Jetzt untersucht ein Psychologe den Fall Flaach

Regierungsrat Martin Graf hat nun den Bericht der Kesb Winterthur analysiert. «Nachvollziehbar und vertretbar» habe sie gehandelt, so sein Urteil. Dennoch bestellt er ein zusätzliches Gutachten.

Zwei Fachexperten sollen ihr Vorgehen im Fall Flaach begutachten: Kesb Winterthur.

Zwei Fachexperten sollen ihr Vorgehen im Fall Flaach begutachten: Kesb Winterthur. Bild: Urs Jaudas

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Vier Tage nach der Tötung der 2-jährigen Alessia und des 5-jährigen Nicolas durch ihre Mutter hatte Justizdirektor Martin Graf (Grüne) reagiert. Als Chef der Aufsichtsbehörde forderte er am 5. Januar von der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde Winterthur-Andelfingen (Kesb) und vom Bezirksrat Winterthur Berichte über die Vorgänge und Entscheide in diesem Fall.

Diese Berichte hat er nun analysiert und ist nach Einholung weiterer Informationen zum Schluss gekommen: Die Kesb hat im Fall Flaach «nachvollziehbar und vertretbar gehandelt». Die Tragweite der Ereignisse rechtfertige trotzdem eine unabhängige Beurteilung des Falles, heisst es in einer Mitteilung von heute Freitag. Graf hat deshalb zwei Fachpersonen mit einer interdisziplinären Beurteilung beauftragt.

Es handelt sich um den Juristen Kurt Affolter aus Ligerz und den Langenthaler Psychologen Martin Inversini. Affolter ist Fürsprecher und Notar sowie ehemaliger Leiter des Vormundschaftsamts der Stadt Biel. Martin Inversini ist Fachpsychologe für Kinder- und Jugendpsychologie und ehemaliger Leiter der Erziehungsberatungsstelle Langenthal. Das Gutachten soll vor den Sommerferien vorliegen.

Es gab Gründe gegen die Grosseltern

Vorläufig aber zieht die Justizdirektion folgende Schlüsse:

  • Die Heimplatzierung der beiden Kinder im Zeitpunkt der Verhaftung der Eltern am 4. November 2014 war «geboten und korrekt».
  • Am 19. Dezember 2014 verfügte die Kesb, die Kinder sollten im Heim bleiben. Nachvollziehbar und vertretbar ist dieser Entscheid, weil «es Gründe gab, die Kinder für die Zeit der weiteren Abklärung nicht bei der Mutter oder den Grosseltern wohnen zu lassen». Ziel der Kesb war aber, die Kinder wieder in die Obhut der Mutter zu geben. Das hat die Kesb der Mutter klar gesagt.
  • Die Behörde hat sich intensiv mit sämtlichen Beteiligten auseinandergesetzt und den Fall ordnungsgemäss abgeklärt. Sie hat auch die Gemeinde Flaach korrekt ins Verfahren einbezogen.
  • Aus den Akten ergibt sich kein Hinweis darauf, dass die Mutter die Kinder gefährden könnte.
  • Es bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass ein Pikettdienst der Kesb dazu hätte beitragen können, die Tötung der Kinder zu verhindern. Die Behörde betrieb über die Feiertage einen Notfalldienst.

Erstellt: 23.01.2015, 14:43 Uhr

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