winterthur bestätigt den Sachverhalt, macht aber aus taktischen Gründen keine näheren Angaben über die Art der Drohungen.

Wie es bei der Kesb auf Nachfrage heisst, übertreffen die per Mail und über Social Media eingegangenen Botschaften die üblichen Nachrichten aufgebrachter Bürger, mit der die Schutzbehörde sonst immer wieder konfrontiert ist. «Und wir sind uns einiges gewohnt», stellt eine Sprecherin klar.

Abklärungen laufen mit «Hochdruck»

Weiter teilt die Behörde mit, dass das Kindesschutzverfahren von Flaach unter «Hochdruck» aufgearbeitet werde. Man begrüsse auch die angekündigte externe Überprüfung durch die kantonale Justizdirektion von Regierungsrat Martin Graf (Grüne). Bei den bisherigen Kontrollen hätten sich keine Hinweise ergeben, die auf eine akute Gefährdung der Kinder durch die Mutter hindeuten.

Über die vorsorgliche Fremdplatzierung sei erst nach einer sorgfältigen Risikoabwägung entschieden worden. Ziel sei es gewesen, nach damaliger Einschätzung dem Schutz der Kinder am besten zu entsprechen.

Zahlreiche persönliche Gespräche

Unter anderem sollten durch eine Kinderpsychologin die Beziehungen innerhalb der Familie überprüft werden, unter anderen jene zwischen den Grosseltern und den Kindern und jene der Eltern zu den Grosseltern. Thema waren auch die Erziehungsfähigkeit von Vater und Mutter sowie die Chancen und Gefahren, welche der Einbezug der Grosseltern gebracht hätte. Warum die Kinder am Ende nicht in die Obhut der Grosseltern gegeben wurden, könne aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht kommuniziert werden, heisst es im Schreiben.

Klar ist aber, dass die Angehörigen im Verfahren «eng involviert waren und es zahlreiche persönliche Gespräche gegeben hat». Weiter wehrt sich die Kesb gegen die Vorwürfe, sie sei über die Festtage nicht erreichbar gewesen. Ein minimaler Notfalldienst war sichergestellt. Alle Personen, die in dieser Zeit die Kesb kontaktiert hätten, seien über die Zeiten der Erreichbarkeit informiert worden. Die Akten seien der Anwältin der Mutter nicht sofort zugestellt worden, da die verantwortlichen Kesb-Mitarbeiter davon ausgingen, dass der Bezirksrat über die Feiertage nicht erreichbar ist.

Erstellt: 05.01.2015, 16:14 Uhr

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