Jositsch verärgert rot-grüne Allianz im Ständeratswahlkampf

Der SP-Ständerat macht für die grüne Marionna Schlatter keine Wahlwerbung – entgegen dem Entscheid der eigenen Partei.

Bei jenen Wahlplakaten, die Daniel Jositsch selbst bezahlt hat, fehlt die Empfehlung für Marionna Schlatter (Grüne).

Bei jenen Wahlplakaten, die Daniel Jositsch selbst bezahlt hat, fehlt die Empfehlung für Marionna Schlatter (Grüne). Bild: facebook.com/danieljositsch

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Eigentlich haben sowohl die Grünen als auch die SP entschieden, sich gegenseitig im Ständeratswahlkampf zu unterstützen. Beide empfehlen daher offiziell Marionna Schlatter (Grüne) und Daniel Jositsch (SP) zur Wahl. Doch für Jositsch ist klar: «Ich mache für mich Wahlkampf.» Deshalb fehlt bei den Plakaten und Inseraten, die er selbst bezahlt, die Empfehlung für Schlatter. Zusätzlich für Empörung sorgt nun ein Newsletter, den Jositsch vergangene Woche zusammen mit Ständeratskollegen Ruedi Noser (FDP) an – nach eigenen Angaben – Hunderte Abonnenten verschickt hat. Darin abgebildet ist ein Wahlzettel, der ausgefüllt ist mit den Namen Daniel Jositsch und Ruedi Noser.

Ausschnitt aus dem Newsletter von Daniel Jositsch und Ruedi Noser.

Empörung bei der SP

«Was soll das?», fragt Nicola Siegrist empört bei Twitter. Am Telefon erklärt der SP-Kantonsrat, er sei enttäuscht über diese Empfehlung von Jositsch. Sie widerspreche dem demokratischen Entscheid, den man innerhalb der Partei gefällt habe, Schlatter zu unterstützen. Als Juso-Geschäftsleitungsmitglied sei er von seiner Position am linken Flügel der Partei, während Jositsch für den rechten Flügel stehe, «aber der Wahlzettel im Newsletter hat bis weit in die Mitte für Empörung gesorgt».

Jositsch hat davon nichts mitbekommen, wie er sagt: «Es steht natürlich jedem frei, meine Kommunikation gut oder schlecht zu finden.» In erster Linie mache er für sich Wahlkampf, alle anderen Kandidatinnen und Kandidaten seien Konkurrenz. Er stehe aber hinter dem Parteientscheid, die grüne Kandidatin zu unterstützen, sagt Jositsch.

Im Zürcher SP-Präsidium nimmt man den gemeinsamen Newsletter von Jositsch und Noser gelassen. Die Co-Präsidentin Priska Seiler Graf bezeichnet den Wahlzettel als «vom Layout her missverständlich». Es sei beiden wohl darum gegangen, jeweils sich selbst zur Wahl zu empfehlen. «Für uns als SP ist aber klar: Wir unterstützen neben Daniel Jositsch auch Marionna Schlatter», sagt Seiler Graf.

Unverständnis bei Schlatter

Wenig erfreut über die fehlende Unterstützung des prominenten Zürcher Ständerats ist die grüne Kandidatin Marionna Schlatter. Sie sei erstaunt gewesen, als sie den Newsletter mit dem Wahlzettel gesehen habe, sagt sie auf Anfrage. «Das ist natürlich unschön, aber ich kann niemanden zwingen, mich zur Wahl zu empfehlen.» Ihr käme es jedenfalls nicht in den Sinn, den SP-Kandidaten Daniel Jositsch nicht zu unterstützen oder seinen Namen von den Wahlplakaten zu entfernen.

Erstellt: 30.09.2019, 18:18 Uhr

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