Juso lancieren Initiative gegen Sündenbockpolitik der SVP

Die Jungsozialisten wollen mit einem Kulturzentrum den Austausch zwischen Schweizern und Ausländern fördern. Bezahlen und leiten soll dieses die Stadt Zürich. Dazu starten sie eine Volksinitiative.

Initiativen gegen Fremdenfeindlichkeit privater Organisationen reichen den Juso nicht: Zigeunerkulturwoche auf dem Zürcher Kasernenareal. (Bild: 1998)

Initiativen gegen Fremdenfeindlichkeit privater Organisationen reichen den Juso nicht: Zigeunerkulturwoche auf dem Zürcher Kasernenareal. (Bild: 1998) Bild: Markus Stuecklin /Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Jungsozialisten (Juso) wollen etwas tun gegen Fremdenfeindlichkeit und sind überzeugt, dass die Stadt Zürich hier Aufholbedarf hat. Am kommenden Mittwoch schreiben sie deshalb im «Tagblatt» die städtische Volksinitiative «Für ein weltoffenes Zürich – Kulturaustausch statt Fremdenfeindlichkeit» aus. Diese hat ein Kulturzentrum zum Ziel, in dem der Austausch zwischen ausländischen und schweizerischen Stadtbewohnern gefördert wird und damit «Fremdenfeindlichkeit bekämpft und gesellschaftliche Solidarität erreicht werden kann».

Neben «interkulturellen Veranstaltungen» sollen dort unter anderem Sprachkurse von qualifizierten Lehrern angeboten oder betreute Spielräume für Kinder eingerichtet werden. Das Zentrum und seine Angebote sollen allen offenstehen, der Aufenthaltsstatus von Ausländern soll dabei keine Rolle spielen. Mittellose sollen angebotene Kurse ohne Bezahlung besuchen können. Geführt und bezahlt werden soll das Kulturzentrum von der Stadt.

Zwei Millionen Betriebskosten

Für den Umbau oder Neubau eines geeigneten Gebäudes soll die Stadt einen Kredit von maximal 25 Millionen Franken sprechen. Findet sich ein Objekt zur Miete, soll diese pro Jahr maximal eine Million Franken kosten. Wie Oliver Heimgartner, Vorstandsmitglied der Juso Zürich, erklärt, sind diese Zahlen «mit dem Hochbaudepartement abgesprochen und realistisch». Keine Angaben machen die Juso im Initiativtext zu den Betriebs- und Unterhaltskosten. «Für eine effektive Arbeit gegen Fremdenfeindlichkeit muss man Geld zur Verfügung stellen. Wir gehen von einem jährlichen Betrag in einstelliger Millionenhöhe aus.»

Die Juso zeigen sich überzeugt, dass ein Kulturzentrum für den interkulturellen Austausch nötig ist: «Auch in Zürich gibt es viel Fremdenfeindlichkeit. Man muss ein Zeichen gegen die von der SVP dominierte Sündenbockpolitik setzen.»

Stadt soll aktiv werden

Bereits finden in Zürich aber alljährlich verschiedenste Veranstaltungen statt, die sich dem interkulturellen Austausch verpflichten. Aktuelle Beispiele sind die Zigeunerkulturtage, die in zwei Wochen stattfinden, oder das Kulturfestival Integration auf dem Helvetiaplatz von Ende August. Zudem sind bereits bestehende Kulturinstitutionen wie die Rote Fabrik stets offen für interkulturellen Austausch. Es stellt sich die Frage, weshalb ein weiteres Zentrum gebaut werden muss.

«Damit müsste die Stadt selbst gegen Fremdenfeindlichkeit aktiv werden und könnte mit einem Pilotprojekt schweizweit Impulse setzen, die zu einem Umdenken in der Migrationspolitik führen», ist sich Heimgartner sicher. Ein durch die Stadt geführtes Projekt könne viel mehr bewirken als einzelne Initiativen verschiedener Organisationen. Diesen soll das Kulturzentrum aber auch nicht im Weg stehen: «Das Kulturzentrum kann mit anderen Organisationen zusammenarbeiten, und deren Arbeit wird nach wie vor einen wichtigen Bestandteil in der Bekämpfung der Fremdenfeindlichkeit darstellen.»

Im Initiativkomitee sitzen unter anderen Nationalrat Martin Naef und Alt-Nationalrätin Katharina Prelicz-Huber ein. Die Juso müssen nach der Einreichung der Initiative innerhalb eines halben Jahres 3000 Unterschriften sammeln, damit das Projekt vors Stimmvolk kommt.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 27.06.2014, 16:18 Uhr

Artikel zum Thema

Klassengrösse: 70 Schüler

In einer Baracke beim Güterbahnhof dürfen jene in den Unterricht, für die es sonst keine Angebote gibt. Nun ist das Projekt in Gefahr, weil die Autonome Schule aus ihren Räumlichkeiten ausziehen muss. Mehr...

«Die Zuzüger müssen spüren, dass sie hier willkommen sind»

In Zürcher Primarschulen sollte in Deutsch und Englisch unterrichtet werden, um Zuzügern die Integration zu erleichtern, findet die kantonale Integrationsbeauftragte Julia Morais. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Paid Post

Deshalb lassen sich Frauen online gut abschleppen

Hör auf, Frauen Drinks zu spendieren, und konzentriere dich besser darauf, beim Casual Dating Gas zu geben. Die Chancen auf eine heisse Nacht sind auf den Erotik-Portalen deutlich besser.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Das erste Weisshandgibbon Baby des Skopje Zoos steht in seinem Gehäge neben seiner Mutter. (20. Mai 2019)
(Bild: Robert Atanasovski) Mehr...