Jetzt spricht der Imam der Winterthurer An’Nur-Moschee

Er soll in Kontakt mit dem IS stehen, wird ihm vorgeworfen. Nun nimmt der Libyer A. E. erstmals Stellung.

Exklusives Interview: Der umstrittene Imam A. E. nimmt auf Watson.ch erstmals Stellung.

Exklusives Interview: Der umstrittene Imam A. E. nimmt auf Watson.ch erstmals Stellung. Bild: Screenshot Watson.ch

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Der Libyer A. E. ist gemäss Medienberichten der radikale Vordenker der Winterthurer An’Nur-Moschee. Er habe Kontakte zum IS und solle Jugendliche in Winterthur für den Jihad anwerben, so der Vorwurf.

Auf Watson.ch nimmt er erstmals Stellung zu den Vorwürfen und betont im Gespräch, dass er keinerlei Verbindungen zum IS habe. «Ich verurteile die Taten und die Ideologie des IS grundsätzlich und verachte ihn dafür, dass er das Bild vom Islam in ganz Europa dermassen verzerrt hat.»

Besuche bei der kranken Mutter in Libyen

Seine regelmässigen Reisen in die IS-Hochburg Sirte begründet der Libyer damit, dass er dort seine kranke Mutter besuche. Dass er dabei jeweils Jugendliche mitnehme und so zum Jihad bringe, wie die «Weltwoche» schreibt, weist er weit von sich. «Solche Anschuldigungen müssten erst bewiesen werden», sagt er zu «Watson».

Er sei noch nicht Imam in Winterthur gewesen, als die ersten vier Jugendlichen in den Jihad gereist seien. Keinen von ihnen habe er persönlich gekannt. Die Jugendlichen würden sich vor allem im Internet radikalisieren und über Facebook mit Jihadisten in Kontakt treten, so seine Einschätzung.

«Meine Predigten sind offen»

Auch den Verdacht, dass er regelmässig Hasspredigten im Hinterzimmer seiner Moschee halten solle, weist er von sich. «Meine Predigten sind offen und für jeden zugänglich. Hier findet nichts in verborgenen Kämmerchen statt.» Die mediale Aufmerksamkeit sei einzig auf seine Moschee gerichtet, weil von hier aus zwei sehr junge Menschen in den Jihad gezogen seien. Dabei seien auch in Bern mehrere Jugendliche gegangen und auch in Schaffhausen seien, gemessen an der Einwohnerzahl, mehr abgereist als in Winterthur. «Da redet aber niemand von einer IS-Zelle.»

Zugegeben hat A. E. gegenüber «Watson», dass er der Libyan Islamic Fighting Group angehört habe, die enge Beziehungen zum internationalen Netzwerk al-Qaida pflege und wie der IS einen islamischen Staat nach Scharia-Gesetzen aufbauen wolle. «Wir waren eine jugendliche Gruppe von Oppositionellen, die sich gegen Ghadhafi aufgelehnt hat», sagt er dazu. Gemeinsam hätten sie das Ziel verfolgt, einen islamischen Staat nach dem Vorbild der Türkei zu gründen. «Aber nicht mit den Methoden des IS», versichert A. E. «Der IS mordet. Das ist inakzeptabel.»

Sein Kampf gegen Ghadhafi habe dazu geführt, dass er aus Libyen habe fliehen müssen, führt A. E. weiter aus. «Mein Bruder wurde von Ghadhafi umgebracht.» Dass ihm die Schweiz vor 15 Jahren politisches Asyl gewährt habe, schätze er sehr. «Ich liebe die Schweiz und stehe zu hundert Prozent hinter den schweizerischen Werten. Dieses Land ist meine zweite Heimat geworden.» (tif)

Erstellt: 24.11.2015, 08:20 Uhr

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