Jetzt steht Aeppli unter Druck

Der Rücktritt von FDP-Finanzdirektorin Ursula Gut bringt SP-Bildungsdirektorin Regine Aeppli in Zugzwang. Tritt sie nicht zurück, gilt sie als Sesselkleberin.

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Regierungsrätin Ursula Gut hat einen weisen Entscheid getroffen. Nach 16 Jahren in der Gemeindepolitik und neun Jahren im Regierungsrat hat sie alles Recht, sich zurückzulehnen und locker zu sagen, sie freue sich mit ihren 60 Jahren auf eine gute Zeit nach der Politik. Neun Jahre oder etwas mehr als zwei Legislaturperioden sind eine gute Richtzeit für Regierungsmitglieder. Als Maximum sind zwölf Jahre zu nennen. Und die zwei heutigen Sätze von Ursula Gut: «Wenn ich noch eine Amtsperiode angehängt hätte, wäre ich beim Rücktritt 66 Jahre alt gewesen, also über dem Pensionsalter. Und das wollte ich nicht», hallen nach.

Ob Gut damit auf ihre Regierungskollegin Regine Aeppli (SP) zielte, ist nicht bekannt. Aeppli wird nächstes Jahr zwölf Jahre im Regierungsrat gewesen sein und wird 63 Jahre alt. Aeppli hat eine noch längere und noch prominentere politische Karriere hinter sich. 1987 wurde sie in den Zürcher Kantonsrat gewählt, 1995 in den Nationalrat. Aeppli ist das letzte Regierungsmitglied, das sich noch nicht zu seinen Plänen geäussert hat.

Beide Frauen haben einiges gemeinsam. Sie haben in ihrem Amt keine grossen Stricke zerrissen, aber auch keine grösseren Fehler gemacht. Und sie mussten vor allem bewältigen. Gut den BVK-Skandal, den ihr ihre Vorgänger eingebrockt hatten, Aeppli die Schulreformen von Vorgänger Ernst Buschor. Beide haben diese Aufgaben solide erledigt.

Und beide können ihrer Partei einen Dienst erweisen. Gut erspart dem Freisinn eine Doppelvakanz 2019, wenn voraussichtlich Thomas Heiniger zurücktritt. Und Aeppli kann verhindern, dass in der SP erneut die Sesselkleberdiskussion aufflammt.

Eines unterscheidet die beiden Parteien aber: Bei der FDP scheint eine Kandidatin schon fast zu perfekt für Guts Nachfolge zu passen. Kantonsrätin Beatrix Frey-Eigenmann ist HSG-Absolventin, Finanzvorsteherin von Meilen und hat während der letzten Budgetdebatte zahlreiche pauschale Kürzungsvorschläge eingebracht. Damit kann sie bei den bürgerlichen Wählern punkten und sich als Finanzdirektorin empfehlen. Sie hat beim Bundesamt für Energie und als Stabschefin für das Programm Energie 2000 gearbeitet, was sie für Mitte-links interessant macht. Zudem ist Frey-Eigenmann Stiftungsrätin eines Alters- und Pflegeheims, Verwaltungsrätin eines Regionalspitals und Verwaltungsrätin der Landi. Weiter engagiert sie sich für externe Kinderbetreuung, ist im Elternverein und bei der Frauenzentrale. Sie bedient also von den Senioren über die Patienten, Landwirte, modernen Eltern bis zu den Frauen so ziemlich die ganze Wählerschaft.

Und dass sie eine Frau ist, gereicht ihr gewiss nicht zum Nachteil. Die FDP könnte mit einem gemischten Doppel zur Wahl antreten und nähme der CVP den Wind aus den Segeln, die erst gestern Abend mit Staatsanwältin Silvia Steiner eine starke Frau nominiert hat. Und die FDP würde mit einer Frauenkandidatur schliesslich auch die SP unter Druck setzen, die es sich als Gleichstellungspartei kaum leisten könnte, neben Mario Fehr einen weiteren Mann zu portieren, wenn Aeppli aufhört. Doch auch bei der SP weiss man, dass vor allem ein Mann die besten Chancen hat: Daniel Jositsch.

Erstellt: 03.04.2014, 16:26 Uhr

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